David Ball - Asha, Sohn Maltas - "Ironfire"
Wieder einmal ist der aussagekräftigere Originaltitel der deutschen Marketingstrategie zum Opfer gefallen.
Ball feierte mit "Ikufar, Sohn der Wüste" (Empires of Sand) seinen ersten Erfolg, also bekommt der Folgeroman ebenfalls einen Eigennamen als Titel.
Doch "Asha", so merkt man bald, ist nur ein Teilaspekt des Romans.
Auch der Klappentext wir dem Roman kaum gerecht, man erfährt aber immerhin, daß Maria und Christien de Vries weitere Schlüsselfiguren sind. „Die Liebe der jungen Maria zu dem französischen Adligen Christien de Vries, dem Chirurgen des Malteserordens, muss sich unter grausamen Bedingungen bewähren, als die Flotte der Osmanen in erdrückender Übermacht am Horizont erscheint." (weiterhin :"Die Belagerung der Felseninsel wird Tausende von Toten fordern. Und sie bringt einen Menschen in den größten Konflikt seines Lebens - Asha, einst Sohn Maltas, der nun Korsar auf Seiten des Sultans ist...")
Da wird das gewaltige Spektrum des Romans auf eine simple Liebesgeschichte reduziert und führt auf die falsche Fährte.
Ball verknüpft drei Schicksale so komplex miteinander, daß man über die Bandbreite der Handlung nur staunen kann: Drei Handlungsstränge, drei Schauplätze, drei Schicksale und drei verschiedene Welten laufen unaufhaltsam zu einem furiosen Höhepunkt zusammen.
Jeder einzeln genommen wäre schon Stoff für einen faszinierenden Roman, alle drei aber vereinen sich zu einem umfangreichen, farbenprächtigen Bild einer turbulenten Epoche.
Ball malt mit Worten ein Gemälde voller Leben, da verzeiht man ihm sogar den einen oder anderen kleinen Schnitzer in punkto historischer Korrektheit.
Ungemein plastisch treten das Leben seiner Protagonisten und die spannungsreiche Handlung vor dem inneren Auge des Lesers hervor.
"Ein monumentaler Roman, unterhaltsam und spannend wie ein großes Hollywood-Epos" verspricht der Klappentext desweiteren. Das trifft den Kern der Sache schon eher
Man wird hineingesogen in den Strudel der Ereignisse und blättert mit klopfendem Herzen Seite für Seite um, um die einzelnen Schicksale bangend und ahnend, daß alles in einem gewaltigen Finale gipfeln wird, gipfeln muss und wird nicht enttäuscht.
Geschickt verflicht Ball Überliefertes und Erfundenes in einem fließenden Übergang und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen trockener Fakten, füllt sie mit Leben und macht sie zum persönlichen Erlebnis. Er schafft glaubhafte Charaktere, Protagonisten, die einem ans Herz wachsen und läßt den Leser mit ihnen mitfiebern und mitleiden und teilnehmen an einem längstvergangen Kapitel der Geschichte.
Gute Unterhaltung pur.