Schwierig, schwierig! Ich habe lange überlegt wie unverblümt ich meine Meinung zu dieser Verfilmung von Shakespeares Schäferspiel kundtun darf, ohne mich als gänzlich ignorant und polemisch zu outen, aber ich komme leider nicht umhin zu gestehen, dass mir diese Inszenierung nicht gefallen hat.
Als der Abspann des Filmes lief, blieb ich mit einem Gefühl großer Unzufriedenheit sitzen, und fragte mich verwundert, woran es liegt, dass ich mich trotz namhafter Darsteller, schillernder Farben, ungewöhnlicher Kulissen und schmissiger Dialoge von Branaghs Inszenierung so gut wie gar nicht beeindruckt fühlte (um es mehr als vorsichtig auszudrücken).
Der Plot der Geschichte ist ziemlich einfach: Ein Herzog (Brian Blessed) wird von seinem Bruder (auch Brian Blessed) abgesetzt und verbannt. Seine Tochter Rosalind (Bryce Dallas Howard) verkleidet sich als Mann und flieht vom Hof des Onkels zu ihrem Vater in den Wald. Ihre Kusine Celia (Romola Garai), Tochter des Usurpators begleitet sie. Rosalind trifft im Wald Orlando (David Oyelowo) wieder, den enterbten Bruder von Sir Oliver (Adrian Lester) in den sie sich schon bei Hofe verliebt hat. Auch sonst tummeln sich im Wald von Arden allerlei schräge und interessante Typen, die sich nach und nach dem verbannten Herzog anschließen.
Und so sieht man ein shakespeareskes Verkleidungs- und Verwechslungsspiel mit den üblichen Irrungen und dem unerlässlichen Überwinden aller Hindernisse, die sich der wahren Liebe in den Weg stellen könnten.
Auf der einen Seite bietet Shakespeare ganz simple pastorale Unterhaltung mit Gesangseinlagen und vielen Zoten aber auf der anderen Seite lässt er einige seiner skurrilen Charaktere auch elaborierte Betrachtungen über das Leben, die Liebe, das Alter, den Tod und den Gang der Welt anstellen, und diesen bunten Reigen, der hauptsächlich vom Können der Darsteller und den geistreichen Dialogen lebt, in ein lustiges und bewegendes Stück Film zu verwandlen, das ist Branagh meines Erachtens nicht gelungen.
Branagh wartet mit jungen und attraktiven Darstellern auf und hat die Handlung in die Kulisse des feudalen Japans im 19. Jahrhunderts gesetzt. Aber statt Geist und Witz und Romantik hat er ein multikulturelles Chaos an Farben und Extravaganzen geschaffen, die Original-Dialoge selbstbewusst umgeschneidert und die gesamte Komödie so gründlich vom elisabethanischen Flair befreit, dass man "seinen" Shakespeare allenfalls noch im dauerdepressiven Barden Jaques und an den typischen Kabalen der Verliebten wieder erkennt.
Im Allgemeinen bin ich ein großer Fan von Branaghs Inszenierungen, aber in diesem Fall hat Herr Branagh meinen Geschmacksnerv weit verfehlt. Schon alleine das fernöstliche Szenario ging mir so sehr gegen den "klassischen" Strich, dass mir bereits der Einstieg (ein Kampf der Sumoringer) schweres Unbehagen verursachte. Natürlich muss man bei Branaghs Inszenierungen von vorne herein eine große Toleranz mitbringen was Logik und Authentizität angeht, aber hier fehlte mir nicht nur viel vom ursprünglichen geistreichen Text und von den gepfefferten Dialogen, sondern auch das gesamte Flair vom guten, alten, elisabethanischen William Shakespeare. In diesem Film wurde Shakespeare entthront und es herrscht Branagh (und das mit einem Hauch zuviel Selbstgefälligkeit seinerseits). Sorry.
Auch von Bryce Dallas Howard bin ich enttäuscht. Vielleicht waren meine Erwartungen in sie zu hoch gesteckt, denn ich hätte im Vorfeld schwören können, dass es keine bessere Besetzung für die Rosalind geben könne. Aber diese Rosalind ist soooo blutleer, dass ich heulen könnte. (Wer's nicht glaubt, der möge sich im Vergleich dazu eine gewitzte und großartige Helen Mirren in der TV Verfilmung von 1978 ansehen.) Auch David Oyelowo als Orlando sieht wirklich attraktiv aus, aber auch hier kommt kaum Leidenschaft beim Zuschauer an. Von "compelling romantic" kann bei diesem Duo wirklich nicht die Rede sein. Die anderen Darsteller können sich sehen lassen, allen voran Kevin Kline der den ewigen Schwarzseher Jaques gigantisch spielt.
Ansonsten gibt das Drehbuch (und ein stückweit wohl auch die Komödie selbst) kaum mehr her, als dass Alfred Molina als Narr Touchstone und Janet McTeer als seine Audrey ziellos durch den Forest of Arden geistern und Brian Blessed als Herzog im Lagerfeuer herumstochert, während er als sein Bruder eine Art übergewichtigen Ninja mimt.
Summa summarum:
Eine ziemlich unromantische, ziemlich konfuse und ziemlich freie Verfilmung eines frühen Shakespeare Stückes. Einzig die Farbenflut der Kostüme, die Pracht der Kulissen sowie die atemberaubend schönen japanischen Landschaftsgärten fesseln die Aufmerksamkeit des Zuschauers, weder die Hauptdarsteller noch die Story vermögen das. Diese extravagante Inszenierung ist unbestritten ein optisches Elysium, aber definitiv nicht nach meinem Gusto.
3 unzufriedene und sehr großzügige Sterne.
DVD:
Eine DVD Ausgabe, die gemessen am Preis sehr wenig zu bieten hat; Dolby digital 5.1, 16:9 Widescreen Color, Laufzeit ca. 122 Minuten, Sprache Englisch, mit Englischen Untertiteln für Schwerhörige, Dual-Layer Format,
Special Features: Featurette, Photo Gallery