Dafür dass der Autor Martin Kihn sich weder auf das Zeugs heftet literarisch Hochkarätiges produziert zu haben, noch postuliert er, dass das was er schreibt, eine Lebenswahrheit ist, möchte ich dem Buch die beste Kritik verpassen. In humorvollem Stil beschreibt der Autor seine Reise vom "Mr. Nice Guy" zum vermeintlichen "Bad Guy", wobei er sich selbst stets kritisch betrachtet und sehr wohl auch sein Umfeld immer wieder sehr treffend analysiert und beobachtet wie die Menschen in seiner Nähe auf die Wandlung reagieren. Neben der humorigen Selbstbetrachtung, die mich mehr als einmal zum Lachen gebracht hat, stellt der Autor auch die Leistungsgesellschaft in ein sehr scharfes Licht und kratzt hie oder da verbal ein wenig an deren Werten. Geschrieben wurde das Buch offensichtlich von einem Mann für "Männer", das mich als Frau nicht abgehalten hat es zu lesen. Eigentlich hat es mir bestätigt, wie groß der Erfolgsdruck innerhalb der Männerwelt ist, und in welcher Rolle einer den anderen sieht. Anders als unter Frauen, ist eine sehr strikte Abgrenzung der Befugnisse von Alpha- und Betamännchen festzustellen. In den nächsthöheren Rang aufzusteigen, bedarf schon einiger Rüdenbissigkeit und einer gehörigen Portion an Selbstvertrauen. Für mich stellt sich nach wie vor die Frage, wie kommt es denn überhaupt dazu, dass sich ein Mensch wie ein "Asshole" benimmt und dabei auch noch Erfolg hat. Das muss ja dann wohl ein von unserer Gesellschaft anerkanntes Merkmal sein, ansonst könnte niemand danach streben, es werden zu wollen. Das bedeutet eigentlich, dass die Gesellschaft uns dazu macht was wir sind, und leider nicht umgekehrt. Wir können uns nur entscheiden in welche Kategorie wir uns begeben, die Rollen sind schon längst festgeschrieben.