Gleichgültigkeit gegenüber der Unmenschlichkeit in unserer Gesellschaft kann man Udo Lindenberg gewiss nicht nachsagen. In den Siebzigern träumte er sich über die Mauer hinweg zu einem Rockkonzert auf dem Alex, 1983 sein erstes Konzert in Ost-Berlin, 1989 rief er die multikulturelle "Bunte Republik Deutschland" aus, und 2000 begründete er die Initiative "Rock gegen Rechte Gewalt". Der "Club of Budapest" hat die Schirmherrschaft für Lindenbergs "Dialog der Kulturen" übernommen.
Mit "Atlantic Affairs" bringt er jene deutschen Künstler ins Bewusstsein, die in den Dreißigern vor den Nazis ins Ausland fliehen mussten. Es ist ein Stoff gegen Dummheit und Gleichgültigkeit, für konsequentes Denken und Handeln, für Frechheit und Widerstand, politisches Wachsein und Provokation - Sprengstoff gegen die satte Langeweile.
Mancher wird sich fragen: Was haben Ohrwürmer in diesem Zusammenhang verloren? Schließlich weiß nicht jeder, dass der Marlene-Dietrich-Hit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" aus der Feder von Friedrich Hollaender stammt, der wegen seiner jüdischen Abstammung und politischer Missliebigkeit 1933 seine deutsche Heimat verlassen musste. Ebenso Werner Richard Heymann, der einer jüdischen Familie entstammte. Er vertonte 15 UFA-Filme mit zahlreichen Hits und emigrierte 1933 nach Hollywood. Bei seinem Evergreen "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück" wird Udo von den Prinzen begleitet. Sehr bewegend ein Lied von Ilse Weber, entstanden im KZ Theresienstadt:
"Ich bin ein kleiner Koffer aus Frankfurt am Main
und ich such meinen Herrn, wo mag er nur sein?
Er trug einen Stern, und war alt und blind
und er hielt mich gut, als wär ich sein Kind."