Science-Fiction entwirft ' häufig in der Zukunft verortete, teilweise auch räumlich entfernte ' Konstellationen des künftig Möglichen, beschreibt deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Menschen und reichert reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen an.
Was hier Kevin J. Anderson abliefert, hat mit SciFi nicht allzuviel zutun, wenn ich das Genre beschreiben müßte, würde ich eher an eine Daily Soap im Fantasy Bereich denken. Deshalb von mir auch nur 2 Sterne, denn wenn ich SciFi kaufe, sollte auch SciFi drin sein.
Diese Rezension bezieht sich auf das komplette Werk (7 Bücher) und nicht nur auf "Die Asche der Welten"
Was mir an den Büchern am meisten aufstößt, ist das völlige ignorieren von Naturgesetzen, die mehr als kleingeistigen Intrigen, welche alles beim Denver Clan gesehene in den Schatten stellen, schwere logische, sowie inhaltliche Fehler.
Aber fangen wir von vorne an. Auch wenn sich der Autor zumindest in der ersten Hälfte des ersten Buches einigermaßen bemüht auf das Genre SciFi einzugehen (als Beispiele seien hier die Physik der Kliskiss Fackel, sowie das nennen der Lichtgeschwindigkeit als größtmögliche Informationsgeschwindigkeit aufgeführt), so wird dies auch so ziemlich das einzige Mal sein, wo Herr Anderson auf diese Thematiken eingeht. Danach ordnet sich alles seiner Story unter, egal wie die Gesetze der Natur aussehen.
So sehen z.b. die bereits in einem Sonnensystem vorhandenen Raumschiffe die per Sprung in das System ankommenen Schiffe zuerst.
Generell schafft es der Autor nicht dem Leser eine Vorstellung von Größe und Zeit zu vermitteln. In den Büchern gibt es 7 Zivilisationen, mit (B)Milliarden Lebewesen, beim Lesen gewinnt man jedoch sehr schnell den Eindruck das dieses "Epische" Werk in Kleinkleckersdorf spielt, mit nicht mehr als ein paar hundert Protagonisten.
Die zeitliche Komponente beschränkt sich auch eher auf "1 Monat später", wenn sie denn überhaupt Erwähnung findet. Stets liest man etwas wie "Die Schiffe springen in das System und greifen ohne Vorwarnung an".
Nun zu den Zivilisationen, welche doch extrem schwarz/weiß gezeichnet sind. Auf der einen Seite die Hanse, welche die Menschheit im Hintergrund "regiert". Besser gesagt handelt es sich hierbei nur um den Vorsitzenden, bzw. seinen Stellvertreter. Andere Personen scheinen in diesem kapitalistischen "Gebilde" nicht zu arbeiten. während der Stellvertretene die heimliche Stimme der Vernunft ist, hat der Vorsitzende in den 7 Büchern stets die "Aufgabe" die Menschheit zugrunde zu richten, abstruse Entscheidungen zu treffen, unschuldige umzubringen und jeden Tag eine neue Intrige zu planen.
Auf der andere Seite die Roamer, eine menschliche Gemeinschaft von Nachfahren eines Generationenschiffes, welche ihre Unabhängigkeit von der Hanse bewahren wollen. Diese Personen sind stets hilflos, gutherzig, tun niemals das Falsche, beschweren und fluchen stets beim abschlachten ihrer eigenen zivilen Bevölkerung und würden sich auch dann nicht an der Hanse rächen wollen, nachdem ganze orbitale Anlagen dem Erdboden gleich gemacht wurden. Sie konzentrieren sich lieber auf die "richtigen" Gegner.
Die Hydroger / Faeros. Dies sind die richtigen Gegner. Stets unbesiegbar, nicht zu verstehen und chatotisch. Auf der "guten" Seite der Elementarwesen des Universums die Verdani und Wentals, auch mächtige Wesen, aber mit so einem schwachen Willen ausgestattet, daß sie die Roamer brauchen, um sich mal richtig zu wehren. Nunja, auch logisch das man dafür die Menschheit braucht, denn der große Konflikt seit anbeginn der Zeit kann nur durch uns beeinflußt werden...
Nunja, dann gibt es noch die Kliskiss, sowie ihre veräterischen Roboter. Beide erinnern an die Zerg von Starcraft, mögen nur sich und wollen alles andere vernichten.
Als Letztes noch die Ildiraner, eine recht alte und großteils gutherzige Zivilisation, welche ihr Überleben sichern möchte und mehr, oder weniger immer mit Teilen der Menschheit verbündet ist.
Kommen wir zu den Logikfehlern. Z.B. helfen die Kliskiss Roboter der Hanse "Kriegsroboter" zu bauen, um gegen die Hydroger zu kämpfen. Deren sensationelle Taktik soll darin bestehen die Schiffe zu rammen, weil sich dies als zunächst einzige Möglichkeit herausstellt, diese zu besiegen. Die Menschheit nimmt in ihrer Verzweiflung gerne in Kauf, daß sie weder die Kliskiss, noch die Technologie versteht, mit welcher die Roboter gebaut wurden.
Ich persönlich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum man auf zweifelhafte Technik zurückgreifen muß, um mit einem Schiff, per Roboter, gegen die sprichwörtliche "Wand" zu semmeln, wenn auf der anderen Seite Roboter die Kindererziehung und Ausbildung übernehmen. Was ist hier wohl schwerer...
Auch lässt es der Autor nicht aus, den Inhalt alter Bücher leicht zu modifizieren, weil sie von
der Story nicht ganz in sein neues Ideenkonzept passen. Hier werden dann im Nachhinein Inhalte leicht verändert. Z.B. hat zunächst der Roamer verachtende Offizier Fitzpatrick den General Lanyan beeinflusst, ein ziviles Roamer Schiff zu zerstören, da Patrick aber später die "Seiten" zu den Roamer wechselte, musste schließlich der General den armen Fitzpatrick beeinflussen. macht sich auch besser, sonst wäre die unglaubwürdige "Verwandlung" noch unglaubwürdiger geworden.
Die stärken vom Autor beschränken sich auf die Intrigen, sowie dem ziemlich geschickten
Aufbau von Personen, welche man minütlich aus dem Fenster schmeißen möchte. Leider fehlen hier ein wenig die sympatischen Gegenspieler, für welche man sich begeistern kann, bis auf ganz wenige Ausnahmen kommen die "Guten" so schwächlich rüber, daß man auch ihnen ein schnelles Ende wünscht, damit man das Elend nicht mehr ertragen muß. Auch wenn ich nicht das Original, sondern die deutschen Bücher gelesen habe, so kann ich am Schreibstil wenig aussetzen. Die Bücher sind flüssig zu lesen und "Schreibfehler" findet man auch nicht auf jeder Seite.
Wer die Bücher in der Erwartung kauft, eine episches SciFi Opera a la Hamilton,
oder Asher zu lesen, der wird wahrscheinlich enttäuscht. Wer jedoch eher Intrigen im Daily Soap Style und Zukunftsmärchen erwartet, wird wohl großen Gefallen an diesen Büchern finden.
Der Autor ist nicht durchweg schlecht, nur hat er keineswegs meinen Erwartungen entsprochen und mehr genervt, als begeistert.