Ein alter Suffkopp bekommt von Cäsar als "Belohnung" für seine unschätzbaren Dienste als römischer Legionär ein ganz besonderes Stück Land für seine Altersversorgung geschenkt: Das wohlbekannte gallische Dorf... Sollen die doch den Veteranen Keinentschlus vermöbeln! Aber wieder mal hat Cäsar nicht mit den Tücken des Alltags gerechnet; diesmal hat er nicht vorausgesehen, durch welche Hände diese Besitzurkunde noch gehen soll, und welche ungeahnten Folgen diverse Transaktionen haben können...
Zunächst einmal lockt die schicksalsträchtige Besitzurkunde den Gastwirt Orthopädix mit seiner Familie ins gallische Dorf, und da seine Gattin Gelatine von ähnlicher Durchschlagskraft ist wie Majestix' Hausdrachen Gutemine, wenn es um das angemessene gesellschaftliche Ansehen geht, entbrennt bald ein Wahlkampf um den Posten des Chefs -- ein Wahlkampf, bei dem's mit harten Bandagen zur Sache geht und in dem man heutigen Absurditäten in antikem Gewand begegnet: Schließlich bietet das kleine, uns wohlbekannte gallische Dorf jede Menge Ansatzpunkte für Kulturpolitik (Troubadix!) und Themen wie Förderung der Schwerindustrie und des Handels. Sogar eine Podiumsdiskussion findet statt, deren Verlauf einen irgendwie nur allzu gut an Kanzlerduelle (bzw. das französische Äquivalent) erinnert. Und natürlich gibt's auch unzufriedene Wähler und Wähler, die eher auf weibliche Reize ansprechen als auf Argumente...
Während also Verleihnix und Jellosubmarine einerseits und Automatix andererseits von den Kandidaten aufs hartnäckigste umworben werden, die weiblichen Reize der kleinen Zechine (Orthopädix' Tochter) dem armen Obelix ganz besondere Seelenqualen bescheren und der Hardliner Methusalix eine hinreißende Karikatur auf heutige Rechtsaußen abgibt ("Ich hab' nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!"), dräut sich ein Unwetter überm gallischen Dorf zusammen, denn der Veteran Keinentschlus taucht im Römerlager Laudanum auf und pocht auf sein Recht -- nicht unbedingt zur Begeisterung von Zenturio Zusammenschlus.
Wieder mal präsentieren sich die unbesiegbaren Gallier mit ihren außergewöhnlichen Macken als zwerchfellerschütterndes Vergrößerungsglas für die Absurditäten der heutigen Welt; diesmal geht es um Politik und Politiker, um Spiegelfechtereien und deren Antriebskräfte. Wenn diese Urgewalten nun auf die schrägen Charaktere der Gallier treffen, bleibt kein Auge trocken, und das nicht nur, weil man vielem Bekannten wiederbegegnet. Goscinny und Uderzo haben mit dem 21. Asterix-Band eine glänzende Satire hingelegt, die außerdem auch schon vor allem Gegenwartsbezug aufgrund ihrer Handlung und Situationskomik hinreißend komisch ist.
Für die Weiterbildung ist ebenfalls gesorgt; diesmal lernt man die Belagerungstechniken der Römer und ihre Form der Veteranenpension kennen.
Natürlich müssen auch diesmal wieder die Piraten dran glauben, wenn auch leider nur im Off, und einige Kulturgüter obendrein: Cyrano de Bergerac ist ebenso fällig wie Zorro, Ludwig XIV. und archäologische Entdeckungen. Und dass am Ende die Römer auch noch ihr Fett abkriegen, versteht sich von selbst... "Idefix! Hierher!"