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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Buch!,
Von Wedernoch "Wedernoch" (Frankfurt) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Asphaltspringer (Broschiert)
Gar nicht leicht zu sagen, was einem hier alles begegnet. Das Famose ist, dass man vieles auch zu Ende denken muss. Manches ist nicht ausformuliert. Es liegt in der Luft. Durch das Mitdenken wird man so einbezogen und direkt beteiligt, dass mich das Lesen dieses Buches aktiviert hat.Und noch etwas merkwürdiges ist mir geschehen. Ich bekam eine Ahnung davon, wie die Geschichte wohl weiter gehen könnte und war echt genervt. Denn das war ein hartes Thema, mit dem ich mich eigentlich gar nicht konfrontieren wollte. Doch während ich das Buch wieder in die Hände nahm und weiterlas, veränderte sich das Erwartete in Unerwartetes. Trotz der unangenehmen Problematik wollte ich ohne Unterbrechung weiterlesen. Es entstand ein spannender Prozess, der sich bis zum Schluss weiterentwickelte. Schwerpunkte waren die Thematik des Romanes und der Charakter des Ich-Erzählers Dipper. Ich erzähle jetzt nichts. Mir fiel immer wieder der Roman von Luca Bloom ein: Ich, Eias. Auch dort gibt es Jugendsprache, Sex und Alkohol. Doch Frau Reh hat das soviel einfacher und glaubwürdiger konstruiert. Die Sprache wird selber Thema, wenn Dipper reflektiert, was jeder von ihnen so sagt, wenn er redet. Ich sehe die Verwendung von Jugendsprache in diesem Buch nicht als Anbiederung und kann gar nicht erklären warum. Sie richtet sich auch nicht gegen irgendwelche Gruppen der Gesellschaft oder diskriminiert. Es ist auch immer zu hinterfragen, wie eine Frau sich in einen jungen Mann hineinversetzen können soll oder ein Autor in eine Frau. Da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen. Dipper ist ein junger Mann aus einfachstem Milieu. Seine Freunde leben anders. Das ergibt ein ganz großartiges Nebeneinander von Szenarien. Es geht keinem wirklich gut. Jeder hat sein großes oder sehr großes Päckchen zu tragen. Und diese Päckchen gibt es eben wirklich. Dann spielt alles in einer Großstadt. Dort treffen sich die jungen Leute zum Parkour. Wenn ich es richtig verstanden habe, sehen sie die Bauten einer Stadt nicht als Einrichtung mit fester Nutzung, sondern als Herausforderung, diese in ihre Wege mit einzubauen. Dazu benötigen sie Kraft und Geschicklichkeit und Wachsein. Sie trainieren ausdauernd ihren Körper und ihren Geist, um die 'Figuren' des Parkours wirklich zu beherrschen. Dabei übertreten sie die Grenzen des Normalnutzers. Und es ist durchaus gefährlich, wenn sie ihre Kraft falsch einschätzen. Für mein Thema 'Demokratie' ist zu einem spannend, wie diese Gruppe ohne sich ständig mit dem Status der anderen zu vergleichen klar kommt. Ja, die Ansagerei, das Bestimmen von Jay oder Corone sind für Dipper eine Frage. Und weil er an der ersten Liebe und seinen Fragen wächst -wieder im Gegensatz zu 'Elias'-kann man dieses Buch als Entwicklungsroman bezeichnen. Ich finde Städte ja klasse. Sie bieten immer noch mehr Möglichkeiten als das Land. Wenn wir sie etwas menschenfreundlicher bauen, dann wird ihr Nutzen deutlicher werden. Zum anderen ist die Frage ungelöst, wie der Staat mit Gegnern des Staates umgeht. Durch einen Zufall, den es eben auch gibt (Da fällt mir die Frau ein, die ihr Rad an der Frankfurter Uni vorbeischob, als die Polizei gerade die Mensa räumte.), kommen die jungen Leute in Konflikt mit der Polizei. Die aus einem ganz anderen Grund ihnen gegenüber Vorurteile hat. Es ergeben sich blitzschnell Verwicklungen, die keine vernünftige Auseinandersetzung mehr zulassen. Auf einmal ist die Staatsmacht mit im Spiel. Und die Polizisten haben ihrerseits Angst. Da geht dann nichts mehr. Für einige der neuen 'Stadtguerillas'ist das ein Thema. Egal ob sie verboten Blumen pflanzen oder Schilder um malen. (Stopp war) Ich kann es nur empfehlen. Was für ein Buch! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Rap des Körpers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Asphaltspringer (Broschiert)
Stadtluft macht frei, so ein altes Versprechen. Doch begegnet einem diese Freiheit auch als Kälte, als Zugluft anonymer Menschenmassen im verstörenden Aufklaffen von Stahl, Glas, Beton. Und über der unsichtbaren Erde liegt, wie geronnenes Blut, Asphalt. Zu Beginn seiner Geschichte erzählt der 17jährige Dipper, wie er und seine Freunde sich Vogelnamen aus einem englischen Naturbuch geben. Die »Urban Planet Birds«, wie sich die Gruppe fortan nennt, üben gemeinsam »Parkour«. Hinter dem französischen Wort verbirgt sich eine Art pazifistische Stadtguerilla, die in den 90er Jahren in den Banlieues von Paris entstand. Dabei geht es darum, die urbane Landschaft zurückzuerobern, neue Wege abseits der eingetretenen Pfade zu entdecken. Ein Rap des Körpers, bei dem Wände, Mauern und jegliche Form von Hindernissen ohne Hilfsmittel überwunden werden. Insofern ist Parkour auch eine »Metaphor of Life«, wie ein geheimnisvoller Fremder dem wie besessen trainierenden Dipper verrät, der gerade über eine unerwiderte Liebe zur Traceuse Kite hinwegzukommen versucht. Aber schließlich, als Dipper erkennt, dass es an vielen Stellen hinter der Fassade bereits lichterloh brennt, bekommt auch das einen Sinn. Rusalka Rehs erstes Jugendbuch flimmert unter einer seit dem ersten Satz gegenwärtigen Spannung, der unterschwelligen, beunruhigen Ahnung eines Ziels, dem die Geschichte entgegenstürzt. Auch geht die Autorin mit dem Buch zudem das Wagnis ein, Jugendsprache in Schriftform zu bannen. Damit stellt sie sich einer fast unmöglichen Herausforderung: denn Szenesprache will ja eben keine auf dem Papier erstarrte Zeichensprache sein. Den Kitt dieser Verbindung bildet Dippers Humor, der schonungslos ist, aber auf seine rowdyhaft Weise auch charmant. Am Ende wendet sich keinesfalls alles zum Guten, aber neue Wege eröffnen sich und Dippers Kampfgeist ist erwacht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lesenswert!,
Rezension bezieht sich auf: Asphaltspringer (Broschiert)
Wow. Was in diesem Buch geht, ist schwer zu beschreiben: Dipper, Skylark, Corone und Jay nennen sich zusammen die Urban Planetbirds. Ihre Spitznamen haben sie aus einem Vogelbuch. Das hat Jays Ma, eine 'Universitätstype', auf dem Dachboden vergessen, als sie mit Jays Bruder ins Ausland abgehauen ist. Jeder der Planetbirds hat eine ganz andere Geschichte, aber Trauriges haben sie eigentlich alle ohne Ende erlebt. Sie schlagen sich so durch, wie es halt typisch ist in der Großstadt - irgendeiner - und sie machen Parkour.Der Erzähler ist Dipper. Er beschreibt das Leben so, als würde man mit 'ner Tüte Chips daneben sitzen: irgendwie sympathisch. Dabei ist er sensibel wie nur was und manchmal auch urkomisch - so sagt man es in Dipper-Sprache und auch die wird einen nach dem Lesen wohl noch ein Weilchen begleiten. Aber was ganz genau ist Parkour? Also eigentlich ist das ein Sport, bei dem es darum geht, Hindernisse in der Stadt zu überwinden. Also z.B. man springt über eine Mauer, statt drumherum zu gehen. Aber wenn man das Buch liest, merkt man, es geht um mehr: Kann man mit Parkour auch Angst und innere Grenzen überwinden? Können Hindernisse tatsächlich zu einer Möglichkeit oder einem 'Weg' werden? Diese Fragen stellt sich Dipper. Wenn ihr euch damit schonmal beschäftigt habt, solltet ihr das Buch unbedingt lesen! Asphaltspringer lässt einen richtig in die Parkourwelt eintauchen. So als wär man ganz entspannt und mitten drin dabei; außerdem macht das Buch wirklich an jeder Ecke auf geniale Art nachdenklich: Von Kafka geht es über Freundschaft und Liebeskummer bis hin zu Mathematik. Und es geht um Verantwortung für Leute, denen es so richtig mies geht - also um Freundschaft. An Tiefe wird nichts ausgelassen und am Schluss geht ein tatortmässig spannender Krimi ab. Unbedingt lesen! Hoffe nur, das war das nicht die letzte Dipper-Story, von Rusalka Reh!!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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