Ich bin ein großer Fan von Adventures, vor allem mit Wimmelbildcharakter. Am besten gefallen hat mir bisher "The 13th Skull", angefangen habe ich mit "Dire Grove".
Es gibt verdammt viel schlechte Games in diesem Bereich, bei Raincliff erhoffte ich mir wieder eine Perle unter den Games. Die guten Rezis hier liessen nur bestes hoffen.
Nun bin ich enttäuscht und genervt. Warum? Nun, die Grafik ist wirklich klasse, ähnlich wie bei 13th Skull gibt es eingearbeitete Videosequenzen, tolle Animationen und die Story schien auch sehr spannend. Die Freude währte nicht lang, denn der Spielverlauf ist unglaublich zäh und nervenraubend. Das Inventar wächst und wächst, aber statt einmal ein Anwendungsgebiet zu erschliessen, wächst proportional zum Inventar auch die Liste der derzeit nicht lösbaren Aufgaben. Es ist wirklich kaum zu schaffen, sich an den kumulierenden Schauplätzen noch alle offenen Rätsel zu merken. Man arbeitet sich auch nicht schrittweise immer ein Stückchen weiter durch die virtuelle Landschaft, sondern darf immer wieder fröhlich von Anfang bis Ende rennen. Die Spitze bildet der Schluss, wo ich bis zum allerersten Ausgangsbild laufen muss, um so ziemlich den ersten gefundenen Gegenstand (ein mit Draht befestigtes Lenkrad im Auto) eeeeendlich mal lösen zu können, damit ich ihn im Schlussbild einsetzen kann!
Das Ärgernis wird noch erhöht, in dem man etwas irre geführt wird und deshalb mit vollem Invenar und vollem Kopf (wo war das noch mal?) schlussendlich den verhassten "Tipp" drückt, um mal voran zu kommen. Zwei Beispiele:
ACHTUNG, wer sich im Spielverlauf durch Hinweise gestört wird bitte nicht weiterlesen!!!
- man findet einen Tresorraum, kann den Tresor selber nicht öffnen, da laut Aussage des Spiels der "TresorSCHLÜSSEL" fehlt. Den findet man aber nirgends. Etwas später bekommt man aber ein Rad mit der Bezeichnung VENTIL. Erst durch den "Tipp" erfuhren wir, dass DAS also der Tresorschlüssel ist. Na danke ...
- Unter dem Bett ist es zu dunkel. Es wird eine "Taschenlampe" gefordert. Die kam aber nicht. Der "Tipp" verriet uns, dass wir ein Handy dazu nutzen müssen, das wir fanden und wieder zusammensetzten. Ich denk ja gern um Ecken. Aber ein Handy ist ein Handy und eine Taschenlampe ist eine Taschenlampe. Vielleicht waren mein Mann und ich auchnicht mehr zu Experimenten gewillt, weil das Inventar nur unbrauchbares Zeugs aufwies und wir noch eine ganze Latte an Rätseln vor uns hatten in zig Räumen, die alle nicht funktionierten, weil wir eben nur unbrauchbares Zeugs fanden.
Die Spots an sich sind meistens übergroßzügig gehalten, man klickt permanent das gleiche Ereignis an, weil man dachte, es gäb was neues ... so nervt es zusätzlich, wenn an gerade mal 4 (!) Stellen im Spiel Minispots versteckt sind, die sogar bei gezielter Suche nur schwer zu finden sind (und woher soll man das wissen?!).
SPOILER-ENDE
Fazit: Es hätte ein wirklich tolles Spiel sein können, wenn der Ablauf etwas "geschmeidiger" gestaltet wäre, also Rätsel/Minigames chronologisch etwas passender zum Inventarinhalt. Hat man endlich mal was Passendes gefunden, liessen sich oft auf einen Schlag weitere Rätsel lösen, bevor das Sammeln wieder von vorn los ging. Sowas muss nicht sein. Ausserdem wären Rätsel ohne ständige "Hier fehlt noch was" Hinweise auch mal ganz nett, damit man die Sucherei mal etwas unterbrechen kann und bei einem Minigame entspannen.
Die Rätsel selber sind, wenn man schon einige Spiele dieser Art gespielt hat, oft alte Minigames in neuem Gewand, aber es sind auch ein paar (für uns jedenfalls) neue dabei. Der Schwierigkeitslevel ist recht ausgeglichen, was ich positiv bewerte. Zu oft hatte man schon Wimmelbild-Adventures, wo man die Rätsel in Sekunden geknackt hat.
Also: Grafik und Rätsel klasse, Story okay, Ablauf einfach grauenvoll.
Entgegen der Meinung meiner Vorrezensenten kann ich keine Kaufempfehlung aussprechen. Mir gefielen noch ganz gut: Verlies der Hexe, Redemption Cementry, Die dunklen Priester. Für Kinder sehr schön: die "Awakening"-Reihe.