Irgend ein Dorf im Keltischen mit lauter Verrückten, deren Barde angeblich in der Lage sein soll, Regen herbei zu singen (na wer wohl), ist vielleicht eine letzte Rettung für Orandschade, der süssen Prinzessin in einem von Dürre bedrohten Königreich am Ganges, deren Leben verwirkt, wenn es nicht in den nächsten 1001 Tagen regnet.
Wie schon bei "Asterix bei den Belgiern" dauert es keine drei Seiten, bis zunächst die übliche Keilerei im Gange ist (und auch mit dem üblichen Verlauf, z.B. die bei der Schlägerei mitwirkenden Fische vom Vorjahr). Man erlebt einen vielleicht noch nie so "geladenen" Obelix im indischen Dschungel und einen asketischen Fakir, der alle Hände voll zu tun hat, seinen Teppich mit der hauptsächlich schweren Last "Obelix" und seinen Eskapaden im Lot zu halten (zumal eine größere Palette gebratener Wildschweine die Reise zum Ganges definitiv nicht antreten wird).
Asterix müßte man nicht rezensieren. Diese Ausgabe nicht, und nicht die anderen. Die Qualität spricht für sich. Das weltweit vielleicht bekannteste Comic ist in jedem Fall - und lückenlos mit jeder Ausgabe! - höchstwertige Unterhaltungslektüre, selbstverständlich umso mehr mit dem leider verstorbenen Texter Goscinny, aber auch mit dem großartigen Zeichner Uderzo im Alleingang. Jeder der Asterix liest und kennt, wird nach anderen persönlichen Kriterien die Ausgaben bevorzugen, und es liegt in der Natur der Sache, daß die meisten Kenner die älteren Ausgaben (mit Goscinny und Uderzo als kongeniales Team) zuerst lasen und bevorzugen, und die neueren Ausgaben nach diesen bewerten. Man hört oft, daß die jüngeren Ausgaben nicht so "gut" sind wie ältere, was immer auch mit "gut" gemeint ist. Aber, wie gesagt, auch die nicht so "guten" Ausgaben sind auf einem so hohem Niveau, daß - von ein paar anderen Kultcomics einmal abgesehen - für das Gros dieses Genre unerreichbar bleiben wird.
Unverständlich ist mir, daß diese Ausgabe im Gesamtschnitt nur drei Sterne, also auch sehr schlechte Bewertungen hat. Gerade diese Ausgabe, eine der letzten, ist nocheinmal großartig geworden.
Es ist mir noch wichtig, eine Stange für Herrn Uderzo zu brechen. Es ist mehr als niveaulos, und im höchsten Maße unfair, einem so großartigen Zeichner wie Uderzo vorzuwerfen, daß Goscinny die besseren Texte geschrieben hat, und seit seinen bedauerlichen Ableben die Asterix-Ausgaben nur noch grottentiefer, qualitativer Absturz wären. Dem ist erstens nicht so, zweitens was kann Uderzo dafür, drittens wäre Asterix im umgekehrten Falle ohne Zeichner Uderzo noch weniger Asterix, bzw. gar nicht mehr! Ich für meinen Teil, bin froh, daß Uderzo noch alleine weitergemacht hat.
Wie ich es schon in einer anderen Rezension gelesen habe, ist "Asterix im Morgenland" ein spätes Meisterwerk. Ich muß dem unbedingt zustimmen. Fünf Sterne.