Im gallischen Dorf feiert man den Jahrestag der siegreichen Schlacht in Gergovia über die Römer und hat illustre Gäste geladen, die "sich im Kampf gegen die Römer ausgezeichnet haben". Der Leser kennt sie aus den früheren Heften und erlebt ein amüsantes Déjà vu. Höhepunkt des Festes: Der Überfall auf eines der benachbarten Römerlager; diesmal trifft es Babaorum, wo auch noch ein renitenter korsischer Rebell gefangen gehalten wird.
Klar, der gefangene Korse Osolemirnix wird befreit, und Asterix, Obelix (und Idefix) werden ihn in seine Heimat begleiten, als Studienreise gewissermaßen: Man will sehen, wie man das auf Korsika macht mit den Römern.
Bis Osolemirnix die vereinten korsischen Stämme zum Angriff gegen den korrupten römischen Statthalter führen kann, erleben Asterix und Obelix etliche Abenteuer und lernen -- und mit ihnen lernt auch der Leser -- allerlei korsische Sitten und Bräuche kennen, wunderbar anachronistisch in Szene gesetzt. Goscinny und Uderzo schwelgen in den Korsika-Klischees, das es eine Wonne ist; natürlich findet man jede Menge Anspielungen auf den großen Korsen Napoleon, aber auch andere Stereotypen bekommen den breiten Raum, der ihnen zusteht; kurz: Es gibt keine Heilige Kuh, die hier nicht lustvoll durch den Kakao gezogen würde.
"Asterix auf Korsika" gehört nicht nur zu den gelungensten Heften der Serie, sondern auch zu den detailverliebtesten. Das beginnt schon mit der Korsika-Karte am Anfang, wo das Prinzip der asteringinischen Namensgebung wahre Orgien feiert, was die Benennungen der römischen Garnisonen angeht. Um nur einige zu nennen: Ultimatum, Actienbum, Tschuingum, Dibegum, Iamaicarum, Saudum... Auch wenn man die Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf für die Übersetzung j e d e s Heftes loben muss: Hier hat sie sich selbst übertroffen. Aber die Anspielungen auf den französischen Napoleon-Mythos und die Stereotypen über das an Stereotypen wahrlich nicht arme Korsika finden nicht nur auf Text-Ebene statt (was allein schon ein Bringer wäre), sondern auch auf der zeichnerischen. Selten war Uderzo so gut wie hier.
Und dann gibt es noch als running gag die vier Alten, die auf ihrem Bänkchen beieinandersitzen und das jeweilige Geschehen kommentieren. Eine feine Parodie auf den Chor im antiken Drama, gewiss -- aber man braucht nichts üer das antike Drama zu wissen, um sich göttlich über diese vier und ihre bissigen Kommentare zu amüsieren.
Weiter soll hier nichts weiter gesagt werden. Wer diesen Band noch nicht kennt, sollte diesen Zustand schleunigst ändern.