Kurzbeschreibung
"Atem", heißt es bei Paul Celan einmal, "Atem, das heißt Richtung und Schicksal". Von hier, auch von hier, empfängt "Atemwende" ihren Sinn. Diese Gedichte setzen da ein, wo Gedichte nicht mehr möglich sind: bei der Sprachlosigkeit des Grauens unserer Zeit und der Schwierigkeit, auch dem Zwang, dieses dennoch zur Sprache bringen zu müssen. Man hat Celan immer wieder seine hohe sprachliche Meisterschaft bestätigt. Vergessen werden darf dabei nicht, wo solche Sprache sich herschreibt: von der Existenz des Schreibenden. Kein Gedichtband Celans hat so konsequent wie Atemwende Realität ausgeforscht, ausgefragt, benannt, keines ist so reich an überraschenden Bildern, neuen Wörtern, die Ältestes zurückholen, Neuestes verstehen lehren, Bildern und Wörtern, die die Namen sind für solches, das sich anders nicht nennen läßt, das nur auf diese Namen hört und anderen, konventionellen, wir wissen es, ins Gesicht schlägt. Paul Celans Gedichte, die den Prozeß des Entzifferns in sich hineinnehmen, sind Zeichen, Male. Und so genau sie nennen, was anders sich nicht nennen läßt, so sehr verweigern sie sich der Übersetzung in die üblichen Kategorien der Deutung.
Autorenporträt
Paul Celan, geboren 1920 in Czernowitz in der Bukowina, entkam durch Flucht dem Holocaust und lebte seit 1948 in Paris. 1960 erhielt er den Büchner-Preis für sein lyrisches Werk und seine meisterhaften Übersetzungen. 1970 wählte er den Freitod.