Blättert man sich durch die älteren Asterix-Bände durch, wird deutlich, dass bis zur Herausgabe des vorliegenden Bandes eine gewichtige Thematik nur am Rande behandelt worden war: Das Alltagsleben im gallischen Dorf und eine detaillierte Darstellung seiner Bewohner, deren Dasein sich bislang (abgesehen von wenigen exakter betrachteten Personen wie Methusalix, Automatix und Verleihnix) auf Lagerüberfälle und das obligatorische Festmahl beschränkt hatte. Dadurch war mit der Zeit der begründete Verdacht aufgekommen, dass die Möglichkeit einer Zerstörung des dörflichen Gemeinwohls bis dato nie ernsthaft in Erwägung gezogen worden war.
Mit STREIT UM ASTERIX gehen Goscinny und Uderzo jedoch einen entscheidenden Schritt weiter und räumen unter Zuhilfenahme einer tiefgehenden Charakterisierung der Nebenpersonen gründlich mit dieser Annahme auf. Dabei decken sie eine Unzahl unerwarteter und schockierender Wesenszüge auf, die zum ersten Mal deutlich machen, wie sehr das Dorf von dem unbegrenzten Einsatz der Heiligen Trinität Asterix/Obelix/Miraculix abhängig ist.
Das zeigt sich vor allem an dem Club der Dorftratschen, deren Rädelsführerin Gutemiene keine Gelegenheit auslässt, bei Kuchen und Milch mit absurden Theorien den Burgfrieden explodieren zu lassen; aber auch an der Unweisheit des Dorfoldies Methusalix, der mit seinem Hang zu Aberglauben und Panikmache einen katastrophalen Einfluss auf die jüngeren Bewohner (und hier besonders Automatix und Verleihnix; aber auch Häuptling Majestix) ausübt.
Tullius Destructivus, der fiese kleine Stratege, der quasi als Teufel in Menschengestalt allein durch sein bloßes Dasein Neid, Missgunst und Terror auslöst (was stilistisch genial in entsprechend eingefärbten Sprechblasen dargestellt wird) ist einer der gefährlichsten und unberechenbarsten Gegner, mit denen Asterix es je zu tun hatte; und weil er durch sein Handeln als erster Charakter überhaupt die wahren Schwächen der gallischen Dorfgemeinschaft aufdeckt, ist er definitiv auch einer der besten.
Der radikale inhaltliche Wandel wurde dermaßen positiv aufgenommen, dass mit diesem Band ein konstanter Inhaltswechsel aufgebaut wurde, der sich bis in die jüngste Gegenwart hielt: Die ungeraden Bände spielen in Dorf und Umgebung (kleine Ausnahme: DER GROSSE GRABEN, der aber auch gallische Verhaltensweisen thematisiert); in den geraden gehen Asterix und Obelix wie gewohnt auf Reisen.
Nebenbei: Nachdem im Vorband Gammelfischhändler Verleihnix eingeführt worden war, tritt in diesem Band die mit einem Sexy-Haarknoten ausgestattete Ehefrau von Methusalix, deren größtes (und bis heute ungelöstes) Geheimnis ihr Name ist, als letzte Dauerfigur dem Asterix-Universum bei.
STREIT UM ASTERIX gehört für mich zu den besten Asterix-Abenteuern überhaupt.