Troubadix als Hauptfigur eines Asterix-Heftes -- diese Konstellation hat stets ihren eigenen Reiz. Im Gegensatz zu seinen etwas mühselig zu lesenden Abenteuern in dem viel späteren "Morgenland"-Band entstammt diese Folge der Feder des unübertroffenen Goscinny, und das bedeutet: Keine Brachialkomik, sondern Sprachwitz in allen vorstellbaren und unvorstellbaren Spielarten. Obendrein wird den Lesern hier wieder mal klar, wieso Troubadix im Original "Assurancetourix" ("Vollkaskoversicherung") heißt...
Der Fall für die singende Vollkaskoversicherung: Die tapferen Normannen grämen sich, weil sie nicht wissen, was Angst ist. Immerhin verleiht Angst Flügel, soviel haben sie mitgekriegt, also wollen sie Angst eingejagt bekommen, koste es was es wolle. So schwer kann das doch nicht sein, da selbst die größten Feiglinge die Angst kennen. Dumm nur, dass ausgerechnet das uns wohlbekannte Gallische Dorf Ziel ihrer Studienreise ist...
Dort fährt gerade im Sportwagen Majestix' Neffe Grautvornix aus Lutetia vor, jeder Zoll weltstädtische jeunesse dorée. Majestix soll einen Mann aus ihm machen, der sich vor nichts fürchtet. Während Grautvornix noch die biederen Dorfbewohner mit dem letzten Schrei aus der Hauptstadt vertraut macht, platzt die Nachricht herein: Die Normannen sind gelandet!
Die Dörfler wollen auf diese Nachricht hin schonmal vorbestellen, weil sie "letztes Mal gegen die Römer keinen abgekriegt" haben, Grautvornix sucht entsetzt das Weite -- und rennt den Normannen in die Arme. Diese wiederum sind hocherfreut zu hören, den "Meister im Angsthaben" vor sich zu haben.
Während Asterix und Obelix daraufhin die Normannen "besuchen", mischen sich auch noch die Römer ein und machen die allfällige internationale Massenkeilerei zu einem vor witzigen Details überbordenden Leckerbissen der Comic-Kunst.
Doch auch die Studienfahrt der Normannen wird am Ende doch noch von Erfolg gekrönt -- Troubadix' einmaligem musikalischem Talent sei's gedankt.
Ein wunderbarer Asterix-Band, dessen Spannungsbogen bis zum letzten Bild trägt, der vor Wortwitz auf allen Ebenen sprüht (leider ist nicht alles übersetzbar -- wie immer), wo man Bemerkenswertes über die normannischen Tisch- und Trinksitten erfährt, wo die Römer ihre Bürokratie geradezu ekstatisch zelebrieren, wo Troubadix mit dem ersten Open-Air-Konzert der Geschichte aufwartet, und wo am Ende eine philosophische Erkenntnis steht.