Dasch waren noch Tscheiten... pardon, Zeiten, als ein Asterix-Band platzte vor witzigen Einfällen -- und vor allem mit einer e c h t e n Handlung aufwartete. Mit einer Handlung, die sprühte vor witzigen Einfällen und Seitenhieben auf Vergangenheit und Gegenwart, verknüpft und witzig verkompliziert durch nicht minder komplexe und komische Nebenhandlungen, und dargeboten mit einem Sprachwitz, der seinesgleichen sucht (und nicht findet).
In "Asterix und der Arvernerschild" treffen zwei Handlungsstränge der allerwitzigsten Art zusammen: Zum einen muss Majestix im schönen Arvernerland Diät halten, und zum anderen findet ein Wettlauf zwischen Galliern und Römern auf der Suche nach dem berühmten und unauffindbaren Schild des Vercingetorix statt. Als ob das noch nicht ausreichte, wird hier alles ins Visier genommen, was die Auvergne zu bieten hat, und gekonnt um 2000 Jahre zurückversetzt: gutes Essen und Diätkuren, nuschelige Aussprache, das Stammhaus von "Michelin" in Clemont-Ferrant, die Fuhrleute aus der Auvergne, die im 19. Jahrhundert in fast ganz Frankreich mit Wein und Kohlen handelten... und den französischen Nationalstolz gab's -- in gallischem Gewande -- auch damals schon. Bereits das allererste Bild zeigt, wo's langgeht: Nicht Cäsars Version von Vercingetorix' Kapitulation nach der Schlacht bei Alesia wird hier ins Bild gesetzt, sondern die der Gallier -- komisch nicht nur für die, die die Stelle mal im Lateinunterricht übersetzen mussten.
Die Haupthandlung zunächst: Cäsar will die ewig renitenten Gallier dadurch in die Schranken weisen, dass er auf dem Schild der Vercingetorix durch Gergovia, dem Schauplatz des gallischen Triumphes, ziehen will. Dumm nur, dass der Schild verschwunden ist. Die Römer beginnen ihre Suche in Gergovia, wo gerade Asterix und Obelix auf die Genesung ihres Häuptlings warten, und es kommt, wie es kommen muss: Auch sie machen sich auf die Suche und lernen das schöne Arvernerland mit all seinen skurrilen Eigenheiten kennen. Dass dieser Wettlauf mit auserlesenen Gags gepflastert ist, kann man sich denken: mehr oder weniger versoffene römische Legionäre, eingefleischter gallischer Chauvinismus ("Wir wischen nicht, wo dieschesch Aleschia ischt!") und was noch alles. Jedes Bild ein neuer Überraschungsangriff aufs Zwerchfell.
Dazu kommen Majestix' Nöte (die sind schließlich der Grund dafür, dass Asterix und Obelix zur rechten Zeit am rechten Ort auftauchen): Schon die Eingangssequenz mit seiner schmerzenden Leber ist vom allerfeinsten, seine veritable Schlemmertour durchs Arvernerland nicht minder. Wenn dann Asterix und Obelix mit ihren Essgewohnheiten die darbenden Kurgäste schier zum Aufstand schreiten lassen und Obelix ganz nebenbei experimentell eine aristotelische Erkenntnis über den Erhalt der Masse bestätigt, fühlt man glucksend die Nöte der Kurgäste mit.
Und, ach ja: Dass Cäsar am Ende den kürzeren zieht, kann man sich denken. Aber auch wenn das "Dass" feststeht -- das "Wie" sollte man sich nicht entgehen lassen!
Wieder mal ein Asterix-and der Extraklasse! Schalut schuschammen!