Vorab möchte ich versichern, dass ich nichts zum Inhalt, bzw. zum Ausgang der Serie sagen werde!
Ich bin Baujahr 65 und könnte jetzt epische Ausführungen zur Entwicklung von Gesellschaft und Zeitgeist loswerden, die Bedeutung einer möglichen Midlifecrisis für die Verklärung der eigenen Vergangenheit, bzw. Jugend diskutieren oder einfach nur auf die DVD eingehen.
Ich gestehe, es hat einen Moment gedauert, bis ich mich entschieden habe, mich auf die DVD zu beschränken.
Wer Life on Mars gesehen hat, kennt die Systematik der Serie. Ein Polizist, durch einen Unfall schwer verletzt und offensichtlich in einem Krankenhaus im Koma liegend, erlebt "zwischen den Welten" äußerst reale Begebenheiten aus seinem üblichen Alltag, allerdings mit einem Zeitversatz von 30 Jahren. Deko, Kleidung, Habitus und Sprache vermittelten bereits bei der Staffel, die den DI Sam Tyler in das Manchester der 70er Jahre katapultierte, eine derart authentischen Eindruck, dass man, sofern man "dabei" war, ein echtes "Deja vu" erleben durfte. Die durchaus spannenden und der "zeitgemäßen" Kriminalfälle boten hierbei eher die Rahmenhandlung für die Konfrontation verschiedener Welten. "Chauvinismus und Machoextremismus meets Political Correctness", brilliant verkörpert von den Protagonisten. Vor allem die Darstellung des DCI Gene Hunt ist hervorragend...
Nach nur 16 Folgen, verteilt auf zwei Staffeln endete der Spaß und mit Ashes to Ashes wird die Serie mit nur leicht geänderter Besetzung quasi fortgesetzt.
Eine Profilerin der Londoner Polizei erfährt durch eine Schussverletzung ein ähnliches Schicksal wie Sam Tyler, mit dessen Akte sie sich intensiv auseinandergesetzt hatte. Sie erwacht allerdings als Prostituierte aufgetakelt an Bord eines Londoner Hausbotes, während dort eine Party mitten im Gange ist. Schulterpolster, Makeup und Musik vermmitteln sofort, in den 80er Jahren angekommen zu sein. Nachdem die Party durch eine Polizei-Razzia gesprengt wurde, realisiert DI Alex Drake, dass Sie von Ihren zukünftigem Chef, DCI Gene Hunt in Gewahrsam genommen wurde. Von dort an spinnen sich drei Staffeln à 8 Folgen bis zum gelungenen Ende, das auch die fehlenden Informationen über den Verbleib des Kollegens aus Manchaster liefert.
Auch hier ist die Szenerie derart authentisch, die Musik, die Deko, die Klamotten, einfach alles vermittelt eine hohe Glaubwürdigkeit. Doch nicht nur die Kulisse besticht, auch die Dialoge, die Gesellschaftsthemen, die behandelt werden, von Apartheid bis Falkland und Thatcher, sind natürlich britisch (BBC-Serie...) aber trotzdem im hohem Maße faszinierend.
Nun gibt es die Trilogie NICHT synchronisiert, was man bedauern könte, aber nicht sollte. Ich spreche eher gut, glaubte bislang auch fast alles zu berstehen, doch bin ich mehr im internationalen "broken English" unterwegs und habe regelmäßig in Canada zu tun. Doch kann man amerikanisiertes Englisch in keinster Weise mit den Färbungen des britischen "English" von Cockney bis Manchester-Slang vergleichen. Doch unter Zuhilfenahme der englischen Unterlitel, die einen interessanten Mix aus Text und so was wie Lautsprache liefern, kommt man ziemlich weit. Auch öffnet sich mit jedem erschlosssenen Detail der irren Dialoge und Wortspielchen ein neues Potential für Erfolgserlebnisse und Wiederholungen bleiben spannend.
Kurzum: Eine tolle Serie mit Atmosphäre, charismatischen Protagonisten und spannenden Geschichten, wie es sie bei uns leider nur selten zu sehen gibt...