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4.0 von 5 Sternen
Meilenstein des Science Fiction-Comics, 16. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Arzach (Gebundene Ausgabe)
Während Jean Giraud im Westerngenre mit Leutnant Blueberry wohl seine bekanntesten Werke schuf, schuf er unter dem Pseudonym 'Moebius' Science Fiction mit Fantasyelemten.
Arzach stellt eins der ersten Werke unter diesem Pseudonym da, das erstmal in Métal Hurlant (Schwermetall) veröffentlicht wurde. Cross Cult bringt nun alle damit verbundenen Geschichten gesammelt in einem hochwertigen Band heraus.
Nach einem Vorwort des Meisters folgt zunächst die Kurzgeschichte 'Die Umleitung' in Schwarzweiß. Diese stellt quasi die Einleitung zu den Arzach-Episoden dar, und zeigen den Ausflug einer Familie mit dem Auto durch ein abgefahrenes, postapokalyptisches Frankreich, in dem die Grenzen von Realität und Traum so sehr verschwimmen wie in dem Film Yellow Submarine von den Beatles. Ich kann nicht behaupten, diesen Teil vollständig verstanden zu haben.
Dann endlich geht es mit der namensgebenden Figur weiter. Arzach reitet auf einem Flugsaurier durch die Lüfte, und erlebt kleine Abenteuer ohne Sinn, Moral und roten Faden.Woher die Figur kommt, und was sie eigentlich will erfährt man nicht. So wechselt Arzach nach jeder Episode den Namen.
Darum geht es jedoch nicht, denn was diesen Band zum Meilenstein macht, sind definitiv die Zeichnungen. Man kann diese nur als richtungweisend bezeichnen. Farben, Formen und Erzählweise sind auch 35 Jahre nach der Erstveröffentlichung aktuell, und kommen gänzlich ohne Sprechblasen aus, egal ob Arzach Monster abhängt, oder junge Damen beäugt.Jedes Panel wäre ein Poster wert.
Fazit: Als Bildband bestens geeignet. Wer jedoch eine zusammenhängenden Story von Moebius sucht, sollte eher zu John Difool greifen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Licht und Schatten!, 1. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Arzach (Gebundene Ausgabe)
Eine fremde Welt gleitet unter Arzach dahin. Der Mann und sein Flugtier gleiten ohne Ziel und Auftrag dahin, sind einzig auf der Suche nach neuen Erlebnissen und Ansichten. Die Fremdheit der Pflanzen und Häuser berühren ihn nicht, noch können sie ihn zu einer Tat herausfordern. Nur der entblößte Busen einer Unbekannten scheint bei Arzach eine Reaktion herauszufordern. Er entführt den ebenfalls anwesenden Mann und lässt ihn allein und bar jeder Hoffnung inmitten eines gewaltigen Skelettes hängen, wissend, dass ihn die fleischfressende Vegetation nicht verschonen wird, wenn er seine Lage zu verbessern sucht.
Doch die Frau, deren Kopf er beim ersten, flüchtigen Blick in ihre Räume nicht sehen konnte, entpuppt sich als etwas ganz anderes, als von Arzach erhofft.
Hat der Leser die Anfangsepisode, quasi den Prolog zu Arzach, überstanden und schüttelt sich noch über soviel Unsinn, gekleidet in interessante Bilder, steht er staunend und stirnrunzelnd vor "Arzach". Diese Kultfigur der letzten drei Jahrzehnte, dieser Mythos des legendären Moebius, dieser von Generationen hoch und in den Himmel gelobte "Arzach" oder "Harzak", "Harzack", "Arzack" und letztlich auch "Harzakc" genannte Unbekannte, erschließt sich dem Betrachter nicht. Ist es ein Held, ein Verbrecher, ein Ehebrecher und Frauenschänder, ein Vergewaltiger, Mörder oder nur ein Beobachter? Ist es ein Soldat, ein Kämpfer, ein Held oder ein Nichts, ein Unwichtiger, ein Niemand?
Da es keinen Text gibt, muss man sich den Inhalt aus den Bildern herauslesen, muss die Zeichnungen oder besser die Gemälde deuten, interpretieren, werten. Damit übernimmt der Betrachter die Aufgabe des Autoren, er gibt der Geschichte Sinn, Verlauf, Handlung und Ziel. Der Leser lässt die seltsame Welt erstehen, gibt ihr eine Bedeutung, einen Anfang und ein Ende.
Dies ist in der Comic-Geschichte ein sicherlich einmaliger und bahnbrechender Versuch, die tradierten Erzählweisen aufzubrechen und zu konterkarieren. Jean Giraud, der Zeichner und Erfinder des legendären Blueberry, wollte als Moebius etwas erschaffen, dass es noch nicht gegeben hat und das die Zeit zu überdauern in der Lage ist. Das ist dem begnadeten Illustrator ohne Zweifel gelungen. Auch wenn die meisten Leser diesen Arzach kaum mehr in die Hand nehmen werden und über die flachen Gags und die Geschichten eher entsetzt und irritiert sind, so lassen sie doch gelten, das die Bilder einmalig, nie anderswo gesehen und von verstörender Intensität sind.
Dieser Versuch von Moebius birgt das Risiko, missverstanden zu werden. Er fordert es geradezu heraus, als Unsinn, Quatsch und Blödheit qualifiziert zu werden. Moebius versucht auch gar nicht, Arzach einen Sinn zu geben. Das würde die mannigfaltigen Interpretationsmöglichkeiten so stark beschneiden, dass er tatsächlich sinnlos wäre. Doch eben indem der Autor keinen Text zulässt, keine Geschichte erzählt, sondern assoziative und suggestive Bilder aneinander reiht, lässt er Arzach unsterblich werden und zu einer Ikone mutieren.
Der Käufer hat die Wahl. Will er dieses Experiment auch dreißig Jahre nach seiner Entstehung nachvollziehen, muss er sich "Arzach" zulegen. Doch er muss sich klar darüber sein, dass dieser Versuch zum Scheitern verurteilt ist, denn Moebius wollte keine Anleitung hinterlassen oder eine Bewegung los treten, sondern bloß darlegen, wie er die Negation einer stringent erzählten Comic-Geschichte versteht. Das heute noch zu versuchen wäre völliger Unsinn, zu viele haben dies mittlerweile getan.
Der Wert dieses prachtvoll gedruckten und ausgestatteten Bandes besteht einzig und allein durch ihren bibliophilen Charakter. Man kann den ersten Moebius wieder kaufen und betrachten, quasi dazu gehören zu den Bewunderern dieses großen Künstlers.
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