Wahrscheinlich war Friedrich Gulda schon ein bißchen durchgeknallt. Verkündet sein seliges Ableben und lacht sich kaputt, dass alle drauf reinfallen. Ein bißchen später war's dann tatsächlich soweit.
Schade. Gulda war nicht nur ein ausgezeichneter Mozart- Interpret, Beethoven gelang ihm auch gut.
Nun geht es aber um die Rezension dieser Platte und man kann nur sagen: Genial.
Fangen wir mal mit Herrn Rettenbacher an. Super Bass, begleitet auf den Punkt, legt ein tolles Fundament für den Meister. "Blues for H.G." eine Gulda Komposition ist Hans Georg Brunner-Schwer gewidmet, der neben Willi Fruth die exzellenten Aufnahmen bei MPS gefertigt hat. "H.G." war Gründer dieses Kult- Labels. Die Nummer gefällt mir nicht so gut.
"All Blues" und "Round midnight" sind einfach wahnsinnige Titel, die mit technischer Perfektion gespielt sind und dennoch emotional rüberkommen.
Umwerfend ist die Interpretation vom Doors Hit "Light my fire", so etwas hat man auf dem Flügel überhaupt noch nie gehört. Die Läufe, Tempi- und Harmoniewechsel sind atemberaubend. Wenn hier jemand selber Klavier spielen sollte: Nicht anhören. Man zerhackt hinterher wahlweise das Klavier oder rührt in seinem ganzen Leben nie wieder auch nur eine einzige Taste an.
Zur Technik gibt's nicht viel zu sagen: MPS steht für most perfect sound (Musikproduktion Schwarzwald, eigentlich) und klingt auch so.
Im hohen Maße bedauerlich finde ich allerdings, dass es die von Gulda und seinem alter Ego Golowin veröffentlichten Schallplatten "Vienna so blue" und "Vienna revisited" immer noch nicht als CD gibt. Ein paar songs sind auf der Werkschau Guldas auf MPS veröffentlicht, aber nur wenige. Blöd. Hinreissend die teils bitterbösen, teils melancholischen Lieder. Dazu gibt's dann auch wieder dieses absolut wunderbare, perfekte Klavier. Man höre "Andererseits" oder "hau' di int Gatsch" oder "wann du mi amol loswer'n willst".