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Astrologie der Reformationszeit
 
 
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Astrologie der Reformationszeit [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Jürgen G. H. Hoppmann
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 196 Seiten
  • Verlag: Zerling (1. Oktober 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3884680692
  • ISBN-13: 978-3884680698
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 20,6 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Jürgen G.H. Hoppmann: Astrologie der Reformationszeit -
Faust, Luther, Melanchthon und die Sternendeuterei.
(Mit kompletten Horoskopdeutungen aus der Astronomia Teutsch von 1580). 220 S., geb., 20.5 x 20.5 cm, Clemens Zerling, Berlin 1998. Mit 216 s/w Bildern, ca.30 Horoskopen (in alter Quadrat- u. neuer Kreisform).

Wer sich vom Titel dieses Buches nicht abschrecken lässt (es geht um Astrologie und ihre Geschichte, die Reformation ist nur der Anlass und zeitliche Hintergrund), wird nicht enttäuscht, sondern überrascht feststellen, dass er eine Schatztruhe von spannenden und höchst lehrreichen Informationen in der Hand hält.

1. Es geht um die Geschichte der Astrologie einer Epoche (16. Jahrh.), in der die Astrologie in hoher Blüte stand, ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur war und an Universitäten gelehrt wurde. So z..B. in Wittenberg vom Philosophen und Philologen (alte Sprachen) Philipp Melanchthon: er galt in seiner Jugend als Wunderkind, wurde mit 21 Jahren Professor an der Universität und verfasste mit 24 Jahren die grundlegenden Schriften der Reformation; sein Ehrentitel: "Praeceptor Germaniae", also Lehrer Deutschlands".
Dieser Mann liess sich von seinem Freund, dem Reformator Martin Luther, nicht davon abhalten, bis an sein Lebensende Astrologie an der Universität zu lehren (was heute nur wenigen Theologen bekannt ist). "Es ist ein Dreck um ihre Kunst", war eine von Luthers markigen Aussagen über die Sterndeuterei. Seine Haupteinwände:: Abgötterei, Unheilsprophezeiungen und Fatalismus: der Glaube an ein unabänderliches Schicksal; Sterne als Zeichen, die etwas anzeigen können - nicht bewirken - lehnte er aber nicht ab.

Melanchthon dagegen trat für die Willensfreiheit des Menschen ein - "die Sterne zwingen nicht, sie machen nur geneigt" - und begründete die Astrologie nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit der Erfahrung, mit dem öffentlichen Nutzen und mit der "Physik" (des Aristoteles!: aber Achtung: diese "Physik" würde heute besser mit "Naturphilosophie" bezeichnet; sie geht über die heutige Physik der Reproduzierbarkeit weit hinaus und umfasst die ganze Natur, alles Organische und sogar die Psychologie!) Zwei wichtige Schriften Melanchthons über die Astrologie sind in deutscher Uebersetzung im vorliegenden Buch abgedruckt.

Der zeitliche Rahmen geht aber über das 16. Jahrhundert hinaus und das Buch gibt einen Ueberblick von der Antike über das Mittelalter, die Zeit der Renaissance und des Humanismus (mit den grossen Astronomen/Astrologen Galilei, Tycho Brahe, Kopernikus und Kepler, die alle auch Astrologen waren und oft Gegner der Vulgärastrologie) bis in die anbrechende Neuzeit: Schiller (Wallenstein), Goethe (Faust, mit dem Horoskop eines historischen Dr.Faust), und beschreibt z.B. die Entdeckung des Planeten Uranus (1781) durch einen deutschen Militärmusiker namens Herschel in der Nähe der Sternwarte Greenwich, deren Gründungs-Horoskop, erstellt vom königlichen Astronomen Flamsteed, nicht fehlt: mit richtigem Datum, während hier der alte, bewährte Klassiker der Astrologiegeschichte Wilhelm Knappich (1967/1988) ausnahmsweise einmal irrt.

2. Das Buch ist gleichzeitig eine Einführung in die Grundlagen einer Astrologie, wie sie vor 400 Jahren und im Wesentlichen noch heute verstanden wird, wobei hier aber oft Deutungstexte aus dem Mittelalter verwendet werden. Grundlegende Probleme der Astrologie - etwa ob die Planeten einen "Einfluss" auf den Menschen haben oder ob sie als Analogie-Entsprechungen zu verstehen sind (im Sinne von C.G.Jung, der in schwierigen Beratunsgsfällen oft mit Erfolg Methoden der Astrologie benutzt hat); wie sich Schsicksal und freier Wille zueinander verhalten, sowie andere Probleme (z.B. Korrektur einer unsicheren Geburtszeit) - werden hier klar und einleuchtend dargestellt.

Gedacht ist diese Einführung (auf hohem Niveau) nicht nur für Anfänger der Astrologie, sondern auch für ihre Gegner, die oft aus dem Kreis von Leuten mit klassischer Schulbildung kommen. Diese kennen ja die Astrologie vorwiegend vom Hörensagen: sei es aus der Antike (wo sie vor allem als Wahrsagung verstanden wurde, weshalb der in der Antike übliche Fatalismus heute oft mit Astrologie gleichgesetzt wird; nicht beachtet wird die Astrologie als Macht-Monopol der römischen Kaiser - oder aus dem Deutschunterricht (Magie in Goethes Faust) - und natürlich aus der Vulgärastrologie aller Zeiten (heute: siehe Zeitungen und Revuen, wo der Begriff Horoskop" meist eine Sammlung von Pauschalurteilen darstellt). - Eine solche Horizonterweiterung, durch Einblick in die Vergangenheit einer Kunst, zeigt auch, wie zeit- und kulturabhängig jede Disziplin ist.

3. Das Buch ist in 12 Kapitel gegliedert nach den 12 Zeichen des Tierkreises und ihren traditionellen "Planetenherrschern", in einer gelungenen Kombination von Lehr- und Geschichtsbuch.
Der Stil ist anschaulich und präzis, kritisch und anregend, feinfühlig und humorvoll. Das Buch ist gründlich recherchiert, liebevoll gestaltet und illustriert mit instruktiven, zeitgenössischen Bildern (s/w, z.B. Leonardo da Vincis "Abenmahl", Albrecht Dürers "Melencolia I"), welche mit hilfreichen Erklärungen versehen und sorgfältig in den Text eingebaut sind. Der kritische Apparat ist reichhaltig (saubere Referenzen, ausführliche Bibliographie mit ca. 410 zitierten Autoren und noch mehr Titeln, ausführliches Register) und erfüllt wissenschaftliche Ansprüche. Zudem ist das Buch weit spannender geschrieben als die meisten wissenschaftlichen Werke über Astrologie und ihre Geschichte.

Fazit: Das Buch muss als Klassiker der Geschichte der Astrologie in der Zeit des ausgehenden Mittelalters und der anbrechenden Neuzeit bezeichnet werden. Es kann jedem Interessierten, ob Astrologe (auch erfahrene Astrologen können noch einiges lernen), Theologe, Kulturgeschichtler oder nur Laien bestens empfohlen werden - vorausgesetzt ist selbständiges, kritisches Denken, da Billigrezepte und Gebrauchsanleitungen nicht erwartet werden könne

Der Verfasser, Jürgen G.H. Hoppmann, ist ein bekannter und (auch in England) anerkannter Astrologe aus Berlin-Brandenburg (heute in Görlitz), Physiotherapeut, Film-u.Medienschaffender, Drehbuchautor, Fachmann auch für Computer-Astrologie, u.a. bekannt durch die Organisation einer sehr beachteten Ausstellung zum 500. Geburtsjahr von Philipp Melanchthon in Wittenberg (Herbst 1997).

Siehe hiezu: J.G.H. Hoppmann (Hg.): Melanchthons Astrologie. Der Weg der Sternenwissenschaft zur Zeit von Humanismus und Reformation
Katalog zur Ausstellung mit 28 sehr instruktiven Beiträgen von Historikern, Astrologen, Kritikern, Theologen u.a.
A4-Format, reich illustriert. Weit mehr als ein Katalog: ein ausgezeichneter Ueberblick über die Astrologie des Mittelalters. Drei Kastanien Verlag, Wittenberg 1997).

Alois Elmiger, Dipl.Ing., Dr.sc.techn (50 Jahre Erfahrung in Astrologie).
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