Ich hatte das Spiel bereits lange im Auge gehabt, da mir schon die Inspirationsquelle (oder "das Original") DotA sehr viel Spaß gemacht hatte, mir DotA allerdings irgendwann zuviel hektisches "Rumgeklicke" wurde. Und gerade hier schien Demigod eine deutlich ruhigere Spielweise zuzulassen und größere Vielfalt an taktischen Möglichkeiten zu bieten.
Wer ein taktischeres DotA sucht, das sich aber nichts destotrotz deutlich entspannter spielen lässt - ich spiele es beispielsweise nur mit einer Hand an der Maus, Hotkeys sind im Prinzip überflüssig, was für DotA Spieler geradezu undenkbar wäre - der kann eindeutig zuschlagen.
Für Leute, denen DotA kein Begriff ist:
Das Spiel ist ein reines Online-Spiel, es gibt zwar Singleplayer, der ist allerdings eher Tutorial als ernstzunehmendes Spiel. Die K.I. ist dafür einfach zu anfällig für Tricks auf die ein Mensch niemals hereinfallen würde. Das Ganze spielt sich wie ein Action RPG im Schnelldurchlauf, das zwischen einer Schlacht von 2 Parteien, die automatisch in festen Intervallen Einheiten gegeneinanderhetzen, angesetzt ist. Die Spieler sind auf die Parteien verteilt und erhalten wie bekannt Erfahrung und Gold, für das man sich wieder verbessernde Gegenstände kaufen kann. Ziel ist es meist ein feindliches Hauptquartier zu zerstören.
Nochmal AUSDRÜCKLICH: Das Spiel ist nur als Trainingsmodus im Singleplayer zu gebrauchen.
So und nun etwas ausführlich zum Spiel an sich und den unausweichlichen DotA Vergleichen, in denen ich mich immer auf DotA public beziehe. Leute, die Dota auf höherer Turnierebene oder in den Leagues spielen, sind auch nicht unbedingt die Zielgruppe.
Die Präsentation ist insgesamt sehr gelungen, Sound und grafische Darstellung auf einem hohen Niveau. Der Artstil ist im Vergleich zu DotA (und dem kommenden Konkurrenten League of Legends) nicht comic-haftig sondern eher präzise-realistisch. Das Spiel lässt sich vergleichsmäßig sehr entspannt bedienen und man benötigt wie bereits erwähnt noch nicht einmal Hotkeys, wenn man auf diese verzichten will.
Es gibt 3 große Online-Modi:
1. Skirmish Games, in denen gegen zufällig ausgewählte Gegner gespielt wird
2. Custom Games, zu denen man aus einer Lobby gelangt
3. Pantheon Games, auch zufällig gewählte Matchups, allerdings mit dem Hintergrund der zwei großen verfeindeten Parteien "Dark" und "Light" von denen man sich eines aussuchen muss und dann für den Rest eines "Turniers" nur aus dem Pool der der gewählten Partei zugehörenden Demigods auswählen kann. Die Ergebnisse der einzelnen Matches werden gezählt und am Ende steht ein Sieger fest.
Jeder dieser Modi kann in unterschiedlichen Spielvarianten mit unterschiedlichen Zielen gespielt werden, wodurch sich das Spielgefühl eines Matches schon stark ändern kann.
Es gibt zwar "nur" 8 Demigods, die sind allerdings schon vom Skilltree her je in mindestens 2 verschiedene "Versionen" ausbaubar. Bei DotA hat man letztendlich immer genügend Skillpoints für alle Skills, bei Demigod hingegen nicht; eine sehr willkommene Abwechslung also.
Noch nicht ganz ausgereift scheint mir das Balancing zu sein, allerdings auch bei DotA ja nicht perfekt. So sind manche Demigods auch hier bei vergleichsweise simplerer Spielweise deutlich effektiver. Trotzdem ist Teamplay deutlich wichtiger als in DotA. Auch "Nuker"-Helden besitzen nicht immer genügend Damage Output um einen gegnerischen Helden komplett alleine zu besiegen.
In Demigod gibt es allerdings auch 2 verschiedene Typen von Helden: Generals und Assassins, die Assassins sind eigenständige Helden, wie man sie aus DotA her kennt, die Generals hingegen haben die Möglichkeit sich auf die Beschwörung von kontrollierbaren Einheiten zu verlassen.
Es gibt in Demigod keine Itemrezepte, dafür allerdings sehr viel verschiedene Items, die aber nicht annähernd so spielentscheidend sind wie in DotA. Sehr nett ist auch die Idee, Boni zu kaufen, die dem kompletten Team einen Nutzen bringen. So ermöglicht der Einsatz des Goldes auch eine deutlich interessantere taktische Tiefe.
Wie heutzutage wohl üblich gibt es "Achievements" für bestimmte Ziele und auch eine eigene Itemklasse, die nur mit Punkten für gewonne Spiele oder aus den Achievements bezahlbar ist. Allerdings sind die Punkte recht schnell erworben und die Items nicht allzu stark. Ich bin persönlich trotzdem noch ein wenig skeptisch aufgrund dieses Konzeptes.
Das Ganze ist natürlich sehr spaßig. Und wer DotA mochte wird auch hier auf seine Kosten kommen. Die Spiellänge ist angenehm kurz. Der Support ist zum Glück überdurchschnittlich gut (wie eigentlich vom Publisher her bekannt).
Mir ist es so nun tatsächlich möglich das Spiel online zu spielen, obwohl ich die Möglichkeit fast schon abgeschrieben hatte und nach monatelangem Warten das Hoffen schon aufgegeben hatte. Obwohl der Netzwerkcode ja eigentlich auf Peer2Peer aufbaut (was letzten Endes einen geöffneten Port auf Seiten des Routers des Spielers benötigt) ist es nun dank Zwischen-Servern des Publishers möglich das Spiel zu spielen auch für Leute, die nicht ihren Router umkonfigurieren wollen oder können. Teilweise laggt es noch ein wenig in manchen Spielen (dann allerdings durchgängig) oder es läuft komplett flüssig.
Und online ist das Spiel nun einfach richtig toll. Ich habe monatelang nichts anderes als DotA angefasst und bin nun richtig froh, dass ich es gegen ein Spiel austauschen kann, das sich fast noch schneller spielen lässt und mir auch mehr Spaß macht.
Kritikpunkte sind für mich das Balancing, was sich aber definitiv richtig einstellen wird - nach dem nun endlich funktionierenden Online-Modus bin ich da optimistisch. Aber auch die KI sollte nicht ungescholten davon kommen, immerhin ersetzt sie verlassende Spieler und beeinflusst so auch zusätzlich das Online Spiel. Der Pantheon Modus scheint mir auch noch nicht ganz final zu sein, da ich letztlich gar nicht weiß, was jetzt der Sieg einer Partei insgesamt für Auswirkungen hat.
Für Online Spieler eine eindeutige Empfehlung. Dennoch kann ich nicht mehr als 4 Sterne geben, dafür sitzt das Fiasko mit dem Online-Modus einfach zu tief. Immerhin sind fast 3 Monate vergangen bis ich das Spiel endlich überhaupt so spielen konnte wie es gespielt werden soll.