In "Asterix und die Goten" begegnen Asterix und Obelix zum ersten Mal einem fremden Volk -- den Goten. ("Asterix und die Goten" ist nur nach "deutscher Zählung" Band 7 der Reihe; tatsächlich handelt es sich hier um den 3. Band. Noch kein Idefix also, und auch noch keine Piratendresche)
Im Gegensatz zu späteren Abenteuern bekommen es Asterix und Obelix hier aber nicht mit witzig in die Vergangenheit versetzten Gegenwarts-Deutschen zu tun, sondern mit einer Melange aus wilhelminischem und Nazi-Deutschland. Der Qualität und dem Witz tut das keinen Abbruch.
Hier in Kürze der Plot: Miraculix hat beim jährlichen Druidentreffen im Karnutenwald den ersten Preis für seinen Zaubertrank gewonnen. Dummerweise hat das eine Truppe Goten mitbekommen, die mit dem Auftrag losgeschickt worden war, den besten Druiden zu kidnappen. Schließlich hegen die Goten Weltmacht-Ambitionen... Asterix und Obelix müssen also ihren Druiden wieder befreien und schleichen sich ins Land der Goten, und nach einigen turbulenten Abenteuern gelingt das natürlich. Dabei leisten die drei Gallier ganze Arbeit: Die Goten sind "entfesselt" und erstmal für einige Jahrhunderte damit beschäftigt, sich untereinander zu verprügeln...
Was sich bereits in "Die goldene Sichel", dem 2. Band (!) der Serie, andeutet, setzt sich hier fort: Die einzelnen Figuren gewinnen an Kontur, und die Charaktere profilieren sich -- auch wenn sie grafisch noch nicht so perfekt wirken wie einige Bände später. Vor allem aber entsteht die Komik durch herrliche Anachronismen: Wie gesagt werden die Weltmachtambitionen des wilhelminischen Deutschen Reiches herrlich auf die Schippe genommen, und zwar nicht nur en gros, sondern auch en détail: In gotischen Kasernenhöfen herrschen Marschmusik und teutonischer Drill, die Helme der Goten erinnern an Pickelhauben, und auch der klapprigste alte Straßenkehrer entwickelt diktatorische Instinkte, wenn er einen Schluck Zaubertrank intus hat. Die Anspielungen auf Nazi-Deutschland sind weniger deutlich, aber auch vorhanden -- den perfiden Dolmetscher Holperik etwa kann man durchaus als Hitler-Parodie sehen.
Hinzu kommen Gags, wie man sie nur im Comic finden kann: Das den Galliern unverständliche Gotisch wird natürlich in Frakturbuchstaben "gesprochen", und geflucht wird natürlich auch in Frakturschrift; die allbekannten einschlägigen Sprechblasen haben einen explizit gotischen Touch.
Last but not least die Römer: Auch wenn sie nicht so viele Auftritte haben wie üblich -- Germanien gehört schließlich nicht zum Imperium Romanum -- ihre obligatorischen Prügel bekommen sie dennoch ab. Und ihre unglaubliche Begriffstutzigkeit ist auch wieder für einige Gags der Extraklasse gut, etwa bei den überhand nehmenden gegenseitigen Verhaftungen der Römer auf der Suche nach Asterix und Obelix, und das Ringen um die Definition von "Invasion" zieht sich als herrlicher running gag durchs Heft. Man versteht ihn schon gut, den entnervten Zenturio mit seinem verzweifelten "Sie sind alle so dumm, und ich bin ihr Chef!"