"Black Sails" ist ein ungewöhnliches Spielerlebnis. Ausgangssituation, Verlauf und Atmosphäre erinnern an Geister-Grusel-Filme oder Spiele wie "Silent Hill". Der Spieler erfährt wenig, wird fast kommentarlos in eine unheimliche, schwer einzuschätzende Situation geworfen und damit allein gelassen. Stück für Stück erforscht man diese neue Welt, die dabei aber mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Aber ganz schnell ist klar: Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu und ein unangenehmer aber irgendwie auch aufregend reizvoller Nervenkitzel nistet sich im Magen ein.
Auch das Gameplay ist anders, als von üblichen Point&Click Adventure gewohnt. Zwar gibt es selbstverständlich das Element Items zu sammeln und zu benutzen, aber die Rätseldichte ist deutlich geringer, als in anderen Adventuren. Man verbringt stattdessen sehr viel Zeit damit, sich einfach nur die Beschreibungen der Orte, Gegenstände oder Briefe und Tagebücher durchzulesen (bzw. von den guten deutschen Synchronsprechern vorlesen zu lassen). Das hat zwar keine direkte Auswirkungen auf die gestellten Aufgaben, ist aber ein wesentliches Element zur Erzeugung der unheimlichen Stimmung. Dies beraubt das Spiel zwar um einige Dynamik, lässt das Szenario aber noch ein bisschen trostloser und unheimlicher erscheinen. Statt sich beständig durch das Spiel zu puzzeln und rätseln, wirkt es eher so, als würde man seine Spielfigur vorsichtig durch das mysteriöse, Angst einflößende Szenario vorwärts stubsen.
Der Schwierigkeitsgrad der vorhandenen Rätsel ist sehr wechselhaft und reicht von "offensichtlich" bis zu "extrem konstruiert". Ich bin mir allerdings gar nicht sicher, ob dass schlecht designt ist oder nicht sogar ein Teil der Atmosphäre sein soll, wenn man hilflos durch das Schiff klickt, weil man nicht genau weiß, was man denn eigentlich als nächstes machen soll.
Die Art der Optik ist so wie man es von den Spielen von Deck13 (Jack Keane, Haunted...) gewohnt ist. Echte 3D-Umgebung, die im Vergleich zu den gemalten 2D-Adventuren recht modern aussieht, in diesem Spiel aber absichtlich sehr farblos und trist gehalten wurde, so dass die Vorteile weniger zum tragen kommen. Die Nachteile (hakelige Steuerung, je nach Standort der Spielfigur mitunter sehr ungünstige Kameraeinstellungen und eine nicht aus jedem Blickwinkel zuverlässig funktionierende HotSpot Anzeige), bleiben allerdings vorhanden, so dass die Bedienung gelegentlich an den Nerven zerrt.
Die Spielzeit ist mit ca. 5 Stunden (sofern man sich die Zeit nimmt alles zu lesen und die Rätsel tatsächlich selbst austüftelt, ansonsten sogar deutlich weniger) ausgesprochen kurz, passt aber zu dem Konzept des Spiels. So eine Gruselatmosphäre ließe sich ohnehin nicht beliebig in die Länge ziehen, ohne drastisch an Spannung zu verlieren. Dann lieber kurz und knackig. Für ein Vollpreis-Spiel wäre das zwar zu wenig, aber der aktuellen Preis von knapp unter 10 Euro ist das schon wert.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass "Black Sails" kein Spiel für Jedermann(/frau) ist, sondern eine klar umrissene Zielgruppe hat. Diese wird mit dem Spiel(-Erlebnis) mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr zufrieden sein, denn die mysteriöse, unheimliche Stimmung ist gut umgesetzt und das Spiel macht auch nicht den Fehler, mit einem banalen Ende alles wieder kaputt zu machen. Der durchschnittliche Adventure-Spieler hingegen, der sonst Spiele wie "Book of unwritten Tales", "Lost Horizon", "Haunted" usw. sein eigen nennt, könnte allerdings etwas irritiert sein. Aber für den momentanen Preis lohnt es sich vielleicht trotzdem, diesem etwas anderem Spielerlebnis eine Chance zu geben. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, obwohl ich gewiss nicht zu der klassischen Zielgruppe gehöre.