Wer andere Werke der klassischen Astrologie kennt, wird von der Schrift von Manilius vielleicht zunächst mal abgeschreckt sein, denn sie ist nicht wie ein Lehrbuch gegliedert und aufgebaut. Es ist tatsächlich Prosa in lyrischer Form, das, was in römischer Zeit ein "Gesang" genannt wurde. Wolfgang Fels hat in seiner Übersetzung das Versmas kongenial mit übersetzt, und das erstaunlicherweise (und höchst erfreulich noch dazu!) derart, dass der Inhalt dabei originalgetreu erhalten geblieben ist. Sowohl in seiner Übersetzung als auch seinen Anmerkungen zeigt er sich als profunder Kenner der astrologischen Materie.
Wenn man sich daran gewöhnt hat, ein astrologisches Lehrbuch in Versform vorgetragen zu bekommen, entdeckt viele Besonderheiten, die spätere klassische Autoren, wie etwa Ptolemäus oder Firmicus Maternuns so nicht mehr überliefert hatten. So beschreibt er eine Zwölfteilung der Tierkreiszeichen (Dodekatemorien), zwölf sensitive Punkte ausgehend vom Glückspunkt (=Lospunkt!), die Lose, die im Abstand von 30° vom Glückspunkt liegen, und eine abweichende, aber schlüssige Zuordnung der Dekanate zu Tierkreiszeichen.
Auch werden die Planeten noch nicht in der bekannten Weise den Tierkreiszeichen zugeordnet, Herrscher sind hier römische Götter. Und so steht beispielsweise Phoebus (Sonnengott) als Herr des Zwillings, und Jupiter regiert den Löwen, Vesta den Steinbock, Demeter die Jungfrau und Neptun (damals als Planet noch nicht bekannt) die Fische. Manilius widmet auch den Beziehungen der Tierkreiszeichen untereinander große Aufmerksamkeit, und diese besteht nicht nur in den uns bekannten Aspekten zueinander, sondern hier wird auch ein in sich schlüssiges System von sich anblickenden Zeichen und solchen die einander hören, aber auch einander liebenden Zeichen aufgestellt, und die Zuordnungen sind hier durchaus anders als erwartet. Dennoch findet sich in der Astronomica auch sehr viel Bekanntes wieder, so etwa die Beschreibung der Tierkreiszeichen ebenso wie die Berechnungsmethoden. Eingerahmt wird seine Erzählung in jedem der Unterteilungen ("Bücher") durch Rechtfertigungen, Begründungen der Notwendigkeit und, nicht zu vergessen, auch die erforderlichen Lobgesänge auf den Herrscher.
Für Interessierte an der klassischen Astrologie ein absolutes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte! Wolfgang Fels gebührt für seine einfühlsame Übersetzung und Kommentierung ein Extralob!