Ach was waren das noch für Zeiten, als einen die Nachricht, ein neuer Asterix sei rausgekommen, sofort zum nächsten Kiosk pesen ließ. Und was waren das noch für Asterix-Bände! Zum Beispiel "Asterix bei den Briten"... Einer der allerbesten Asterix-Bände, die je erschienen sind!
Caesar hat Britannien erobert -- ganz Britannien? Neinnein, ein kleines Dorf... usw. Dass in diesem kleinen britischen Dorf ein Vetter von Asterix lebt, der Asterix, Obelix und ein Fass Zaubertrank zur Verstärkung gegen die Römer herbeiholt, ist klar. Und dass die Reise vom einen Dorf ins andere nicht ohne Hindernisse abgeht, ist ebenso klar, ist es nicht? Unterwegs lernen Asterix und Obelix all die Schrulligkeiten britischer Lebensart kennen, die offensichtlich schon in Asterix' Zeit ausgeprägt waren... Goscinny und Uderzo ziehen alle Register, um die britischen Spleens und Eigenheiten in die Geschichte einzubetten, Gottlob von keiner political correctness gehemmt! Die Bilder und Dialoge bersten schier vor witzigen Details: Britische Rasenpflege ebenso wie britischen Rasensport und britische Gelassenheit (auch wenn die Nachbarn "befremdlich laut heute" sind), Doppeldeckerbusse, Suburbias, Linksverkehr, der Tower und exaltierte weibliche Fans von Vorläufern der Beatles, Londoner Nebel und die berühmten Englisch-Lehrbücher von Assimil mit den berühmten Sätzen "Smaller than the garden of my uncle, but larger than the pen of my aunt" und "My tailor is rich", Angelleidenschaft, ein Tässchen heißes Wasser mit einem Tropfen Milch (die Teeblätter muss erst Asterix nach Britannien bringen), Wochenende und streng geregelter Feierabend auch während Kampfhandlungen -- und natürlich die englische Sprache mit ihrer rigiden Wortstellung (man sollte der Übersetzerin Gudrun Penndorf täglich die Füße küssen allein für diese herrlich verqueren Übersetzungen!).
Und dann natürlich die britische Küche: lauwarme Cervisia (die Geheimwaffe!) und gekochtes Wildschwein in Pfefferminzsoße. Darauf beruht auch meine Lieblingsszene in diesem Band -- der Zenturio tobt, weil seine Legionäre die gesuchten Gallier haben entwischen lassen:
Zenturio: Raus, oder ich lass euch in Pfefferminzsoße kochen und den Löwen vorwerfen!
Legionär 1, sichtlich schockiert: Das ist ja widerlich!
Legionär 2, genauso schockiert: Die armen Viecher!
Natürlich sind auch jede Menge Römer mit von der Partie, mal nüchtern, mal sturzbesoffen, aber immer für einen Obelix'schen Hieb gut, und noch so allerlei herrliche Figuren, die die Handlung auf ihre Weise verkomplizieren oder auch vorantreiben.
Und wie das so ist bei den "richtigen" Asterix-Heften, also denen, die in Gemeinschaftsproduktion von Goscinny und Uderzo entstanden sind: Man entdeckt auch noch nach Jahren, ach was sag ich, Jahrzehnten neue Gags! Eine Anschaffung fürs Leben, ist es nicht? -- Es ist! Und ganz nebenbei auch noch die ideale Reiselektüre bei einem England-Besuch; das Wiederlesen lohnt sich garantiert, auch wenn's so ca. das 4906. Wiederlesen ist.