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Asiatische Absencen
 
 
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Asiatische Absencen [Taschenbuch]

Wolfgang Büscher
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Wolfgang Büscher
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Produktbeschreibungen

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Interview mit Wolfgang Büscher
Wolfgang Büscher
Fotonachweis: Manuel Krug
Wolfgang BücherWolfgang Büscher ist Vertreter einer Spezies, die man schon ausgestorben glaubte: die des Reiseschriftstellers. Einem breiten Publikum ist er mit seinem Reisebericht einer Wanderung von Berlin nach Moskau bekannt geworden. In seinem neuen Band verlieren er und die Leser sich in „Asiatische Absencen" - opulenten Beschreibungen, Fieberträumen und einzigartigen Erlebnissen jenseits der ausgetrampelten „Traumpfade".

Frage: In einem Parforceritt schicken Sie den Leser von Indien über den Mekong auf den Schamanengipfel unweit der tibetischen Grenze bis in die Bar „Sexy Yeti" nach Shangri-La. Alles Asien, alles ganz anders, alles bizarr schön. Gibt es so etwas wie Ihren persönlichen Lieblingsort?

Wolfgang Büscher: Immer der, an dem ich gerade bin. Darum geht es in allen Erzählungen: sich in dem Moment, dem Ort zu verlieren, in und an den es einen verschlägt. Der Morgen allerdings, als nach tagelangem Aufstieg durch Monsunregen und Nebel der Himmel über dem Himalaya aufriss und wir endlich sehen durften, wo wir waren, wo hinauf wir gestiegen waren, war ein wirklich großer Moment - auf dem Gipfelplateau eines knapp 4.000 Meter hohen Berges stehend, um uns herum einige der ganz Großen: Manaslu, Annapurna. Niemand sprach. Alles stand und schaute, auf den Gesichtern lag das rötliche Licht der aufgehenden Sonne.

Frage: Die Auftaktgeschichte des Bandes nimmt den Leser mit nach Indien. In einem Rausch aus Bildern, Farben und Gerüchen verlieren Sie und wir scheinbar den Faden zwischen Fieberwahn und Wahrheit. Deshalb die Frage: Haben Sie den Maharadscha mit seiner Sitar und den Musik liebenden Affen wirklich getroffen? Oder war es eine der Absencen in Asien?

Wolfgang Büscher: Es ist die Geschichte eines Fiebertages allein in einem verlassenen Hospital irgendwo in Indien. Diesen Tag habe ich erlebt, ebenso wie die Flucht aus der Yogi-Zelle und das Ereignis im Tempel. Es ist aber zugleich eine Geschichte über die Fieberwirkung von Literatur, beginnend mit der Erinnerung an eine Jugendlektüre in ähnlich fiebrigem Zustand. Wirkliches und Geträumtes verlaufen ineinander, das liegt in der Natur der Sache. Die Affen des Maharadschas? Es gibt in der Tat (und gab früher umso mehr) einige erfreulich abgedrehte Fürsten dort.

Frage: In Ihrer Erzählung „Mekong Mama" stellen Sie die Frage: „Was suchte ich hier?" Was also suchten Sie dort und anderswo?

Wolfgang Büscher: Das, was anderswo anders ist, anders leuchtet, anders real ist als da, wo ich her komme. In meinem Fall sind Reisen der Stoff und der Zustand, die mich zum Schreiben bringen. In der Bibliothek schlafe ich ein. Unterwegs bin ich hellwach. Man könnte sagen, ich reise, um zu schreiben.

Frage: An anderer Stelle sprachen Sie vom Reisen als einer „unstillbaren Jagd". Können Sie das auch heute noch uneingeschränkt unterschreiben?

Wolfgang Büscher: Solange der Hunger anhält, ein gewisses Ziehen im Herzen, ist das so.

Frage: Heutzutage reist jeder. Eine Woche Seychellen oder Trinidad und Tobago pauschal - warum nicht? Was raten Sie als passionierter Reisender, der schon von Deutschland aus zu Fuß nach Moskau unterwegs war: Gibt es eine Einstellung oder Haltung, wie man sich Reisezielen nähern sollte, um ein bisschen mehr als das „All-inclusive" zu erleben?

Wolfgang Büscher: Diese Formen der Reise sind vorfabrizierte und vom Touristen ja auch so gewollte Kapseln, in denen dieser unterwegs ist. Klar, manchmal braucht man das und will mehr gar nicht haben. Wenn es aber darum geht, eine Erfahrung zu machen, wirklich etwas zu sehen, mit sich selbst unterwegs zu sein, dann muss man unbedingt aus der Kapsel raus. Dann muss man nicht nur etwas serviert kriegen wollen, dann muss man etwas hergeben, opfern, in Kauf nehmen: Zeit, Mühe, Alleinsein.

Frage: Wohin führen Sie Ihre nächsten Reisen?

Wolfgang Büscher: Vielleicht nach Amerika. Mal sehen.

Die Fragen stellte Hans Jürgensen, Literaturtest.

-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Unter fremden Göttern In Indien will ihn ein Yogapriester rekrutieren, mit nepalesischen Schamanen besteigt er deren heiligen Berg, auf einem Öltanker im Indischen Ozean freundet er sich mit einem Seemann an, der ständig Kricket übt, aber nie mehr an Land will. Es sind Geschichten dieser Art, die Wolfgang Büscher von seinen Asienreisen mitgebracht hat. Er erzählt sie auf melodiös-sinnliche Weise, auf den literarischen Spuren von Rudyard Kipling und Joseph Conrad. «Schönere literarische Reiseberichte werden Sie in der Gegenwartsliteratur nicht finden.» DEUTSCHLANDFUNK

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Philosoph in Asien 3. Juni 2010
Von easyneezy
Format:Taschenbuch
Ein Philosoph auf Reisen durch Asien. Er macht Reisen, die ein Normaltourist so sicher nie unternehmen wird. Zweck des Buches ist aber auch nicht, ihm hinterher zu reisen. Es geht eher um das Begreifen fremder Kultur. Wolfgang Büscher beschreibt seine Reisen in einer sehr schönen, bildhaften Sprache. Er ist ein guter Beobachter. Er versucht, das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren zu ergründen. Asien gibt Rätsel auf, die Wolfgang Büscher selbstverständlich nicht auflösen kann, am Ende seiner Geschichten stehen aber immer überraschende Erkenntnisse. Ein Buch zum Träumen, das Lust auf Asien macht.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Stille Sensationen 12. November 2008
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Eine eigene Spannung erfaßt uns, wenn wir reisen, wenn wir ins Entlegene dringen. Wir schauen und schauen, fahren, fahren und reden kaum mehr. Wir sehen in einer Weise, die das Darüberreden verstummen lässt, mit dem wir uns gewöhnlich behelfen. Reine Gegenwart. Was wir sonst waren, verblasst, wie in der Liebe, wie in einem Kampf. Wir streifen durch fremdes Terrain - äußerste Wachsamkeit. Hier gilt sie keinem Hinterhalt, sie gilt dem, was in diesem Moment im Augenwinkel erscheint oder am Horizont. Der Moment ist ein scheues Wild, der Horizont immer dort, wo wir nicht sind. Eine unstillbare Jagd, wir wissen es. Die Jagd ist nur Vorwand. Was zählt, ist die Stunde am Rande der Lichtung."
Diese Worte läuten Wolfgang Büschers letzte Erzählung in seinen "Asiatischen Absencen" ein. Sie treffen den Duktus des gesamten schmalen Büchleins korrekt - allerfeinste, literarisch hochwertige Reiseliteratur, ein Genre, das deutschsprachigen Raum eher ein Nischendasein fristet. Derweil ist es in England und Amerika immer noch äußerst beliebt (z. Bsp. Bruce Chatwin, Patrick Leigh Fermore).

In dem vorliegenden Buch bewegt sich Büscher in einer ganz anderen, für uns Europäer fremden Welt - Asien. Was es so überaus lesenswert macht, sind die ganz subjektiven Empfindungen des Autors. Seine Stimmungen und Seelenlagen sind untrennbar mit den auf ihn einstürmenden Eindrücken verbunden. Diese ganz persönlichen Erinnerungsbilder verwebt er in seine Geschichten und knüpft daraus einen kunstvollen Teppich imaginierender Impressionen, die zwischen Verliebtheit und Befremden changieren. Büscher siedelt sein Erzählen an Autoren wie Joseph Conrad oder Rudyard Kippling an. Schriftsteller, die das Fremde in ihren Geschichten immer als das Fremde stehen lassen und nicht "so zu knutschen, so zu umarmen, dass dieses Fremde in dieser Umarmung zerdrückt wird.", konstatiert er in einem Interview.

Bleibt die Frage nach den Absencen. Was sind Absencen? Das Wort "Absence" ist französisch und bedeutet "Abwesenheit". Von Betroffenen - aber auch von Ärzten - wird der Ausdruck oft allgemein für das Symptom einer epileptischen Bewusstseinsstörung gebraucht. Wolfgang Büschers Reportagen haben jedoch keineswegs mit derartigen psychischen Abnormalitäten zu tun, aber trotzdem ist der Titel ungemein treffend gewählt. Denn sowohl Büscher als auch der Leser wird diese Abwesendheitszustände oder Bewusstseinspausen, erfahren. Man hält in seiner Bewegung inne, reagiert nicht auf die Umwelt, ist gefangen von seiner Prosa, seinen erzählten Erlebnissen.

Büscher nimmt den Leser mit durch ein drückend heißes Indien. Er lauscht den fremden Klängen eines Sitar spielenden Maharadschas in dessen Palast, entwindet sich den Versuchen eines Mönches, ihn in einem Ashram zu bekehren und kuriert letztendlich in einem verlassenen ehemaligen Kolonialkrankenhaus ein plötzlich befallenes Fieber.
In Dubai wird er als Mitfahrender eines Öltankers eingeschifft, der ihn nach Singapur bringt. Fasziniert betrachtet er den schwarz-samtenen Umhang der Nacht, bestickt mit tausenden Brillianten - den Sternen - und fügt sich allmählich dem gelasseneren Umgang mit der Zeit.
Büscher erlebt das stille Tokio ohne Dächer und philosophiert mit einem englischen Barbesitzer in Burma.

Von erschütternder Schönheit sind seine klebrig-heißen Erlebnisse und magischen Epiphanien der tropischen Fahrt von Singapur über Thailand nach Hongkong und weiter zu den blutigen Reisfeldern Kambodschas, um letztendlich in Vietnams zu stranden. Unterwegs trifft er einen mysteriösen Mann, der ihn in seine Geheimnisse aus der Zeit der Roten Khmer einweiht.

Die längste und beeindruckendste Erzählung hat er in Nepal angesiedelt, im Himalaja, in den Bergen nahe der tibetischen Grenze. Hier gerät Büscher in den Bann von Schamanen und erfährt tatsächlich persönliche Absencen, als er von ihnen in Trance getrommelt wird. Die stillen Sensationen, die Hochgebirgseinsamkeit Innerasiens, die Magie des Ortes wird eins zu eins an den Leser übertragen. Raum und Zeit scheinen zu verschwimmen. Büscher macht seine Erlebnismembran durchlässig und dadurch die Götter der Himalajabewohner dem Leser fühl- und erlebbar. Als überaus wohltuend erweist sich, das er seine eigenen Befindlichkeiten stets in den Hintergrund stellt.

Auf den Leser wirken Büschners "Absencen" noch lange Zeit nach. Ernsthafte "Komplikationen" sind jedoch nicht zu erwarten. Eine medizinische Indikation des sich tatsächlich einstellenden Wahrnehmungsrisses ist nicht erforderlich, denn dieser hat während der Lektüre nur Auswirkungen auf die laute, allgegenwärtige Welt. Was kann es besseres geben.

Fazit:
Gegenwart und Erinnerung, unbekannte Gerüche und tropische Hitze, alles verschmilzt in der fremden Ferne. Wolfgang Büschers "Asiatische Absencen" verfremden den eigenen Blick, um das Neue erfahren zu können.
Eine unbedingte Leseempfehlung für dieses aufschlussreiche, ehrliche und erzählerisch spannende Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Meisterhaft, wie immer 20. Oktober 2011
Von Hueva
Format:Taschenbuch
Wer stimmungsvolle Reisebeschreibungen liebt, liegt bei Wolgang Büscher immer richtig. Großartige Prosa, eine Sprache, so schön wie ein besonderes Gemälde und packende Erlebnisse auch und gerade am Rande der gemeinhin als wichtig eingestuften Reiseetappen bereiten großartige Lesemomente. Aufschlagen, lesen und genießen!
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