Ich gebe zu: Ich war eher skeptisch. Junge, interessante, klare, schöne, weibliche Stimmen im Jazz scheinen gerade Konjunktur zu haben. Offensichtlich lässt sich in diesem Bereich gutes Geld verdienen. Sie liefern die dreiundneunzigste Interpretation der alten Standarts und reichen doch ?irgendwie? nicht heran an Shirly Horn, Sarah Vaughan, Billie Holiday. Der Musikhistoriker mag gemeinsam mit dem Soziologen Gründe dafür finden und dem Produzenten ist's eh wurscht, so lange das Geld fließt. Und bei mir kommt's reichlich unreflektiert aus dem Bauch. Aber dann Silje Nergaard. Respekt. Ich erwische mich dabei, dass die Scheibe immer wieder läuft. Schwer zu verorten. Die unvermeidlichen Standarts singt sie. Und reicht ?irgendwie? nicht heran. Natürlich. Aber irgendwas ist anders. Ihre eigenen Sachen machen den Unterschied. Da sage ich: Klasse. Da ist etwas was sich abhebt, gegen den eher grauen Himmel des Jazz-Geschäftes. Zumal das auch nicht puristisch Jazzig ist. Es ist irgendwo dazwischen und da ist Musik immer gut aufgehoben. Eine gute Scheibe.