Oftmals wirken soziologisch relevante Bücher sehr theorielastig, trocken und abstrakt. Genau das ist es aber bei Goffmans "Asyle" nicht!
In dem Buch sind 4 eigenständige Aufsätze als vier Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel charakterisiert Goffman totale Institutionen und stellt deren besonderen Merkmale heraus. Im zweiten Kapitel geht er auf die "moralische Karriere des Geisteskranken" unter besonderer Beachtung der klinischen Phase ein. Nachfolgend beleuchtet er das "Unterleben in einer totalen Institution". Unter "Unterleben" versteht er (kurz skizziert) Strategien der Insassen, geltende Regeln zu umgehen, um sich Vorteile materieller Art zu verschaffen oder das Selbst vor Verstümmelungen seitens des Personals ("Stabes") zu bewahren. Im letzten Kapitel geht er auf dieses Personal nocheinmal genauer ein und zeichnet deren Schwierigkeiten sehr eindringlich nach.
Dieses Buch ist verständlich, ja sogar unterhaltsam geschrieben, auch wenn einige Stellen sogar sehr abstoßend (bis zur Übelkeit) wirken. Bei der Lektüre darf nicht vergessen werden, dass das Werk in den 50er Jahren geschrieben wurde, als die Situation in totalen Institutionen weitaus prekärer war. Immer wieder führt Goffman Beispiele und Berichte an, die seine Thesen eindrucksvoll untermauern. Besonders interessant sind seine eigenen Beobachtungen. Goffman hatte von 1955 bis 1956 die Möglichkeit zur Feldarbeit im St. Elizabeths Hospital in Washington.So war es im möglich wesentlich tiefer die Strukturen einer psychiatrischen Klinik zu durchdringen, was der Qualität seines Werkes äußerst zuträglich war.
Dieses Werk ist nicht nur Soziologen, sondern auch allen Menschen zu empfehlen, die sich für zwischenmenschliche Beziehungen in Institutionen interessieren. Uneingeschränkt empfehlenswert!