Es handelt sich um ein Buch mit schönen Aufnahmen von Aschaffenburg, wenn man sich nur die Abbildungen ansieht. Der Text allerdings ist äußerst fehlerhaft: Allein schon die Behauptung, König Ludwig I. von Bayern habe Aschaffenburg als "Mein Bayerisches Nizza" bezeichnet, stimmt nicht, sondern ist eine spätere Erfindung. Die mit "Historisches" überschriebene Kurzchronik enthält zahlreiche Fehler, u. a.: Herzog Liudolf konnte das Stift nicht 975 gründen, denn damals war er schon längst tot, die Befestigung der Siedlung erfolgte nicht 1122, sondern früher, Aschaffenburg war schon vor dem 14. Jahrhundert Zweitresidenz, das Jahr der Stadtrechtsverleihung trifft nicht zu, es gab 1810-1813 kein Fürstentum Frankfurt, sondern ein Großherzogtum, Aschaffenburg fiel nicht nach dem Wiener Kongreß, sondern schon vorher an Bayern. Die Bauzeiten des Schlosses in der Chronologie und in der entsprechenden Bildunterschrift Der "Schlappeseppel" ist weder das älteste Gasthaus der Stadt, noch war die frühere Brauerei die älteste Aschaffenburgs; das propagierte angebliche Gründungsjahr 1631 ist eine Erfindung der unmittelbaren Nachkriegszeit. Auch eine Formulierung wie "sichtbare Glaubensbezeugungen wie die Fronleichnamsprozession bestimmen die Grundfarbe des Stadtbilds" gibt weniger die Wirklichkeit als klerikles Wunschdenken wieder.
Hans-Bernd Spies