Auch wenn alle Asterix-Bände, die Uderzo nach Goscinnys Tod allein verfasste, nicht mehr das Gelbe vom Ei waren -- in "Obelix auf Kreuzfahrt" unterläuft Uderzo locker sein eigenes Texter-Niveau.
Immerhin lässt sich eine Story erkennen, mit ungefähr folgendem Verlauf: Während die Galeerensklaven das Flaggschiff von Cäsars Flotte gekapert haben und in Richtung Gallisches Dorf fliehen, geschieht dort eine Katastrophe: Obelix hat Miraculix' Warnung in den Wind geschlagen und Zaubertrank getrunken. Nun geschehen merkwürdige Verwandlungen mit ihm, und am Ende ist er wieder ein Kleinkind. Mithilfe der inzwischen gelandeten Sklaven unternehmen Miraculix und Asterix den letzten Versuch, Obelix wiederherzustellen: Sie segeln zum legendären Atlantis. Und siehe da, auf Atlantis laufen lauter niedliche kleine Kinderchen selig umher (hach, wie lustig!), und der dortige Hohepriester weiß Rat. Alles geht gut aus, trotz diverser klamauktriefender Interventionen der Römer.
Auch wenn es einige wenige Szenen gibt, die an bessere Zeiten denken lassen, so ist dieser 30. und -- man hofft es leider vergebens -- hoffentlich letzte Asterix-Band eine humorfreie Zone. Uderzo ist sicher ein begnadeter Zeichner, aber weder kann er überzeugende Plots liefern (noch sein bester Alleingang, "Asterix im Morgenland", ist gerade mal Mittelmaß), noch glänzt er durch Wortwitz im weitesten Sinne. Und für den Fall, dass doch mal was Witziges im französischen Original vorhanden gewesen sein sollte, so reitet der neue Asterix-Übersetzer Michael Walz auch das noch zuschanden, indem er hintersinnige Wortspiele durch vordergründigen Hauruck-Klamauk ersetzt (Wessen Idee war es eigentlich, die verdiente Gudrun Penndorf ihres Amtes zu entheben?). Eine Katastrophe, um's mal vorsichtig zu formulieren. Der Volksmund kennt treffendere Ausdrücke.
An Goscinnys Grab kann man vermutlich einen Dynamo anschließen, wenn nicht sogar ein ganzes Umspannwerk -- so wie der neuerdings in seinem Grab rotieren dürfte.