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Atemschaukel: Roman
 
 
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Atemschaukel: Roman [Gebundene Ausgabe]

Herta Müller
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (96 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 28 (17. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446233911
  • ISBN-13: 978-3446233911
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (96 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 6.235 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Herta Müller
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Pressestimmen

"Das macht 'Atemschaukel' so brillant: Müller verknappt die historischen Hintergründe zugunsten der Gedankengebilde. Ein relevanter und sprachlich furioser Roman." Nora Reinhardt, KulturSpiegel, 26.09.09 "Ein politischer Roman von bemerkenswerter psychologischer Subtilität, der den Nullpunkt der Existenz nachvollziehbar macht." Stefana Sabin, Neue Zürcher Zeitung, 27.09.09 "Ihr Werk, dessen Kraft sich aus dem Schrecken speist, ist zugleich reich an Schönheit und für den Leser ein großes Glück. So spricht Erinnerung, wenn sie lebendig ist. Es schnürt einem die Kehle zu und macht Luftsprünge aus Wörtern. Und es ist neben all dem Hunger, dem Elend, dem Sterben im Lager unglaublich viel vom Glück die Rede." Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.09 "Das eine Werk, das in dieser Saison alle anderen überragt; eine herzzerreißende, demütig und bescheiden machende Lektüre. Wer nicht immun ist gegen Wahrhaftigkeit und Poesie, dem schenkt dieses Buch das Erlebnis großer Literatur; das Zeugnis einer Menschlichkeit, die den Einzelnen transzendiert. Solch tiefe Wirkung lässt sich nicht beabsichtigen oder gar planen; sie ist die Essenz großer Kunst – und ihre Erkenntnis steht jedem zu Gebote. Der Eindruck, den 'Atemschaukel' hinterlässt, ist ein bleibender. Der Nobelpreis für Herta Müller hat das auf triumphale Weise nur bestätigt." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.09

"Ein überwältigender, ergreifender, demütig machender Roman, die vielleicht nachhaltigste Leseerfahrung dieses Herbstes." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09 "Ein sprachliches Kunstwerk, wie es das in diesem Herbst kaum ein zweites Mal geben dürfte. Wer es schafft, Herta Müllers bestürzenden, bedrückenden und - wegen seiner sprachlichen Kraft - beglückenden Roman zu Ende zu lesen, wird dieses Buch nie wieder vergessen." Hajo Steinert, Focus, 10.08.09 "Dass eine so arme Geschichte, dass ein so armes Lebensstück mit so viel Schönheit erzählt wird, ohne jeden Schnörkel, ganz der Wahrhaftigkeit verpflichtet, das macht nicht zuletzt die Größe dieses Romans aus." Jochen Jung, Der Tagesspiegel, 19.08.09 "Ein kühnes Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht in der europäischen Literatur unserer Zeit." Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 20.08.09 "Ein atemberaubendes Meisterwerk." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09 "Die Lager sind ja eine menschliche Grenzerfahrung, die wir in ihrer Andersartigkeit gern in einem Dachspeicher unseres kollektiven Gedächtnisses verstauben lassen. Müller holt sie aus dieser Verdrängung heraus, gliedert sie mit ihrer Sprachkunst in unsere Kultur ein und macht sie der Trauer zugänglich." Ruth Klüger, Die Welt, 15.08.09 "Das Unsägliche von alltäglicher Angst in diktatorischer Gesellschaft, von Arrest, Folter und Mord auf eigentümliche Weise buchstäblich zur Sprache zu bringen ist die Kunst dieser Autorin." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09 "Mit seinem dichten Motivnetz schafft der Roman eine Intensität und Präsenz, die ihresgleichen in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur nicht haben. Ein Manifest der Erinnerung und der Sprache, deren komplexes Verhältnis es auf ergreifende Weise bezeugt. Ein Meisterwerk." Michael Lentz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.09

Kurzbeschreibung

Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.

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214 von 236 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen eine einzigartige Sprachmanifestation, 24. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Atemschaukel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Herta Müllers Atemschaukel" ist ein beeindruckendes Buch. Die aus dem heute rumänischen Banat stammende Autorin schildert darin die Erlebnisse eines bei der Deportation 17-jährigen siebenbürgisch-sächsischen Jungen. Als Vorbild für die literarische Figur dürfte der ebenfalls aus Siebenbürgen stammende Oskar Pastior gestanden haben, mit dem zusammen Müller diesen Roman eigentlich schreiben wollte. Doch verstarb der als Sprachakrobat deutschlandweit sehr geschätzte Pastior 2006. Immerhin reisten beide vorher noch in die Ukraine und besuchten das Lager, in dem Pastior fünf Jahre zwischen 1946-51 verbrachte.

Ausgehend von den gemeinsamen Gesprächen, von ihren Notizen und wohl auch von einigen Aufzeichnungen Pastiors, verfasste Müller diesen Roman, der vor kurzem für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. In etwa 60 Kapiteln schildert Müller Erlebnisse, Ereignisse und Personen im und um das Lager. Aus der Erzählperspektive des jungen Leo Auberg werden der Hunger, die Kälte, die Arbeit, die Müdigkeit usw. sehr eindrücklich geschildert. Die Bedeutung einer Geste, einer Handlung wird im Miteinander der Insassen verdeutlicht. Im Vordergrund steht dabei nicht nur, was die Menschen einander absichtlich oder gerade durch Passivität antun, sondern auch, was die Verhältnisse, die Arbeitsbedingungen, die Erniedrigungen für eine Gewalt der einzelnen Person aufzwingen. Mutig ist dabei bereits der Einstieg in das Sujet. Müllers Protagonist scheint sich über die Deportation beinahe gefreut haben, denn er konnte so der bedrückenden Enge der sächsischen Diasporagemeinschaft entkommen, in der er seine Homosexualität verbergen musste.

Der Roman ist letztlich eine einzigartige Sprachmanifestation in dem Herta Müller eigenen Stil. Die außerordentlichen Erlebnisse des zähen, langen, monotonen, pausenlosen Hungers, des Egoismus, der Niedertracht und der Einsamkeit verlangten nach einer einzigartigen Sprache, die das Besondere der Situation adäquat beschreiben kann. Herta Müller gelingt es, meiner Meinung nach, diese Sprache zu entwickeln und in einem unverwechselbaren, von Bildern, Metaphern, Anspielungen und Allegorien gesättigten (fast übersättigten) Stil und Sprache die inhumane und trostlose Lage der Insassen wiederzugeben (Hungerengel", Atemschaukel" usw.). Die Erlebnisse im Lager sind keine vorübergehenden Events", sondern das gesamte restliche Leben kennzeichnende tiefgehende Erfahrungen. Es gibt im Leben keinen Ausweg, keine Fluchtmöglichkeit vor ihnen, so das Fazit des Romans. So wie es unmöglich war, dem Lager lebendig vorzeitig zu entkommen (die Entflohenen sind gefasst worden oder umgekommen, der Himmel (die Transzendenz) bot auch keine Lösung und keinen Trost), genauso quälten die Erinnerungen die Lagerinsassen jahrzehntelang. Diese primären und sekundären Qualen in einer meisterhaften Sprache von großer Eindringlichkeit und Kraft eingefangen zu haben, ist das große Verdienst von Herta Müller. Sie soll für den Nobelpreis vorgeschlagen worden sein. Dieser Roman beweist, dass sie des Preises würdig ist.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Mal Klartext, 25. Mai 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Atemschaukel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich sage vor allem was zu den Anmerkungen, das Buch sei kein Roman, habe keine Handlung, und die Sprache sei egoistisch, kuenstlich, entrueckt, ueberfrachtet, plakativ, monoton, zu distanziert, sprunghaft, bleischwer, Bemerkungen wie "Deshalb ist es für einen Autor auf Weltklasseniveau ganz, ganz wichtig, dass er das gesunde Mittelmaß zwischen sich und dem Leser findet."

Es ist das Recht des Lesers, dergleichen Meinungen zu sagen, aber "Rezensionen" verlangen doch einwenig mehr... Es ist einfach nicht Aufgabe der Literatur, Leser zu befriedigen, und unegoistisch, natuerlich, unentrueckt, nicht ueberfrachtet usw. zu sein, oder gar ein "gesundes Mittelmass" zu finden. Literatur von Weltklasse hat sich nicht mit Lesern zu befassen, sondern mit Sprache. Zudem ist ein "Roman" heute nurmehr eine relativ langer Text, und genauer ist er, in der Weiterentwicklung der modernen Literatur, nicht mehr definierbar. Auch die alte aristotelische "Einheit der Handlung" ist seit 200 Jahren kein allgueltiges Diktum mehr. Die von Mueller verwendete Sprache und Strukturierung halte ich fuer eine moegliche, und passende, und wahrscheinlich (sofern ihre andere Texte ein aehnliches Niveau haben) nobelpreiswuerdige.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Wir waren anders als wir sind., 5. März 2010
Von 
Mimir - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Atemschaukel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Müller erzählt in 'Atemschaukel' die Geschichte der Deportation aller Rumäniendeutschen zwischen 17 und 45 Jahren in sowjetische Arbeitslager nach 1945. Auch ihre eigene Mutter war 5 Jahre im Arbeitslager.

2001 begann Herta Müller Gespräche mit ehemals Deportierten aus ihrem Dorf aufzuzeichnen. Unterstützt wurde sie in ihrer Arbeit von dem Dichter Oskar Pastior, der ihr von seinen Erinnerungen erzählte. 2006 starb Pastior überraschend, Herta Müller schrieb das gemeinsam geplante Buch nun allein, in Erinnerung an Oskar Pastior.

Das Buch stellt sich als autobiografisches Tagebuch des Leo Auberg aus Hermannstadt dar, der den Aufenthalt im ukrainischen Konzentrationslager Nowo-Gorlowka überlebt hat. Erzählt wird von Trudi Pelikan aus Hermannstadt, von Artur Prikulitsch und Beatrice Zakel aus Lugi, und vielen anderen. »Wir waren alle Deutsche und wurden von zu Hause abgeholt. Wir waren alle in keinem Krieg, aber für die Russen waren wir als Deutsche Schuld an Hitlers Verbrechen.« Schon hier wird vorsichtig ein Bild der Verhältnisse im faschistischen Rumänien gezeichnet, das von geringer Toleranz und alten Traditionen geprägt ist. Der 17-jährige Leo Auberg muss seine Homosexualität verbergen; man macht auch sonst gerne die Augen zu: »der kleine Ferdi Reich und seine Mutter, die bei uns unten im Hof wohnten, waren nicht mehr da. Mehr wollte man nicht wissen.«

Eindringlich wird der Horror im sowjetischen Lager geschildert, der zunehmend nur noch bestimmt wird vom omnipräsenten Hunger, manifestiert durch den in den ausgemergelten Körpern versteckten 'Hungerengel'. Ein allgegenwärtigen Begleiter, der Leo und seine Leidensgefährten in einem fast vernichtenden Würgegriff hält. Das Leben, falls das Dasein im Lager so genannt werden kann, wird dominiert von existenziellen Gefahren, Tod und Abstumpfung. Die Abspaltung der Menschen spiegelt sich in der konträr prosaischen Sprache, die Entrückung durch Faszination reflektiert, manche Gedanken verloren verwoben. Leo träumt immer wieder vom »Ritt auf dem weißen Schwein durch die Luft«, vom Weg zurück nach Hause.

»Meine Beziehung zur Welt ist das Essen«, so stellt sich die brutale und von Egoismus geprägte Realität dar. Oder vom Selbsterhaltungstrieb: »wie der Anwalt Paul Gast seiner Frau so anhaltend ihre Essensration stiehlt, dass sie am Ende verhungert«. Müller versteht es, teilweise extrem sachlich und detailliert, die Schrecken des Alltags fast ohne Zukunft zu beschreiben. Und die Veränderungen über die Jahre in der gewählten Sprache zu manifestieren. Die Welt des Leo und der anderen Leidenden wird immer verrückter, die Worte der Herta Müller immer gemalter. Ab Mitte des Romans spiegelt sich der monotone, wiederkehrende Alltag, die Entrückung des Protagonisten, verstärkt in Metaphern reichen, aber auch verwickelten Sätzen der Autorin.

Intensiv wird die Geschichte nochmals am Ende, als Leo nach 5 Jahren Lager nach Hause kommt. Als die eigene Vergangenheit und die neue, unveränderte Wirklichkeit aufeinander prallen. Leo heiratet, zieht nach Bukarest, treibt sich wieder wie früher im Park herum, flüchtet schließlich allein nach Graz.

Es bleiben wenige Fragezeichen. Die Hauptperson wirkt zu Beginn so extrem weiblich, fast unrealistisch. So, als ob Herta Müller die Geschichte Pastiors und die ihrer Mutter aus eigenem Blickwinkel verflochten hätte. Wie ist sonst Leos eigenwillige Aufmerksamkeit für Handarbeiten zu erklären? Die Chronologie der Leidensgeschichte wirkt insgesamt ein wenig konstruiert. Manche Bilder und Metaphern erscheinen überzeichnet und sind nicht leicht zu verstehen.

Es geht im Roman darum, in der »Erniedrigung aller die Würde des einzelnen« zu finden. Das ist eindrucksvoll und nachhaltig gelungen.
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