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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichtsschreibung (auch) als literarisches Vergnügen,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Athen: Ein Neubeginn der Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
"Nichts an dem, was die Forschung an Wichtigem zu Tage gefördert hat, soll dem Leser vorenthalten werden - und doch soll er es verstehen, ja es soll sein Interesse soweit geweckt, und nach Möglichkeit befriedigt, werden, daß er bei der Sache bleibt."Geschichtsschreibung nicht für ein kleines, elitäres Publikum von Spezialisten, sondern für die breite Masse von Interessierten. Dieses Anliegen verdeutlicht der Autor in dem Nachwort seiner erstmals 1993 erschienenden Darstellung über die Entwicklung Athens im klassischen Zeitalter. Nur wer Geschichte auch als "literarisches Genus" begreiffe, so Meier, könne ein breites Publikum erreichen und begeistern. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Darstellung von Meiers Kernthese des "Sonderwegs" Athens im fünften vorchristlichen Jahrhundert. Datiert wird der Beginn dieses Wegs mit der Schlacht bei Salamis 480 v.Chr., bei welcher es den Athenern gelang, die Flotte des persischen Großkönigs Xerxes zu besiegen. Die größte Bedrohung der griechischen Poleis, eben der Krieg mit den Persern, war somit gebannt. Als "Nadelöhr" der Weltgeschichte bezeichent Meier diese Schlacht, da die athenische Demokratie wohl niemals hätte entstehen können, wenn Griechenland unter persische Herrschaft, welche monarchisch organisiert war, gelangt wäre. Dennoch beschränkt sich die Darstellung nicht auf die Darlegung der Ereignisse von Salamis bis zum Ende des Peloponnesischen Krieges 404, sondern beleuchtet auch sehr detailliert, die Vorgeschichte, die Voraussetzungen, des Sonderwegs der Polis Athen. Es beginnt mit Erläuterungen zur griechischen Kolonisation ab ungefähr 750, den Reformen Drakons (620) und Solons (wohl um 575), der Tyrannis unter Peisistratos (ab 560), dem Sturz der Tyrannis (510) und dem Beginn der Reformen des Kleisthenes (508/7), die als Vorstufe der Demokratie, der so genannten Isonomie, bewertet werden. Der Perserkrieg, beginnend mit den ionischen Kriegen 499, mit dem ersten Höhepunkt bei der Schlacht von Marathon 490 und dem Jahrzehnt bis zum Nadelöhr bei Salamis, geprägt durch das Wirken des Themistokles, runden die Vorgeschichte des "Sonderwegs" ab. Die Gründung des delphisch-attischen Seebundes 477 begründete die Weltmachtstellung Athens im fünften Jahrhundert aus der sich das welthistorisch Neue, die Einführung der Demokratie unter Perikles 461, erklären lässt. Der beginnende Dualismus mit Sparta und der daraus resultierende peloponnesische Krieg ist Thema der letzten beiden Kapitel des Buches. Meier beschränkt sich nicht nur auf einen Abriss der Ereignissgeschichte dieser Zeit, dazu hätte es wohl nicht mehr als 700 Seiten gebraucht, sondern analysiert auch eingehend den Wandel der Institutionen vor und während der Demokratie sowie die Kultur Athens. Dabei liegt sein Interesse vor allem auf der Bedeutung der griechischen Tragödie. Meiers Einordnung der Tragödien des Aischylos, Sophokles und Aristophanes in den gesellschaftlichen Kontext und ihre kaum zu unterschätzende Wirkung auf die Stabilität und das Funktionieren der Demokratie, gehören zu dem absoluten Höhepunkt der Darstellung. Fazit: "Athen" ist ein Epos mit, wie erwähnt, mehr als 700 Seiten, wird aber niemals langweilig und liest sich leichter und spannender als so mancher Roman. Genau dies war ja auch Meiers Anliegen, wie das oben angeführte Zitat verdeutlicht. Meiner Ansicht nach verdient dieses Buch durchaus die Bezeichnung "Infotainment". Das wissenschaftliche Niveau ist jedoch um ein vielfaches höher als die große Anzahl populärhistorischer Beiträge mit einem (pseudo)-wissenschaftlichen Anspruch, die den deutschen Buch- und Fernsehmarkt dominieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das fremde Athen,
Rezension bezieht sich auf: Athen: Ein Neubeginn der Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Das Buch kommt ohne wissenschaftlichen Apparat aus (Quellenangaben, Literaturverzeichnis), bietet aber davon abgesehen eine anspruchsvolle Darstellung der Thematik und ist sehr lebendig und anregend geschrieben. Das Unerhörte der Demokratie im Athen des Altertums, eine Art von Anachronismus bedenkt man die sonst überall damals üblichen Regierungsformen, aber auch die kaum glaubliche, konsequente Rationalisierung der Politik (so gibt etwa Themistokles Athen aufgrund langer, strategischer Vorausplanung preis um sich mit den im Grunde überlegenen Persern auf dem für die Athener noch ungewohnten Meer bei Salamis zu messen), stellt das Buch wunderbar dar. Zugrunde geht dann Athen letztlich, trotz aller unerhörter Rationalität, die es auch späterhin immer wieder kennzeichnet, an Überspannung der Kräfte und der eigenen Hybris. Dabei macht das Buch auch immer wieder deutlich, wie fremd uns Heutigen die damaligen Athener im Grunde sind, nicht zuletzt in dem unheimlichen politischen Engagement aller Bürger (gemeint sind natürlich nur die in Athen geborenen freien Männer), das ihr ganzes Leben durchdrang. Das Leben dieser Menschen spielte sich viel mehr im öffentlichen Bereich ab, als das Unsrige, und die Möglichkeiten der Teilnahme am öffentlichen Geschehen auch für den normalen Vollbürger im demokratischen Athen sind ziemlich beeindruckend. Besonders interessant fand ich auch zu erfahren, wie sich die damalige politische Situation immer wieder in der Kunst wiedergespiegelt hat, sozusagen einem der "klassischen" Prunkstücke und Vermächtnisse Athens. Unter anderem (Meisterwerke der bildenden Kunst, der Philosophie und Architektur) wird hier besonders auch die überragende Bedeutung der Tragödie für diese Polis herausgestellt, deren sie, die Wege des Üblichen immer wieder kühn verlassend, besonders bedürftig gewesen zu sein scheint. Ich bin mit diesem Buch vollauf zufrieden.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichte, wie sie nicht im Schulbuch steht!,
Von Constantinus "Atheneus" (Wolfenbüttel, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. (Taschenbuch)
Ich stimme dem anderen Rezensenten zu: das Buch läßt sich wie ein Roman lesen! Dabei ist es ganz eindeutig ein Fachbuch, das das Leben, die sozialen Verhältnisse und die Geschichte der Stadt tiefgehend beleuchtet. Prof. Maier verläßt die in Schulbüchern üblichen Schemata und versucht dem Leser auch das zu vermitteln, was zwischen den Zeilen der Geschichte steht. Es entsteht ein völlig neues Bild der Antike, sowohl was die Personen als auch was die Lebensumstände betrifft. Für jeden Griechenland/Athen-Freund ein Muss!
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