Es ist nicht leicht, Assassin's Creed III gerecht zu werden.
Einerseits ist nicht zu übersehen, dass Ubisoft sich mächtig ins Zeug gelegt hat, um den schon hohen Standard der Vorgängerspiele bei der Nachschaffung/Neuerfindung einer historischen Epoche bzw. ausgewählter Orte dieser Epoche nochmals zu übertreffen und gleichzeitig die Spielmechaniken aufzufrischen oder zu verbessern.
Andererseits kann alles das nur als bedingt gelungen bezeichnet werden (finde ich zumindest). In manchen Punkten würde ICH sogar von eindeutigen Rückschritten sprechen - aber da gehen die Ansichten sicherlich auseinander. Grundsätzlich ist mein Eindruck auf jeden Fall der, dass nicht nur manche Änderung/Neuerung im Bereich des Gameplays zumindest "diskussionswürdig" ist. Darüberhinaus scheinen wir es wieder einmal mit einer Veröffentlichung zu tun zu haben, die gut und gerne 6 Monate, vielleicht auch ein ganzes Jahr "zu früh" erfolgt ist.
Weswegen anscheinend mancher geplante Abschnitt - der für die rahmende Geschichte des Erinnerungs-Reisenden Desmond dringend benötigt worden wäre - kurzerhand gestrichen werden musste. Und mit der Folge, dass die geänderten Spielmechaniken nicht hinreichend erprobt und optimiert werden konnten.
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Im Einzelnen:
Grafik, Schauplätze +++
Die Grafik ist insofern nochmals "besser" geworden, als sie nun noch natürlichere Texturen enthält und noch mehr von Details wimmelt, die dem Ganzen Leben einhauchen - dazu gehört auch allerlei liebevoll animiertes Getier. Diesmal geht es ja in die Amerikanische Revolution, wo die Städte erst im Entstehen sind und deshalb die Gebäude noch nicht so in den Himmel ragen wie viele imposante Sehenswürdigkeiten der Renaissance, die wir aus den Vorgängern kennen. Vielleicht hat Ubisoft es deshalb gewagt, die Bauten diesmal nicht so zusammenzuschrumpfen. Das trägt meiner Meinung nach zu einer deutlich "erwachseneren" Anmutung der Schauplätze bei. Die gegenüber dem bisher von Assassin's Creed Gewohnten völlig andere Architektur ist auf jeden Fall reizvoll - solange, bis man sich auch daran gewöhnt hat. Von einigem Reiz ist ferner, dass man die ganze historische "Welt" in zwei gegensätzlichen Jahreszeiten kennenlernt.
Neu ist auch, dass rund die Hälfte der Örtlichkeiten aus "Wildnis" besteht. Und die sieht jetzt nicht mehr so (künstlich) nach Parklandschaft aus wie die spärlichen Flecken Natur in den Vorgängern. Insgesamt gelingt ACIII eine sehr überzeugende Darstellung von Flora und Fauna, wobei die Topographie offenbar "von Hand" gestaltet wurde (und nicht zum größten Teil vom Computer generiert).
Grafik, Schauplätze -
Die Anforderungen an die Hardware (auch die CPU) sind anscheinend ebenfalls gestiegen. Stereoskopisches 3D, welches insbesondere bei 'Revelations' nach einigen Patches (seitens Ubisoft!) fast perfekt funktionierte, ist diesmal so durch "falsche" Schatten u.Ä. getrübt, dass die meiste Zeit keine echte Freude über die "bessere" Grafik aufkommt (bis jetzt jedenfalls).
An einigen Stellen enttäuscht ACIII auch mit eher künstlich aussehenden Modellen, etwa bei den gemauerten Forts. Ebenso wirkt in den normalen Gebieten - abseits der maritimen Missionen - das Wasser kaum irgendwo "echt": die Oberfläche ist meist auffällig ruhig, und auch in puncto Farbe und Transparenz hapert es oft. Bei einem mit Superaufwand hergestellten Titel wie ACIII dürfte man hier vielleicht etwas mehr erwarten.
Die Städte haben für mich leider schnell wieder an Reiz verloren. Richtige Sehenswürdigkeiten sind Mangelware, der "Zauber" früherer AC-Städte fehlt irgendwie. Und für eine der Kern-Mechaniken der AC-Reihe, das Parcour-Rennen, sind die relativ breiten Straßen und die Gebäudeformen nicht sonderlich günstig.
Animationen +++
Fast sämtliche Bewegungen der spielbaren Charaktere sind weiter verbessert worden, wobei es jetzt sehr viel mehr Animationen für spezielle Situationen gibt wie das bergauf/bergab Gehen oder Treppensteigen. Die NPCs bewegen sich ebenfalls natürlicher.
Ein besonderes Schmankerl sind die Kletterfähigkeiten des Hauptcharakters: In der Wildnis kann er zahllose Felswände erklimmen. Und es gibt vielerorts, auch in den Städten, kletterbare Bäume - der Wald lässt sich mittels "Tree-Running" auf ganz eigentümliche Weise erleben ... Kurzum: Auf dem Gebiet bietet ACIII Herausragendes. Es ist einfach ein Genuss, der Hauptfigur bei ihrem Weg durch unterschiedlichste Umgebungen zuzusehen, beeindruckend, wie selbstverständlich sich die Bewegungen an die jeweiligen Untergründe anpassen. Hier zeigt Ubisoft ganz klar Kompetenzen, die derzeit von keinem anderen Spieleentwickler übertroffen werden!
Kämpfen +
Ich sage es mal so: Gegenüber 'Revelations' ist meines Erachtens ein Fortschritt nicht zu leugnen. Das Einfügen von Zeitlupen-Sequenzen ergibt nunmehr Sinn, weil es jetzt tatsächlich mehrere deutlich verschiedene Möglichkeiten gibt, Angriffe zu parieren. Ich habe mich allerdings anfangs schwer mit dem neuen Kampf-"Feeling" getan... Starker tierischer Gegner erwehrt man sich durchweg mit den berüchtigten Quicktime-Events - das sehe ich vorerst eher neutral. In bestimmten "Quests" scheinen die geforderten Reaktionszeiten aber so extrem kurz zu sein, dass nicht nur "Anfänger" damit nicht klar kommen.
Für einige der zur Verfügung stehenden Waffen - auch da gibt's Abwechslung zum Altbekannten - habe ich keine rechte Verwendung gefunden. Aber das kennt man ja schon: Das Waffen-Arsenal zeichnete sich seit Teil 2 immer durch eine gewisse Beliebigkeit aus.
Kämpfen -
Wenn man es erst mal "drauf" hat, ist es auch diesmal wieder möglich, große Gegnerhorden ohne nennenswerte eigene Blessuren niederzumachen. Notfalls mit bloßen Händen. Warum Ubisoft es nicht schafft, die permanent zum Einsatz kommenden Kampfmechaniken deutlich interessanter zu gestalten, ist mir schleierhaft. Warum nicht wenigstens 2 Schwierigkeitsgrade? Von einem so ausgeklügelten, sowohl für "Casuals" wie für Könner reizvollen Kampfsystem wie in den 'Batman Arkham'-Titeln ganz zu schweigen.
Bruderschaft +
Die maximale Anzahl potentieller Rekruten wurde deutlich verringert, dafür sind mit jeder Rekrutierung umfangreichere Aufgaben verbunden, die einen besonderen Bezug zum Kandidaten haben. Bei der Unterstützung stellen die Assistenz-Assassinen neue Möglichkeiten zur Verfügung, etwa das Weglocken von Wachen.
Bruderschaft --
Die Kandidaten sind oft schwer auffindbar. Man stolpert häufig zuerst über die mit einer Rekrutierung verbundenen Aufgaben, ohne jede Erklärung, warum etwas gemacht werden soll. In kritischen Missionen, bei denen man durchaus mal gerne Hilfe anfordern würde, steht die Bruderschaft meistens NICHT zur Verfügung - ohne dass dafür (im Rahmen der Spielwelt) ein nachvollziehbarer Grund ersichtlich wäre.
Anders als in allen vorangegangenen Teilen kommt grundsätzlich kaum das Gefühl auf, Teil einer Assassinen-"Gilde" zu sein.
Stealth --
In welchem sonstigen Zusammenhang sollte man darauf zu sprechen kommen? Stealth existiert mittlerweile so gut wie nicht mehr (am meisten davon bot noch der erste Teil). Wer es sich zur Aufgabe macht (oder ein entsprechendes Kriterium für "volle Synchronisation" erfüllen will), unbemerkt an ein Opfer heranzuschleichen, benötigt (meistens) eine hohe Frustrationstoleranz. Die Gegner-KI sowie die Spielmechaniken machen es einem sehr schwer. Spaß kommt dabei nicht auf. Das finden ich und viele andere Fans seit langem extrem schade. Aber Ubisoft verfolgt da wohl eine eigene "Vision". (Die des maximalen "Appeals" beim größtmöglichen Publikum, vermute ich...)
Steuerung (XBox-Controller):
Hier gibt's diverse Änderungen, die ich für fragwürdig halte. Zum Beispiel fand ich es schwieriger als in den Vorgängern, mich im Höchsttempo zwischen Häusern und über Dächer zu bewegen. Der Verzicht darauf, für den "highest profile"-Bewegungsmodus einen separaten Button drücken zu müssen, macht die Kontrolle eben NICHT leichter - vielmehr verliert man leichter die Kontrolle... Wo ist die Möglichkeit geblieben, von einem nicht "zu hohen" Vorsprung KURZ nach vorne abzuspringen? Jetzt kommt man von solchen Orten meistens nur mit einem absurden Weitsprung runter - mit dem man womöglich schon gegen eine gegenüberliegende Wand knallt. Blödsinnig.
Zur Steuerung zähle ich auch das Grafik-Interface zur Auswahl der Primär-/Sekundär-Waffe bzw. der "Tools". Da es VIEL mehr Waffen/Tools gibt als dem Mehrwegeschalter (XBox-Controller) zugewiesen werden können, muss man besagtes Menü sehr häufig öffnen. Vielleicht auch zum Aufruf der Pferde-Pfeife - in den großen Spielarealen außerhalb der Städte ist das Pferd natürlich unverzichtbar. Wieso vergehen mehrere Sekunden (so fühlt es sich zumindest an..), bis der gesamte Menü-Inhalt angezeigt wird? Das ist nicht nur unangenehm zu bedienen, es reißt einen auch aus dem Spielgeschehen vollständig und unnötig lange heraus. (So ein Menü könnte beispielsweise transparent sein, dann bliebe man visuell mit der aktuellen Spielsituation verbunden.
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