In diesem 1959 von Falk Harnack gedrehten Film geht es vordergründig um die Möglichkeit von Herztransplantationen, die in dem Film noch "Überpflanzungen" genannt werden.
Acht Jahre bevor in Südafrika die erste Transplantation gelingt, ist es rückblickend amüsant welche Vorstellungen von den Abläufen dabei entwickelt werden (besonders skurril wirkt die Szene mit Benjamin, dem Gorilla, dessen Herz seit sieben Monaten außerhalb des Körpers schlägt, um den Organismus an das fremde Eiweiß zu gewöhnen), andererseits wirken zumindest für medizinische Laien wie mich einige Probleme (Abstoßungsreaktionen usw.) erstaunlich gut recherchiert.
Woher kommen nun die zu transplantierenden Herzen? Hier erreicht der Film seine dämonische Tiefe: lebensunwerte Menschen sollen als Organspender dienen, um wertvolles Leben zu erhalten. Der von Ewald Balser gespielte Professor Lund, der "das Gute will, aber das Böse schafft" (?), bedient sich der Kenntnisse eines ehemaligen KZ-Arztes und der Dienste eines ehemaligen Kapos. (Balser erinnert mich den ganzen Film hindurch stets an seine Sauerbruch-Darstellung, vielleicht war dies ja auch beabsichtigt: den berühmten Arzt mit der großen Nähe zum NS-System durchschimmern zu lassen).
Die zu OP-Assistenten auserkorenen Ärzte Dr. Westorp und Dr. Cordt, beide im Film durchgängig als "die Guten" dargestellt, unterbinden diesen grausigen Plan, als sie ihn in seiner Gänze erfassen. Allerdings ist Dr. Westorp froh, dass niemand etwas von dem Verbrechen erfährt, da die allgemeine Empörung nicht zu ermessen wäre. Er hält die Nachkriegsgesellschaft, die sich begeistert dem beginnenden Wirtschaftswunder zuwendet, also nicht für reif genug, um von den wieder auf die Füße gefallenen Verbrechern des tausendjährigen Reiches zu erfahren.
Als Professor Lund sich bei Westorp bedankt, dass dieser, in voller Kenntnis der Verbrechen, ihn nicht an die Polizei verraten hat, antwortet Westorp: "Ich bin Arzt, kein Polizist.".
Am Ende des Films vereinbaren Dr. Westorp und Dr. Cordt, die Arbeiten Lunds fortzuführen. Wobei Dr. Cordt den Zuschauern den Glauben an die guten Absichten der Ärzte bewahren soll: "Ich glaube, Sie haben Recht. Wir dürfen Lunds Arbeit nicht im Stich lassen. Auch wenn wir einen anderen Weg gehen müssen."
Auch aus anderen Gründen ist der Film durchaus auch heute noch sehenswert:
So planen beispielsweise Dr. Westorp und das ihn begleitende dumme Blondchen Sabine einen 14-tägigen Mallorca-Urlaub. Westorp muss Sabine alleine lassen, um an der wichtigen OP teilzunehmen, da fällt Sabine ein, dass sie ja auch noch etwas zu erledigen hat: "Ich werde mir inzwischen ein paar Badeanzüge anschauen. Mir ist eingefallen, die Spanier haben Bikinis gar nicht gern."
Der italienische Arbeiter Terruzzi stirbt an den Folgen einer Herztransplantation (die er übrigens ungefähr so lange überlebt, wie später der erste Patient Washkansky). Um den Totenschein ausstellen zu können, fragt der herbeigerufene Arzt die Polizisten nach dem Namen des Toten. "Es klang wie dieser komische Fußboden. Terrazzo oder so." "Nichts als Scherereien hat man mit diesen Leuten!"
Da zeigt sich der "liebevolle" Umgang des Wirtschaftswunderlandes mit seinen "Gastarbeitern".
Herauszuheben bei diesem Film ist die schauspielerische Leistung Wolfgang Kielings. Sie überstrahlt alles. Auch Wolfrid Lier als Kapo Jakubeit vermag zu überzeugen. In kleineren Rollen sind Karin Baal und Lina Carstens zu sehen.
Unfreiwillig komisch wirkt der Film in manchen Passagen, wenn Agnes Windeck auftritt - - - unwillkürlich denkt man an die "Unverbesserlichen" oder die Edgar-Wallace-Klamauk-Verfilmungen.
Bild- und Tonqualität empfand ich als sehr gut. Schön ist auch, dass der DVD als Booklet eine verkleinerte Reproduktion der Illustrierten Film-Bühne aus dem Jahr 1959 beigegeben wurde (ansonsten gibt es keine Extras).