Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Enttäuschung, 7. Oktober 2008
Mit Vorfreude und in gewisser Aufregung habe ich das Buch von Klaus Kreiser gekauft und in drei Tagen regelrecht "verschlungen". Dass der Autor gut schreiben kann, wusste ich bereits seit dem wunderbaren, bemerkenswerten Buch "Istanbul...", das in jeder Hinsicht 5 Sterne (und mehr) verdient, weil es uns verschiedenste Einblicke in das historische Menschenleben liefert und uns somit nicht nur ein spannendes Bild der Stadt präsentiert sondern sie uns auch mit viel Zuneigung und Empathie besser verstehen (und gar bewundern) lässt. Aber gerade dieses "Verstehen" für diesen außergewöhnlichsten Politiker des 20. Jahrhunderts fehlt völlig. Nach einem gelungenen Auftakt begleitet den Leser in nahezu jeder Zeile eine künstlich erzeugte Distanzierung zu Atatürk, zu diesem "Machtmenschen", die weder dem Leser noch der Person gerecht wird, welche die Biographie zu behandeln versucht. Beim strukturellen Aufbau der Geschichte anhand historischer Belege scheint sich der Autor nicht endgültig entschieden zu haben, inwieweit die Geschehnisse wiedergegeben werden sollen und wieweit er sich in der intellektuell kritischen Haltung eines "Deutschen/ oder? Westeuropäers" der Demontage eines Personenkults um Atatürk widmen muss. Ich befürchte beides ist nicht gelungen. Eindeutige Schwächen sehe ich im inhaltlichen Aufbau der Reformpolitik, wo hauptsächlich die Schriftreform eines "Oberlehrers" in den Vordergrund gerückt wird. Sehr unverantwortlich finde ich, dass der Autor Mustafa Kemal thematisch in die Nähe der Deportation der Armenier in 1915 bringt, ohne eine konkrete Aussage zu treffen. Weitere Themen wie deutschen Emigranten, die außenpolitischen Beziehungen der 30er Jahre, zur Sowjetunion, zu Deutschland, Großbritannien und Griechenland finden kaum oder nur am Rande Erwähnung. Ich freue mich, dass jetzt eine ausführliche Biographie über Atatürk in deutscher Sprache vorliegt, die auf jeden Fall viel Anerkennung verdient und hoffe, dass bessere folgen werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine gute und informative Biographie, der aber leider eine aktuelle Einschätzung der Lage in der Türkei fehlt, 9. Dezember 2008
Am 10. November 2008 hat sich der Todestag von Kemal Atatürk, der Gründerfigur der modernen Türkei, zum 70. Mal gejährt. Aus diesem Anlass publiziert der C.H.Beck Verlag eine Biographie des emeritierten Professors für Turkologie an der Universität Bamberg, Klaus Kreiser, der schon mit einer Kleinen Geschichte der Türkei und einem historisch-literarischen Stadtführer von Istanbul im Verlagsprogramm von Beck vertreten ist.
Kemal Atatürk ( 1881-1938) wird der "Vater der Türken" genannt, und tatsächlich ist ohne seine Person und vor allen Dingen ohne seine Politik die Entstehung einer modernen Türkei nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches nicht denkbar. Klaus Kreiser leistet mit seiner Biographie einen unverzichtbaren Beitrag dazu, im Nachvollziehen dessen, was durch Kemal Atatürk in der Türkei sich verändert hat, die heutigen Probleme und Spannungen eines Landes zu verstehen. Denn nach wie vor ist Atatürk in der Türkei quasi allgegenwärtig. Seine nationalistischen und autoritären Reformen, die auch den Islam und seinen Klerus in seine Schranken wiesen, haben das Land geprägt bis auf den heutigen Tag.
Indem Kreiser den Weg Atatürks vom frühen Militärschüler und Verteidiger des osmanischen Erbes bis zum autoritären Reformer, der ohne Rücksicht seinen Weg durchsetzte, nachzeichnet, gelingt es ihm, dem heutigen Leser ein Verständnis dessen zu vermitteln, was damals in der Türkei geschehen ist, und was dieses Land bis heute beschäftigt und manches mal auseinander zu reißen droht. Denn alles, was damals unter einem historisch beispiellosen Traditionsbruch ohne Rücksicht auf Verluste dem Land verordnet wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg vom Militär mit verschiedenen Putschs und Zeiten der Militärdiktatur brutal verteidigt wurde, hat zugrundelegende Traditionen und religiöse und kulturelle Prägungen eben nicht zum Verschwinden gebracht. In den aktuellen innenpolitischen Auseinandersetzungen innerhalb der Türkei, die vom jetzigen Ministerpräsidenten auch schon mal bis nach Deutschland getragen werden, wo er in Köln vor Zehntausenden von Türken spricht und die "Heimat und das Türkentum verteidigt", bricht sich das brutal Unterdrückte historisch wieder Bahn.
Atatürk fegte mit einem eisernen Besen durch die türkische Innenpolitik, das zeigt Kreiser gut auf. Das ehrwürdige Sultanat und das Kalifat schaffte er ab, Turbane, Fese und Schleicher wurden aus der Öffentlichkeit verbannt, die Hauptstadt verlegt, die arabische Schrift durch die lateinische ersetzt und das islamische Bildungswesen wurde brutal unterdrückt.
Klaus Kreiser zeichnet in dieser Biographie die historischen Umstände und Bedingungen nach, die zu diesem beispiellosen Aufstieg eines aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Berufssoldaten geführt haben.
Ich hätte mir gewünscht, dass der erfahrene Autor an das Ende seiner lesens- und empfehlenswerten Biographie ein Kapitel gesetzt hätte über die aktuelle Bedeutung Atatürks in der Türkei und eine Einschätzung geliefert hätte von den derzeitigen innenpolitischen Spannungen in der Türkei und der Spannungen der Türkei mit der EU etwa.
Das hätte dem Leser die Möglichkeit gegeben, aus den historischen Informationen aktuelle Schlüsse zu ziehen und sich eine fundierte Meinung zu gegenwärtigen Lage in der Türkei zu bilden, die ja gerade für unser Land nicht ganz unwesentlich ist, wie man an der Rede des türkischen Ministerpräsidenten in Köln gesehen hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Angemessen, 16. Oktober 2008
Eine neue Biographie des türkischen Staatsmannes Atatürk war nach dem 1985 erschienen Buch von B. Rill einfach ueberfällig. Der Autor zeichnet in einer angenehm zu lesenden Sprache den Lebensweg des Mustafa Kemal und stellt ihn in historische Zusammenhänge.
Das Ziel hierbei einen angemessenen und überschaubaren Umfang zu behalten und keine dieser dann doch nie gelesenen Mammut Biographien von ueber 1000 Seiten abzuliefern wurde erreicht. Das dabei nicht alle Rollen von Staatsmann bis zum dem Raki mehr als gut tuend zusprechendem Staatsmann Beachtiung finden können, ist sicher vernachlässigbar.
Diese Buch ist vor allem für den gedacht, der sich zwar schon mit dem Thea Türkei beschäftigt hat (zum Beispiel die ARTE Dok gesehen hat), aber noch nicht alle Einzelheiten selbst zusammengetragen hat. Wer die Biographie von Andre Mango bereits gelesen hat, wem Atilgan und Gronau bereits ein Begriff, der wird natürlich in diesem Buch keine wesentlichen Neuigkeiten finden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
|