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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
61 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Denkmal zu Lebzeiten, Version 1,
Rezension bezieht sich auf: At Folsom Prison (Audio CD)
"I shot a man in Reno just to watch him die" -- diese Zeile im Hochsicherheitsknast zu bringen, das muss sich einer erstmal trauen -- und zwar ohne sich lächerlich zu machen, oder gelyncht zu werden, oder einen Aufstand auszulösen, oder alles zusammen.Johnny Cash konnte das. Das und noch mehr -- "At Folsom Prison" gehört, wie auch "At San Quentin" ein Jahr danach, zum Besten, was jemals im C&W-Genre gemacht wurde, und es geht weit, weit, weit über die Cowboymusik-Schublade hinaus; mehr als einen Track würde man, wenn man's denn unbedingt verschubladen wollte, sowieso eher in die Gospel-/Blues-Schublade stecken, und auch Folk und Rockabilly sind viel präsenter als die "reine Lehre" des Country, gegen die Cash sowieso mit jedem Takt verstößt. Man hört das gleich beim ersten Track: Einer von Cashs ersten Hits, "Folsom Prison Blues", ist ein reinrassiger Blues, der genauso gut von Leadbelly oder Muddy Waters stammen könnte. Und mit welchem Song hätte er sonst dieses Konzert einleiten sollen? Johnny Cash mit ausgesuchter Begleitband (Wer sonst hatte jemals die Ehre, einen Carl Perkins als Begleitmusiker dabeizuhaben?) beim Live-Auftritt vor Strafgefangenen also. Der Funke sprang gleich beim "Hello, I'm Johnny Cash" über, das spürt man. Man hat das tobende Publikum förmlich vor Augen. Ich kenne viele exzellente Live-Alben, aber gegen diese Wahnsinns-Atmosphäre anstinken kann keines davon. Cash kommt nicht als mildtätiger Onkel, nassforscher Möchtegern-Wohltäter oder auf Kumpel machender Bekehrungsprediger: Von der ersten Sekunde an steht er auf Augenhöhe mit seinem Publikum. Plaudereien, schlagfertige Bemerkungen, sarkastische Kommentare, fiese Witze: alles kann man hören, zwischen den Songs und auch mittendrin, nichts davon ist aufgesetzt oder pseudo-cool, sondern echt. Das herrliche Geplänkel, das mit Cashs Bitte "Can I have a glass of water?" seinen Anfang nimmt, steht stellvertretend für viele andere. Die Augenhöhe macht es also. Und deswegen steht die eingangs zitierte Zeile aus "Folsom Prison Blues" auch nicht einsam und verlassen in diesem Konzert: Wer anders als Johnny Cash hätte es hier wagen dürfen, das in pechschwarzen Humor getränkte "25 Minutes to Go" mit abschließendem lautmalerischem Am-Galgen-Baumeln vorzutragen? -- Rhetorische Frage; auch das hätte kein anderer gewagt, wagen dürfen. Aber bei Cash lacht das Publikum genau an den allerschwärzesten Stellen. Ähnlich "Joe Bean", die schwarzhumorigste bittere Anklage, die man sich vorstellen kann. "They hanged this son of a bitch anyway"... und das Publikum kapiert, wie's gemeint ist. Cash als Magier. Soviel also zur unwiederholbar intensiven Atmosphäre dieses Albums. Dabei ist das Ganze auch musikalisch erste Sahne, insbesondere in der nun wiederhergestellten vollständigen Fassung. Ein Glanzlicht ist sicher "Orange Blossom Special", die ins Musikalische übersetzte Fahrt einer Dampflok, unter heldenhaftem Einsatz einer Mundharmonika (Cashs Kommentar ist schon wieder unschlagbar). Eine bessere Version davon gibt's nicht, kann's nicht geben. Oder nehmen wir "The Long Black Veil" -- Cash singt diesen Traditional, nur sparsam von seiner Akustik-Gitarre begleitet, dermaßen eindringlich, dass man schlagartig alle anderen jemals gehörten Versionen vergisst; das Ganze ist unfassbar perfekt, nimmt sogar die "American Recordings" vorweg. Aber das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen ist nicht einmal der musikalische Instinkt, der Cash in dieses Stück förmlich hineinkriechen lässt, sondern, dass er an der allerergreifendsten Stelle anfängt zu kichern. Der Bann ist gebrochen. Allein wegen dieser Szene muss man ihn ins Herz schließen. Und nicht nur hier nimmt er sich selber auf die Schippe. Was die einzelnen Songs angeht: Neben weniger Bekanntem und fast Unbekanntem kriegt man hier natürlich auch die Live-Versionen der Klassiker auf die Ohren, neben den bereits erwähnten auch "I Walk the Line" über "Jackson". Letzteres natürlich als Duett mit June Carter, und noch fetziger als von der Studio-Version bekannt. Die beiden verstehen sich, das hört man. Ich könnte nun jeden der 19 Tracks begeistert vorstellen, jeder hätte es verdient, aber stattdessen empfehle ich, diese CD am Stück zu hören. Und vorher unbedingt sämtliche Telefone auszustöpseln und die Türklingel abzustellen. Auch Besitzern der alten LP kann man den Kauf der CD nur empfehlen! Was damals weggelassen wurde, war keineswegs schwächer als das veröffentlichte Material. Dazu das Booklet -- es enthält neben Cashs faksimilierten handschriftlichen Überlegungen zu diesem Konzert noch weitere Rückblicke und Stellungnahmen von 2000, anlässlich der ungekürzten Wiederauflage. Auch wenn man's ohnehin schon geahnt hat, so liest man hier schwarz auf weiß, wieviel ihm dieses Konzert bedeutet hatte. Cashs Denkmal zu Lebzeiten, Teil 1. Fünf(zig) Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine CD, die vibriert,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: At Folsom Prison (Audio CD)
Nach dem Film "Walk the Line" ist schon die CD sensationell, auf der Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon Johnny-Cash- und June-Carter-Stücke singen. Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt, sich "At Folsom Prison" im Original anzuhören - und "Johnny Cash at Folsom Prison" lässt die "Walk the Line"-CD weit hinter sich.Johnny Cashs Stücke leben von seiner Stimme und den Texten - und was hatte Cash für eine Stimme! Da kann Phoenix nicht mithalten. Der Gesamteindruck der Stücke ist lebhafter bei "Johnny Cash at Folsom Prison"; die Hintergrundrhythmen und die stimmliche Qualität von Cash selbst sind sehr viel bewegter als in "Walk the Line" - und die Emotionen kommen voll rüber: "Johnny Cash at Folsom Prison" ist vor allem ergreifend. Die Songs sind auf ein Publikum hinter Gittern zugeschnitten - ob es nun humorvoll-schalkhafte Songs sind oder traurig-melancholische. "Send a Picture of Mother", in dem ein Häftling Abschied nimmt von seinem besten Freund, der entlassen wird, ist herzzerreißend. Auch die Mischung von Komik, Spott, Hoffnung und Angst in "25 Minutes To Go" (bis zur Hinrichtung nämlich) ist außergewöhnlich und mitreißend. Und das Publikum tobt natürlich bei "Folsom Prison Blues" und "Cocaine Blues". Weiteres Highlight ist das Duett mit June Carter, "Jackson" - auch hier: welch eine Stimme! Die Atmosphäre im Gefängnis kommt klasse rüber; das Publikum ist voll präsent, Johnny Cash spricht immer wieder mit seinen Zuhörern, macht Kommentare und Scherze (z.B. über das Wasser, was sehr schön im Film aufgegriffen wurde). Auch die Aufmachung der CD zeigt, wie viel Cash sein Konzert in Folsom Prison bedeutet hat. Eine CD, die vibriert! 5 wohlverdiente Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Cash macht sich unsterblich; die Erste!,
Von
Rezension bezieht sich auf: At Folsom Prison (Audio CD)
Das unter der "At San Quentin" rezensierte gilt uneingeschränkt auch für diese, etwas frühere Aufnahme. Vor allem die Intensität, ja fast Magie, die mit dieser Aufnahme rüber kommt, ist sensationell. Man fühlt sich vom ersten Ton weg in einen schwül-heißen, nikotingeschwängerten und teils unter Hochspannung stehenden Live-Act hineinversetzt, bei dem es keineswegs zweitrangig ist, wo er entstand. Diese Intensität konnte nur dort erreicht werden, wo ein Konzert eine absolute Ausnahme war; wie Weihnachten und Ostern und Geburtstagsfeier zusammen. Die Überschwenglichkeit wie Unberechenbarkeit der Gefangenen tragen dieses Konzert genauso wie Cash's gesamtes Repertoire über das Gefängnisleben. Egal ob "The Wall", "I got stripes", das beklemmende "25 Minutes to go" oder der einzigartige "Folsom Prison Blues", hier erlebt der sonst eher spröde Barde seinen ersten wirklich großen Höhepunkt. Nur wenige Live-Scheiben können da noch mithalten.Welche der beiden Gefängnis-Live-Scheiben nun die bessere ist, kann ich auch nach 30 Jahren nicht beurteilen. Ich sehe sie vielmehr als Ganzes. Wie ein Doppel-Live-Album eben. Mal hat die "At San Quentin" die Oberhand, mal die "At Folsom Prison". Vielleicht mag ich die "At Folsom", als "Erstgeburt" sozusagen, fast ein bisschen lieber. -Herrausragend sind aber beide! "Listen closely to this album and you hear in the background the clanging of the doors, the shrill of the whistle, the shout of the men. -Even laughter from men who had forgotten how to laugh" J.C. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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