"Die Odyssee" aus der Asterixreihe gehört meines Erachtens eher in die dritte Klasse der Asterixbände. Uderzo ist zwar ein ausdrucksstarker Illustrator, aber ein Geschichtenerzähler ist er nicht. Schmerzlich macht sich das Fehlen von Goscinny bemerkbar. Der Einbau eines Geheimagenten à la James Bond mit den Gesichtszügen von Sean Connery ist ein erstklassiger Gedanke, doch wird er so unspektakulär ausgebaut, daß einfach kein 007 feeling sich einstellen mag, nicht einmal der Gedanke an eine geistvolle Parodie. Recht kurzweilig hingegen sind manche Szenen im Heiligen Land. Manche Bibelanspielungen sind einfach zu schön. Was erfreut ist der kreative Umgang mit den ewig erfolglosen Piraten. Diesmal müssen sie sich nicht an Planken geklammert aus dem Mittelmeer an Land kämpfen. Es fehlt zwar ein wenig der gewisse Pepp, dennoch ist die Idee einen Asterixband im Nahen Osten spielen zu lassen durchaus interessant. Beeindruckend ist auch die Darstellung des antiken Jerusalem. Das Bild erinnert in seiner Anschaulichkeit an den Band "Asterix bei den Olympischen Spielen", wo man die antiken Spielstätten abgebildet findet. Die Hand Goscinnys ist in Ansätzen noch zu erkennen, doch bleibt die Ausführung espritlos und fad. Der sonst ubiquitäre intelligente Sprachwitz mit seinen mannigfaltigen Anspielungen wird durch Uderzos plumperen Klamauk ersetzt. Uderzo scheint immer noch nicht verstanden zu haben, daß Asterix und Obelix früher zumindest auch eine unterhaltsame Lektüre für Erwachsene und nicht nur ein Komik für Kinder war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)