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5.0 von 5 Sternen
Ästhetisch beeindruckender Eastern von Wong Kar-Wai!, 28. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Ashes of Time Redux [Blu-ray] [Special Edition] (Blu-ray)
Der Schwertkämpfer Ou-yang Feng (Leslie Cheung), hat sich an den Rand der Wüste zurückgezogen. Dort betreibt er nun so etwas wie ein Wirtshaus. Das Besondere an dieser Lokalität ist, dass er sich, vor allem aber andere Kämpfer, für Mordaufträge vermittelt. "... ich habe einen Freund, einen Kung-Fu Kämpfer. Im Moment ist er knapp bei Kasse. Der schafft dir für einen guten Preis jeden vom Hals. Der freut sich über den Auftrag. ...".
Jedes Jahr besucht ihn sein Freund Huang Yao-Shi (Tony Leung Ka Fai), der ihm diesmal ein Geschenk, das er von einer Frau erhalten hat, mitbringt. Es ist dies ein Schnaps der magische Wirkung haben soll: "Man trinkt eine Schale davon und vergisst alles was früher geschehen ist."
Mu-Rong Yin heuert Ou-yang Feng an um Huang Yao-Shi zu töten da dieser verschmäht hat seine Schwester Mu-Rong Yang (Brigitte Lin) zu heiraten. Diese wiederum heuert Ou-yang Feng an ihren Bruder Mu-Rong Yin zu töten. Verwirrend ist dies nicht nur deshalb, da Mu-Rong Yin und Mu-Rong Yang eigentlich ein und dieselbe (schizophrene) Person sind.
Bauern suchen Hilfe gegen Banditen die ein Dorf in der Nähe terrorisieren. Ein langsam von Erblindung bedrohter Schwertkämpfer(Tony Leung Chiu Wai) möchte noch einmal Heimat und Frau sehen und wird des Geldes wegen den Kampf gegen die erdrückende Übermacht der Banditen aufnehmen. Ein anderer Schwertkämpfer (Jackie Cheung), der ungern Schuhe trägt und mit Frau (Li Bai) und Kamel unterwegs ist, wird dies dann vollenden.
Am Ende wird sich Ou-yang Feng, der vor langer Zeit seine Liebe (Maggie Cheung) verlassen hat, seiner Einsamkeit bewusst und wird diesen Ort verlassen um nach Westen weiterziehen. Dort wird man ihn dann "das Gift des Westens" nennen...
In weiteren Rollen: Carina Lau, Charlie Yeung
Im Prinzip ist es schwierig den Film zu beschreiben, denn er hat eine episodenhafte Erzählstruktur die sich hier in ihrer in sich verschachtelten Komplexität kaum wiedergeben lässt.
Es ist dies ein bemerkenswerter Autorenfilm (Quelle der Geschichte ist allerdings ein mehrbändiges chinesisches Epos) von Wong Kar-Wai, und zugleich dessen einziger Ausflug ins Eastern bzw. Schwertkampf-Genre. Der Film wurde bereits 1994 gedreht und erhielt auf diversen Festivals verschiedene Preise, u.a. für beste Kameraführung (Christopher Doyle) und besten Schnitt (Patrick Tam). Redux ist nun eine Neubearbeitung des Films durch den Regisseur. Es wurden Szenen ergänzt, gestrichen, umgeschnitten, neu coloriert sowie praktisch die gesamte Filmmusik ersetzt. Die Laufzeit ist dabei von ursprünglich 100 Minuten auf 93 Minuten verkürzt.
Eigentlich ist es kein klassischer Eastern, sondern mehr ein Autorenfilm der lediglich in diesem Genre angesiedelt ist. Zentraler Charakter ist der Schwertkämpfer Ou-yang Feng der sich an den Rand der Wüste zurückgezogen hat, ein Wirtshaus unterhält, und dort andere Schwertkämpfer für Mordaufträge vermittelt. Verschiedene Personen - meist stehen sie auch direkt oder indirekt untereinander in Beziehung - kommen bei diesem Wirtshaus vorbei und leisten durch ihr Erscheinen einen Betrag zur Geschichte. Diese Geschichte wird vor allem in Dialogen, und oft bloß in aus dem Off erzählten Monologen ausgebreitet. Sie ist für den Betrachter oft gar nicht so leicht zu folgen. An manchen Stellen bleibt die erzählerische Zeitebene diffus und nicht mehr linear.
Wong Kar-Wai erzählt von verlorener Liebe, verlorenen Chancen, von wie Sand zerrinnender verlorener Zeit, und erzeugt mittels Musik, Farbgestaltung, Sprachdiktion eine fast meditative Atmosphäre in die man fasziniert eintaucht - oder auch nicht. Wer gerne in ungewöhnlichen Bildern und Dialogen versinkt, sich von diesen berauschen lässt, für den ist es der perfekte Film. Wer aber einen "echten" Eastern sehen will für den wird das Tempo wahrscheinlich zu langsam und der Film zu philosophisch sein. Natürlich gibt es auch Kämpfe (von Sammo Hung choreographiert), diese sind ein Bilderrausch in dem die drastische Brutalität jedoch von schnellen Schnitten und vor allem von überwältigender Bildästhetik überdeckt wird.
Sehr gute Bild und Tonqualität. Erfreulicherweise ist die Blu-Ray mit einem Wendecover ausgestattet, sodass der FSK Hinweis nicht störend ist. Der Film ist übrigens FSK 12, jedoch denke ich, dass sich die Thematik des Films für Jugendliche kaum erschließen wird.
Extras:
*Making-of - interessant!
*diverse Interviews
*Trailer
*deutsche und kantonesische Sprachfassungen
Resümee: Bemerkenswerter und einziger Ausflug von Wong Kar-Wai ins Eastern-Genre. Mittels episodenhafter und komplexer Erzählstruktur wird eine ergreifende Geschichte ausgebreitet. Mittels Musik, Farbgestaltung, Sprachdiktion eine faszinierende, fast meditative Atmosphäre geschaffen. Wer sich davon berauschen lässt, für den ist es der perfekte Film. Wer aber einen "echten" Eastern sehen will für den wird das Tempo wahrscheinlich zu langsam und der Film zu philosophisch sein.
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