Ein Standardwerk der modernen kritischen Pharmakotherapie
In der 2. neu bearbeiteten und erheblich erweiterten Auflage hat der Verfasser erneut ein bedeutendes und gleichermaßen gelungenes Werk vorgelegt. Das vorliegende Lehrbuch ist logisch aufgebaut, faktenreich verfasst, hervorragend bebildert und mit zahlreichen aussagestarken Tabellen angereichert. In logisch abgestimmten Artikeln wird zunächst die Interaktion zwischen Arzneimitteln und Ernährung, Mikronährstoffen in unterschiedlichen biologischen Lebenssituationen, wie z.B. bei definiertem Mikronährstoffmangel beschrieben, Einflussfaktoren definiert, aber auch pharmakokinetische Interaktionen (durch Resorption, Biotransformation, Exkretion) beschrieben. Auch werden die häufig mit Mikronährstoffdefiziten einhergehenden Lebensphasen wie Schwangerschaft, Alter und chronisches Kranksein in ihrer biologischen Bedeutung beschrieben, und damit das Problem der gleichzeitigen Arzneimitteleinnahme herausgearbeitet.
Ein großes Kapitel gilt der mitochondrialen Toxizität von Pharmaka, die bislang in der pharmakologischen Literatur viel zu kurz kommt. Neben der genauen Beschreibung der mitochondrialen Funktionen, deren Störungen, insbesondere innerhalb der Atmungskette und des Membranpotentials, werden die Arzneimittel mit gesichert mitochondrialer Schädigung über die Atmungsketten-Phosphorylierung, mitochondriale DNA-Synthese und Lipidmembran-Destruktion spezifiziert dargestellt.
Die folgenden Kapitel befassen sich mit der speziellen Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln und Mirkonährstoffen: Jedes der einzelnen Kapitel ist kenntnisreich ausgearbeitet, gut recherchiert mit neuestem Wissen ausgestattet. Neben dem Fließtext sind übersichtliche Tabellen in enormer Fleißarbeit zusammengetragen. Die Komplexfunktionen zwischen Arzneimittel (z.B Alkohol, Acetylsalicylate, Antazida) und Mikronutrienten wird detailliert und verständlich geschildert: Ausgehend von der Pathobiochemie von Erkrankungen werden die Interaktionen der beiden Substratklassen (Medikamente versus Mikronährstoff) verständlich mit neuestem Wissen beschrieben. Hervorzuheben sind: Die auf neuestem Wissensstand bearbeiteden Kapitel über Zusammenhänge von Antiasthmatika, (insbes. Glukokortikoide) auf den Vitamin D-Stoffwechsel und die TH1-/TH2-Balance. Bei der Behandlung von demenziellen Erkrankungen werden die kritischen Probleme zwischen Cholinesterase-Hemmern und Alpha-Liponsäure, bzw. Methyldonatoren beschrieben.
Ein großes Kapitel wird den Antidiabetika gewidmet unter Berücksichtigung von Vitamin B1 und Benfotiamin als Stimulatoren der Pyruvatdehydrogenase und damit des Glukose-Stoffwechsel. Die bedeutsame Störung des Vitamin B12-Stoffwechsels, insbesondere via Resorptionhemmung durch Metformin und Protonenpumpen-hemmer.
Exzellent ist die übersichtliche, aktualisierte Bestandsaufnahme zum Vitamin D und die Entstehung der Hypovitaminosen D durch Antiepileptika, aber auch deren Wirkung auf Folsäure, Homocystein, Thiamin, Biotin, Vitamin K und Nicotinamid. Während die Zusammenhänge zwischen Antihypertonika, Antikoagulantien, Antirheumatika und Mikronährstoffen eher bekannt sind, wird nochmals dezidiert auf die Auswirkungen von Diuretika, insbesondere auf den Mineralhaushalt eingegangen. Die Interaktionen zwischen Cholesterinsenkern und Mikronährstoffen (z.B. CoQ10), sowie von Nikotinsäure im Zusammenhang mit dem Enzym-Inhibitor Grapefruitsaft wird in einem eigenen Kapitel behandelt, mit Beschreibung von Wirkung und Nebenwirkung, wie z.B. die Flush-Reaktion der Nikotinsäure.
Mikronährstoffe besitzen in der onkologischen Therapie eine große Bedeutung: Relevante Fragestellungen wie kritische Mikronährstoffe bei Tumorpatienten, Nebenwirkungsmanagement während der bei einer Tumortherapie auftretenden Probleme usw. sind in einzigartiger Weise bildlich und textlich hergestellt. Auch die sehr unterschiedlichen differenzierten Einflüsse von Chemotherapeutika im Blick auf Mikronährstoff-Funktion und -Wirkung sind explizit enthalten und zum Teil auch mit Bildern bereichert.
Der Autor hat ein in jeder Hinsicht überzeugendes Fachbuch vorgelegt, welches sowohl für den biochemisch interessierten Studierenden, Arzt und Therapeuten gleichermaßen eine informative Lektüre darstellt, sowohl als Kenntnisvermittelndes Lehrbuch, als auch als Nachschlagewerk. Es bleibt textlich selbst bei schwierigen, komplexen biochemischen Inhalten stets verständlich und plausibel, angereichert mit hervorragenden Zeichnungen und komprimierten, verständlichen Tabellen, und Verweisen auf wichtige Literaturreferenzen. Das Buch kann ich ohne jede Einschränkung zur weiteren Lektüre bestens empfehlen. Es ist ein Standardwerk der modernen kritischen Pharmakotherapie.
Prof. Dr. med. Alfred Wolf, Ulm
Dresdner International University (DIU)