Produktinformation
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Laut Beschreibung des Providers LaserParadise soll die 3DVD-Version komplett überarbeitet sein in Bild und Ton, die Original Hindi Tonspur enthalten, sowie deutsche Untertitel und alle Songs. Laut LaserParadise zeigt das neue Cover der 3DVD-Version Asoka nach der Schlacht von Kalinga, Amazon zeigt derzeit noch das Cover der Doppel-DVD-Edition. Die um ca. 17 Minuten längere Original-Version (die geschnittene deutsche Version hat nur 152 Minuten Laufzeit) kann ich auf jeden Fall empfehlen. Und durch die Original-Tonspur erhält man meist sehr viel mehr Informationen (Räuspern, Seufzen etc.) als in den synchronisierten deutschen Versionen.
Selbst in der wirklich kläglich behandelten ersten deutschen Version hat mich dieser Film begeistert. Diese emotionale Tiefe und Breite wird in westlichen Produktionen selten erreicht. Im Vergleich zu dem auf mich recht konventionell wirkenden 'Lagaan' finden sich hier Experimente in der Kameraführung, Schnitt und Musik, die zwar gewöhnungsbedürftig sind, mich aber emotional weitaus stärker ansprechen. Die Musik beeindruckt insbesondere durch die Perkussionsinstrumente. Neben der Musik in den Tanzszenen ist auch die Hintergrundmusik durchgängig sehr gut und trägt den Film.
Besonders schöne oder beeindruckende Szenen reihen sich endlos aneinander. Ich erwähne hier einige der in der ersten Version ganz oder teilweise herausgeschnittenen Szenen: Asokas Kampf mit Takshilas hinterhältigen General per Urumi, einem peitschenartigen Schwert von ca. 2 m Länge, dessen Beherrschung erst auf den höchsten Stufen des Kalaripayattu (einer sehr alten Kampftechnik des südindischen Kerala) gelernt wird, dadurch wird gleich in den ersten Szenen mit dem erwachsenen Asoka auf dessen Kampf- und Verstandesfähigkeiten hingewiesen, Kaurwakis Tanz 'San Sanana', die ausgelassene Frequenz 'O Re Kaanchi', bei der ein ganzes Dorf tagsüber im Tanzen und Singen schwelgt, sowie die Traumsequenz Asoka-Kaurwaki 'Roshni-Se'.
Besonders gefallen haben mir auch körperliche Eigenheiten, die die einzelnen Charaktere individualisierten: z.B. bekommt Asoka bei emotional besonders tief verletzenden Ereignissen Nasenbluten, sein Freund Virat lässt vor jedem Kampf seine Halswirbel knacken, Kaurwaki führt besonders abrupte, Zorn oder Entschiedenheit signalisierende, Kopfwendungen aus (Eigenheit Kareena Kapoors). Kareena Kapoor ist dabei die Darstellung der Kriegerprinzessin Kaurwaki durchgängig gut gelungen, auch als fähige Kämpferin. Des weiteren hat mir sehr gut gefallen wie plausibel das märchenhafte Motiv der sich immer wieder verfehlenden Liebenden für den Aufbau des Films genutzt wurde.
Sehr überzeugend dargestellt sind die Wutausbrüche des sich immer mehr in einen ewig zornigen Herrscher wandelnden Asoka. Ebenso beeindruckt die Schlacht um Kalinga durch überzeugende Massenszenen ohne Computeranimation und durch Asokas Berserker-haften und doch disziplinierten Kalaripayattu-Kampfstil. Formal sehr beeindruckend ist die cinematographische Darstellung eines Bewusstseinsverlusts.
Wer Filme wie 'King Arthur', 'Fluch der Karibik', 'Tiger & Dragon' oder 'Braveheart' mag, dem sollte auch 'Asoka' gefallen können.
Das indische Publikum beklagte die wenig geschichtliche Darstellung. Ich ordne die folgenden Probleme unter künstlerische Freiheit ein. Zwischen der Befriedung der Provinz Ujjaini und dem Angriff auf Kalinga lagen mehr als 12 Jahre (Asoka griff Kalinga erst 8 Jahre nach seiner Thronbesteigung an), daher müsste Kaurwakis kleiner Bruder Arya am Ende des Films eigentlich erwachsen sein. Die weiblichen Kostüme sind unseren Moralvorstellungen angepasst, denn die BH-artigen Oberteile gab es meines Wissens damals noch nicht. Die als unrein betrachtete geschnittene und genähte Kleidung wurde von den Hindus wahrscheinlich nicht vor Ankunft der Hunnen 450 n. Chr. akzeptiert. Buddha-Bildnisse waren im frühen Buddhismus verboten und wurden frühestens im 2. Jahrhundert v. Chr. entwickelt. Und dass Asoka seine Brüder umbrachte ist keinesfalls gesichert, dies gehört vermutlich zur buddhistischen Legendenbildung, welche die Annahme des Buddhismus als Ursache einer Wandlung Asokas vom grausamen Eroberer in einen Wohltäter der Menschheit darstellte. Die Säulenedikte Asokas zeigen aber keinen buddhistischen Mönch sondern einen weisen Landesvater (268-233 v. Chr.), der versuchte durch einen allgemeingültigen Moralkodex (Dharma=Dhamma) seinem Riesenreich ein verbindendes Element zu geben. Eher wahrscheinlich ist, dass Asoka schon früh zum Buddhismus neigte und die vier Jahre zwischen dem Tod seines Vaters und seiner Thronbesteigung auf einem Thronfolgestreit beruhten.
Zurück zum Film: der erste Teil enthält viele humorvolle Szenen, die Liebesgeschichte Asoka-Kaurwaki und die spezifisch indischen Gesang- und Tanz-Einlagen. Nach dem Verlust Kaurwakis wird dann in der zweiten Hälfte die Wandlung Asokas von einem etwas arroganten aber liebenswerten Prinzen (sehr humorvoll dargestellt) zum erbarmungslos wütenden Eroberer Chanda Ashoka (dessen kaum unterdrückter Zorn jedes Mitleiden mit seinen Mitmenschen erstickt) plausibel und aufgrund von Shah Rukh Khans schauspielerischen Leistungen auch überzeugend dargestellt. Erst Asokas Erfahrungen im Krieg um Kalinga 260 Jahre vor Christi Geburt lassen ihn innehalten. Hier endet der auf Legenden basierende Film, hier beginnt die Geschichte, die durch viele Säulen-Edikte belegt ist. Chandashoka wurde zu Dhammashoka.
Das Original erhält von mir 5 Sterne, ich würde auch mehr als 5 Sterne vergeben. Nach 41 indischen Filmen habe ich noch keinen besseren gefunden (auch keinen besseren Soundtrack). Für mich ist 'Asoka' auch besser als alle Hollywood-Filme. Er erinnert mich eher an die Wucht von Eisenstein-Filmen (z.B. 'Iwan der Schreckliche'). Durch den Humor und die moderne Darstellungsweise bei Kamera und Schauspielern sagt er mir aber noch mehr zu als die alten Klassiker. Ich hoffe, die neue Version ist nun wirklich komplett und wurde professioneller hergestellt als die erste (insbesondere hinsichtlich der deutschen Synchronisation).
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