Nachdem ich AC:3 jetzt durchgespielt und auch einige der Nebenmissionen gemacht habe, möchte ich mein Fazit ziehen und hoffe, es hilft jemandem bei der Kaufentscheidung.
Vorweg: Es ist ein gutes Spiel, aber es ist meiner Meinung nach der bisher schwächste Teil der Serie.
Im Folgenden werde ich erläutern, wie ich zu dieser Meinung komme.
Kommen wir zuerst zu den positiven Aspekten:
* Tolle Grafik. Die Grafikqualität hat sich nochmals gesteigert, auch wenn man inzwischen merkt, dass die Engine auf den Konsolen am Limit ist. Die Animationen sind noch einen Tick besser (auch variantenreicher, z.B. beim Springen über einen Zaun). Man ist hier nicht auf einem Uncharted oder Killzone-Niveau, aber nicht übermäßig weit weg.
* Deckungsmechanik. Endlich an Wände anlehnen und um Ecken spicken! Mir war es schon immer ein Rätsel, wieso es das nicht schon seit AC:1 gibt.
* Artwork. Das Artwork ist wie immer sehr gut und spiegelt die historischen Gegebenheiten schön wieder. Egal ob Gebäude, Schiffe oder Kleidung.. man fühlt sich wie im Amerika des späten 18. Jahrhunderts. In der englischen Sprachausgabe kommen auch diverse Akzente sehr gut durch. In der deutschen Lokalisierung ist das nicht immer gleich gut gelungen, aber zumindest den französischen Akzent hat man gut abgebildet.
* Gute Story. Die Story ist ordentlich und hat im Gegensatz zu Revelations auch wieder einen richtigen Bösewicht, gegen den man gerne ins Feld zieht. Ich finde den Konflikt zwar nicht so spannend wie noch in AC:2 oder gar Brotherhood, aber es ist motivierend genug.
* Sehr flüssiges Klettern. Man bewegt sich neuerdings herrlich geschmeidig durch die Bäume, springt von Ast zu Ast und erklimmt so auch die höchsten Baumwipfel. Super!
* Optionale Missionsziele. Die optionalen Missionsziele in AC:3 sind abwechslungsreich und erhöhen den Wiederspielwert von Missionen. Meistens sind sie relativ leicht zu erfüllen, aber manche etwas knackigeren Herausforderungen sind auch dabei.
* Neue Waffen: Neben den bekannten Klingen gibt es jetzt auch ein (imo zu starkes) Tomahawk sowie Pfeil + Bogen (leise und tödlich!) und besonders cool: Ein Messer, welches an einem Seil befestigt ist und mit dem man Gegner an einem Ast aufhängen kann.
* Seekämpfe. Eigentlich bin ich nicht ganz sicher, was dieses Element in einem AC-Spiel zu suchen hat (genauso wie Den Defense in Revelations), aber es macht durchaus Laune, mit seinem Segelschiff durch den Atlantik zu pflügen und dabei andere Schiffe zu versenken. Es gibt neben den Seekämpfen der Story auch diverse Nebenmissionen, die aber eher nach Schema F ablaufen. Spaßig ist es trotzdem und ich freue mich immer, wenn ich ein Kriegsschiff in Flammen aufgehen sehe :)
Bleiben noch die negativen Punkte.. und da gibt es für mich dieses mal leider recht viele:
* Zu viel Reisen. Es gibt insg. vier Gebiete: Boston, New York, das Grenzland (ländliche Region) und die Davenport-Siedlung. Und oft ist man ständig am herumreisen, ohne sich in einem Gebiet richtig verwurzeln zu können. Als ich mit der Story fertig war, hatte ich kaum was von den Karten in New York und Boston aufgedeckt. In AC:1 und AC:2 gab es zwar auch mehrere Städte mit "Landfläche" dazwischen, aber man hatte in den Städten wesentlich mehr Aufgaben, die einen auch herumgeführt haben. So kommt es schon vor, dass man bei manchen Missionen einige Mal die Schnellreise bemühen muss und nur durch die Gegend "springt".
Insgesamt finde ich, Brotherhood hat hier den besten Ausgleich gefunden.. Große Stadt mit angeschlossener ländlicher Umgebung.
* Langweilige Kämpfe. Okay, also die Kämpfe früher waren auch nicht gerade ein Garant für Spannung und Herausforderung.. aber inzwischen ist es lächerlich. Die Steuerung wurde vereinfacht und man kann jeden Gegner mit "Verteidgung durchbrechen" sofort aus der Fassung bringen und dann für eine Weile auf ihn draufhauen. Manche Leute schreiben auch, das Zeitfenster für Konter wäre kurz.. mir kommt es ewig lang vor und ich verpasse gefühlt höchstens einen von 100 Kontern. Schade finde ich auch, dass man mit dem Assassinen-Tomahawk bereits zu Beginn eine sehr mächtige Nahkampfwaffe besitzt. Dadurch hat man wenig Anlass, sich eine bessere Nahkampfwaffe (wie z.B. ein Schwert) zu kaufen.
Diese einfachen Kämpfe erstrecken sich auch auf Wildtiere wie z.B. Bären. Das Quick-Time Event, um Meister Petz abzumurksen läuft viel zu einfach: Bei Angriff Kreis drücken, dann entweder Kreuz, Viereck oder Dreieck. Für jeden Tastendruck hat man gefühlt Jahre Zeit. Warum hat man das nicht etwas anspruchsvoller gemacht? God Of War zeigt doch, wie man nette Quick-Time Events macht. Es muss ja nicht gleich wie in Heavy Rain sein, aber mehr Variation wäre wirklich gut gewesen.
* Total öde Aussichtspunkte. Mann, an was für tollen Gebäuden ist man bisher hochgeklettert! Gigantische Sakralbauten in AC:1, Engelsburg, Pantheon, Pastgemächer, Kollosseum in AC:Brotherhood und z.B. die Hagia Sophia in AC:Revelations. Und jetzt? Jetzt klettert man ständig rote Backsteinkirchen hoch, die erstens relativ niedrig und zweitens auch nicht gerade abwechslungsreich sind. Einzig die Kirchturmspitze ist mal etwas anders. In der Wildnis klettert man auch x-mal den gleichen großen Baum hoch, um zu Synchronisieren. Klettern ist eigentlich ein sehr wichtiger Aspekt von AC - zumindest für mich. Das er hier so auf der Strecke bleibt, hat mich sehr gestört.
* Schauplatz ohne Historie. Aus heutiger Sicht spielt AC:3 natürlich an geschichtsträchtigen Orten. Aus damaliger Sicht jedoch nicht und das finde ich ziemlich langweilig. Akkon, Venedig, Rom oder Konstantinopel haben hier viel viel mehr zu bieten. Schlimmer noch: Die Städte Boston und New York ähneln sich sehr stark, bieten somit wenig Abwechslung und auch so gut wie keine Sehenswürdigkeiten. Letzteres ist logisch, die Städte gab es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht sooo lang. Das Problem damit ist aber, dass man auch nicht viel cooles entdecken kann. Wenn man in den Vorgängern vor dem Dogenpalast, dem Pantheon oder der Hagia Sophia stand.. da staunte man schon mal und dachte "Wow, awesome! Ich will da hochklettern!". Solche Momente sind in AC:3 praktisch nicht vorhanden.
* Deckungsmechanik. Warum kann man sich nur an Wände anlehnen, aber nicht in der Hocke hinter Obstkisten etc. in Deckung gehen so wie z.B. in Uncharted? Selbst in Killzone 3 ist das möglich - und das ist ein reinrassiger Ego-Shooter!
* Kein "Gegner anvisieren". Früher konnte man per L1 noch einen Gegner (idR den Hauptgegner) fest ins Visier nehmen.. inzwischen springt der Fokus ständig von Gegner zu Gegner.. das ist ärgerlich, wenn man z.B. ein Zeitlimit hat, um einen Hauptgegner zu töten.
* Kein Festhalten an Kanten. Folgende Situation: Man ist irgendwo weit oben, hat aber gerade keinen Heuhaufen etc. zum runterspringen. Was tat man bisher, man hängt sich an eine Kante, drückt Kreis, lässt sich etwas fallen und drückt wieder Kreis, um im Fallen nach einer Kante zu greifen. Ergebnis: Man kommt schnell an einem Gebäude runter. Leider ist es jetzt nicht mehr möglich, dass man im Fallen die Kreis-Taste drückt und sich somit irgendwo festhält... im Endeffekt heißt das, dass man halt manuell runterklettern muss oder einfach springt und hofft, dass man es überlebt (Gesundheit regeneriert sich ja eh automatisch).
!!KORREKTUR: Geht doch indem man den linken Stick in Richtung der Wand drückt. Wird aber weder in der "Anleitung" - wenn man das Stück Papier so nennen darf, denn da steht eh nichts zur Steuerung - noch in In-Game Menüs erklärt.
* Geld ist praktisch nutzlos. Erstens bekommt man für Missionen so gut wie kein Geld mehr und zweitens kann man mit dem Geld auch nicht viel anfangen. Ein paar Waffen kaufen oder sein Schiff aufrüsten, gut. Aber ansonsten hat man praktisch keinen Verwendungszweck mehr dafür. Dann lieber das Geld ganz streichen und z.B. Waffen über Nebenmissionen freischalten.
* Kein Kauf/Renovieren von Gebäuden mehr. Ich fand es in früheren AC-Teilen immer sehr motivierend, ein historisches Gebäude zu kaufen bzw. zu renovieren, damit es wieder in vollem Glanz erstrahlt. Auch das Renovieren von Händlern, Banken etc. in AC:Brotherhood hat Spaß gemacht, denn man hat dadurch auch Vergünstigungen bei diesen Händlern bekommen. Das ist jetzt alles rausgefallen, obwohl es durchaus diverse historisch relevante Gebäude gibt und die in der Regel auch über einen Animus-Eintrag verfügen.
* Rüstung nicht aufrüstbar. Früher konnte man seine Rüstung Schritt für Schritt verbessern, neue Ausrüstung kaufen. Geht jetzt auch nicht mehr. Sehr schade eigentlich, ich fand es immer schön, wenn ich meinem Assassinen eine bessere Rüstung spendieren konnte und er dann mehr Lebenspunkte hatte. Sowas wie "Größerer Beutel für Pfeile" hab ich auch nicht gesehen.
!!KORREKTUR: Beutel kann man aufrüsten. Funktioniert über das Handelssystem.
* Nebenmissionen sind uninspiriert. Die Nebenmissionen beschränken sich auf's Jagen und Sammeln. Was gab es in Brotherhood noch für tolle Nebenmissionen mit Leonardo Da Vinci, den Cristina-Erinnerungen, die Romulus-Gräber oder Aufträge für die Rosa in Fiore!
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