Das Buch ist äußerlich betrachtet ein schwergewichtiger Wälzer von über 1000 DIN-A4-Seiten. Allerdings besteht mindestens die Hälfte davon lediglich aus astrologischen Nachschlagtabellen für Planetenstellungen.
Inhaltlich konzentrieren sich die 'Analysen' auf die Betrachtung der Sonnenzeichen, denen sich sehr ausführlich gewidmet wird. Dazu kommen noch Erläuterungen zum Aszendenten, Aussagen zu den Planeten und Aspekten.
Der Wiedererkennungswert dürfte für Männer deutlich höher ausfallen als für Frauen. Diese bleiben oft genug gänzlich auf der Strecke. Spätestens bei den Beschreibungen der weiblichen Form der Sternzeichen beschlich mich der Verdacht, dass hier eine 'olle Kamelle' oberflächlich aufpoliert wurde. Eine erwachsene unverheiratete Frau "Fräulein Steinbock" zu nennen, riecht nach dem Mief der 50er oder 60er des 20. Jahrhunderts. Und ähnlich wie in jener Zeit, finden Frauen nach der AstroAnalysis noch ihre Erfüllung als Ehefrauen, die sich ganz in den Dienst ihres Mannes stellen und, den richtigen Sternenpartner vorausgesetzt, in der Rolle als Mutter. In der Berufswelt bewährt sich hauptsächlich der Mann (???), weswegen sich auf jenen die beruflichen Deutungen konzentrieren.
Immerhin trägt das Buch so zur Entzauberung des angeblich unumstößlichen Erfahrungswissen der Astrologie bei. Es zeigt überdeutlich auf, dass auch und gerade die astrologische Persönlichkeitsdeutung Schwankungen unterliegt. Sie spiegelt immer zugleich die weltanschauliche Haltung des Astrologen in seinem gesellschaftlichen und zeitlichen Zusammenhang. Astrologen wie Astrologie unterliegen nun mal wie wir alle menschlichen Irrtum und gesellschaftlichem Wandel.
Obwohl wahrscheinlich gut gemeint, liefen mir bei vielen Warnungen vor negativer Ausprägungen einer Planetenstellung oder eines Aspekt eiskalte Schockwellen durch den Körper. Wow, warum wehre ich mich eigentlich dagegen den Diktator in mir auf die Bühne meines Lebens zu schicken oder den religiösen Fanatiker? Die unbekümmerte Art, wie hier kleinere und größere menschliche Horrorbilder aneinandergereiht werden, verdient fast schon Bewunderung.
Ein weiteres Manko, das es mit anderen astrologischen Büchern teilt, besteht in dem modularen, oft widersprüchlichem Nebeneinander von angeblichen Wesenszügen, dem die glaubwürdige Synthese eines vollständigen Menschen aus Fleisch und Blut fehlt.
Mit einer großen Portion Humor (ach so, Humor fehlt mir ja angeblich) und Interesse an einer Lektüre, die beispielhaft für überholte Werte steht, findet man in AstroAnalysis eine Fundgrube an unfreiwilligem Witz und aufschlussreicher Selbstoffenbarung der Schreiber.
Allen anderen, die mehr im Hier und Jetzt Zuhause sind, rate ich dringend ab!