7,99 Euro für rund 25 Minuten Musik und sechs Tracks, die den Gehörgang des Rezensenten mit schwerem, schwarzem (also etwas düsterem), aber jederzeit hochwertigem Country-Soul-Samt auskleiden. Geigen, Klavier, Orgel, Slide-Gitarre (dargeboten von Session-As Greg Leisz) und immer wieder diese künstlerische Nähe zu
van Morrison,
Paul Weller und
Joe Cocker kennzeichnen ein sehr akustisches, erdiges Album, das textlich mit jede Menge Pathos und den wirklich gewichtigen Dingen des Lebens aufwartet. Sämtliche Songs versuchen eine Gratwanderung zwischen feiner Americana-Tradition einerseits und einer gehörigen Portion Mainstream-Radiotauglichkeit andererseits. Bestes Beispiel ist 'Simple Things', das über dreieinhalb Minuten perfekte Popmusik zelebriert. Dagegen traditionell und mythisch zugleich die wunderschöne Ballade 'May I Remind You'.
Calexico-Frontman Joey Burns (Calexico-Partner John Convertino sitzt hier übrigens an den Drums) hat exzellente Arbeit geleistet und produzierte einen Amos Lee, der nach der großartigen
Mission Bell (2011) noch einen drauflegt. Allerdings lauschen wir - hört! hört! unerhört! - angeblich sechsmal Ausschussware, denn wie zu erfahren ist, ist die "As The Crow Flies"-EP im Grunde hochwertige Resteverwertung. Es handelt sich nämlich um Material, das während der "Mission Bell"-Sessions entstand , es aber - aus welchen Gründen auch immer - nicht auf den Longplayer schaffte. Das nennt man dann wohl "Kollateral-Musik" - im Falle des Countryisten Amos Lee ein echtes Luxusproblem, denn ein wirklicher Qualitätsverlust gegenüber dem vergangenen Longplayer ist im Grunde nicht auszumachen. Der Flug der Krähe bleibt trotz eines Quäntchens "Zuviel-Gefälligkeit" zweifellos ein weiterer Höhenflug in der noch jungen Karriere des Amos Lee. Ein geschätzter Netzkollege brachte es in seiner Abhandlung zu dieser EP ziemlich treffend auf den Punkt, als er zu "As The Crow Flies" schrieb: "Eine radiotaugliche Angelegenheit für Fernfahrer und Folkmädchen, denen
Bonnie Prince Billy zu schrullig und
Johnny Cash zu tot sind. Meistens erinnert mich Amos an die männliche
Norah Jones, die in den Körper eines
Bob Dylan geschlüpft ist und den Knödelteig roh isst."