Ishiguro schreibt nicht viel, aber die Bücher, die er schreibt, sind allesamt Meisterwerke, in denen jeder Satz ein kleines Kunstwerk für sich bildet. Drei Jahre vor seinem größten Erfolg "The Remains of the Day" erschien 1986 "An Artist of the Floating World", in dem sich Ishiguro mit seiner Lieblingsthematik auseinandersetzt: die Macht der Vergangenheit über die Gegenwart.
Der pensionierte Künstler Ono lebt drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriege alleine in einem großen Haus und genießt seine letzten Tage. Besuche seiner Töchter und seines Enkels sowie die Stammkneipe um die Ecke sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Doch diese scheinbare Idylle wird getrübt, wenn der Leser langsam aber sicher dahinter kommt, dass der Ich-Erzähler nicht so ganz ehrlich seiner Leserschaft und sich selbst gegenüber bezüglich seiner Vergangenheit ist. Eben dieser kann er nicht länger davonlaufen, als eine seiner Töchter in Heiratsverhandlungen steht und somit, gemäß japanischer Sitte zu dieser Zeit, Herkunft und Ansehen der gesamten Familie zum Gegenstand der Verhandlung wird.
Keiner schafft es so wie Ishiguro, sich seine Charaktere so überzeugend und beeindruckend selbst entlarven zu lassen. Onos glanzvolle Vergangenheit im Zeitalter des Militarismus, die vom Erzähler zuerst natürlich nur in den höchsten Tönen gelobt wird, wird schließlich als das entlarvt, was sie wirklich war und was hier natürlich nicht verraten wird.
Fazit: Inhaltlich und ästhetisch ein Hochgenuss!