Das bereits im Januar 2009 im Berliner Trescher Verlag erschienene Softcover "Aserbaidschan. Unterwegs im Land des Feuers" ist bis heute das einzige, in deutscher Sprache erhältliche Reisehandbuch für das südkaukasische Land geblieben.
Erste Informationen für die Planung einer Reise in die zwischen Dagestan (Russische Föderation) und dem Iran am Kaspischen Meer gelegene Republik erhält man in der Rubrik "Reisetipps A-Z". Für eine Anreise mit dem Flugzeug werden die Lufthansa, AirBaltic, Austrian Airlines, Turkish Airlines und sogar Turan Air genannt (Seite 293), die populärste und sicherlich auch preisgünstigste Möglichkeit zum Erwerb eines Hin- und Rückflugtickets mit der Aeroflot (über Moskau) fehlt jedoch. Von den aufgeführten Internetadressen ist eine nicht mehr vorhanden, eine zweite hat sich geändert. Empfehlenswert eine Liste mit in Deutschland ansässigen Reiseveranstaltern und jenen vor Ort. timediver® hat mit Ventus Reisen (Berlin) bereits mehr gute Erfahrungen gemacht.
Vor Ort, bei mehreren Erkundungsgängen in Baku haben sich timediver® die 46 Seiten über die aserbaidschanische Hauptstadt als informativ und hilfreich erwiesen. Nach einer kurzen Einleitung werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten eingehend besprochen. Anhand der beschriebenen Orientierung zur Meeresbucht (S. 72) findet man sich rasch zurecht. Insgesamt 5 Teilpläne der Stadt ermöglichen ein rasches Auffinden historischer Stätten, wie den Schirwanshah-Palast, das Samaxi-Tor oder den Junfrauenturm, das Wahrzeichen Bakus. Eine erfreuliche Besonderheit stellen die Öffnungszeiten des Historischen Museum dar, denn dieses hat - anders als in den meisten anderen europäischen Hauptstädten - auch montags geöffnet. Ein guter Tipp ist die sehenswerte Tezepir-Moschee, der Sitz des Scheich-ul-Islam des Kaukasus.
Der unter der Einführung "Land und Leute" zu findende Abschnitt über die Geschichte des Landes ist jedoch bei der Betrachtung des Konfliktes um Berg-Karabach, dass mit seiner russischen Bezeichnung Nagorny Karabach genannt wird, sachlich undifferenziert und oberflächlich. Der Beitrag ist eher von Emotionalität als von Argumenten getragen. Die Zeit vom 11. Jahrhundert bis zum Mongolensturm wird als "Aserbaidschans erstes Goldenes Zeitalter" und fünf Zeilen weiter als "aserbaidschanische Renaissance" bezeichnet (S. 35), gleichwohl die turkstämmigen Azerbaidschaner erst um die Mitte des 11. Jahrhunderts in die Region eingewandert sind.
Während der Exklave der Autonomen Republik Nachitschewan ein in Inhalt und angemessenes Kapitel gewidmet ist, gibt es für Nagorny Karabach nur drei Seiten, die mit dem Hinweis versehen sind, "dass sich angesichts der skizzierten Schwierigkeiten und der Unmöglichkeit, vom aserbaidschanischen Umland aus einzureisen, dieses Kapitel auf einen kurzen Abriss beschränkt". Dies ist um so bedauerlicher, weil auch das einzige, deutschsprachige Reisehandbuch für das Nachbarland ("Armenien: 3000 Jahre Kultur zwischen Ost und West"), wohl der "political correctness" folgend, jedoch an der Realität vorbei, keine diesbezüglichen Reisetipps bietet. Denn ein Besuch des international nicht anerkannten, jedoch seit 20 Jahren bestehenden de-facto-Staates "Republik Bergkarabach" ist von Armenien aus leicht möglich.
Für die zweite Auflage des Reisehandbuches Aserbaidschan sind daher einige Aktualisierungen und Ergänzungen wünschenswert, wie z. B, auch ein Hinweis auf die gerade eröffnete Synagoge in Baku. Trotz der genannten Unzulänglichkeiten ist das Reisehandbuch, allein für die von Philine von Oppeln und Gerald Hübner geleistete touristische Pionierarbeit mit 5 Amazonsternen zu bewerten.