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König Arthur Pendragon. Heroisches Rollenspiel zur Zeit der Tafelrunde
 
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König Arthur Pendragon. Heroisches Rollenspiel zur Zeit der Tafelrunde [Broschiert]

Greg Stafford
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 215 Seiten
  • Verlag: Fantasy Productions (1988)
  • ISBN-10: 3890642004
  • ISBN-13: 978-3890642000
  • Größe und/oder Gewicht: 29,4 x 21 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.154.772 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Es gab einst das reale Mittelalter. Irgendwann zwischen dem Untergang Roms und der beginnenden Befreiung aus kirchlich diktierter Unmündigkeit angesiedelt, lebten die Menschen Europas zumeist als Bauern, selten lang, oft von Hunger, Seuchen oder Kindsbettfieber dahingerafft. Für die meisten Menschen war es für die meiste Zeit eintönig und hart, wenn es gut war, und von Nöten, Angst vor realen und eingebildeten Unbillen und Kriegen geprägt, wenn es weniger glücklich war.

Und es gibt das Fantasy-Mittelalter Hollywoods. Ritter in schimmernden Rüstungen, Prinzen, Könige und Prinzessinnen zuhauf, Edelmut und hohe Minne, finstere Zauberer, elegante Neuschwanstein-Schlösser, Turniere und fantastische Monster, Hexen und Feen.

Auf halbem Weg liegt das Mittelalter König Arthurs: Ein Mythos, gespeist aus walisisch-keltischen Volkssagen, englischen Chroniken, französischen Hofdichtungen und modernen Interpretationen wie den "Nebeln von Avalon". Er steht insofern dazwischen, als daß ein Gutteil der Arthussagen tatsächlich aus dem Mittelalter stammt.
Diesem Mittelalter ist das Rollenspiel "Pendragon" gewidmet.

Angesiedelt ist "Pendragon" im 6. Jahrhundert, und es spielt hauptsächlich auf den Britischen Inseln. Nach König Uther Pendragons Tod ist der Thron Britanniens verwaist, bis es einem unscheinbaren Jüngling namens Arthur gelingt, das berühmte Schwert Excalibur aus einem Stein zu ziehen. Schon bald erringt er die Herrschaft über viele Adlige, die sich anfangs nur widerwillig unterwerfen lassen. Arthur wird ein gerechter König, beraten vom weisen Hofzauberer Merlin, umgeben von einer Schar edler Ritter und letztlich gestürzt durch finstere Intrigen, die in einer verzweifelten Schlacht gegen seinen eigenen Sohn und Arthurs Tod durch dessen Hand münden.

Die Arthussaga ist ein Mythos: Über die Geschichte Britanniens im sechsten Jahrhundert wissen wir kaum mehr als die Namen einiger Könige, das, was sich aus einer Handvoll Funde ablesen lies, und den Behauptungen der Schriftzeugnisse meist aus späterer Zeit. Auch die ersten bedeutenden Arthussaga-Zusammenfassern, wie Malory und Chretien de Troyes, war nicht viel bekannt. Kurzerhand projizierten sie die Verhältnisse ihrer Zeit aufs frühe Mittelalter zurück. Vieles, was heute gemeinhin mit Arthur verbunden wird, kam eigentlich erst Jahrhunderte später auf.

Und auch das Rollenspiel Pendragon ist eine wilde Mischung von Anachronismen: Keltische Religion, frühes Christentum und sächsischer Wotansglaube treffen auf hochmittelalterliche Hofsitten, Ritter- und Turnierwesen, ausgefeilte Heraldik, perfekte Ganzkörperrüstungen, mysteriöse Monster und geheimnisvolle Magie. Wikinger gibt es in der Arthuswelt ebenso wie vereinzelte Druiden, Franziskaner ebenso wie Kreuzzüge, Ideale des Renaissance-Humanismus neben frühnormannischen Pottschnitt-Frisuren. Historiker kommen aus dem Kopfschütteln vermutlich nicht mehr heraus.

In dieser Welt sind alle Spielerfiguren Helden: Meist als Knappen oder arme Ritter beginnend, suchen sie Ruhm zu gewinnen, ihren Idealen - und denen ihrer jeweiligen Religion - treu zu bleiben, ihre Ehre zu verteidigen und König Arthur edelmütigst zur Seite zu stehen.

Dabei werden sie von wilden Leidenschaften, Loyalität, Liebe und anderen derartigen Persönlichkeitsmerkmalen getrieben. Anders als bei den meisten Rollenspielen werden daher nicht nur die Fähigkeiten eines Charakters in Zahlenverhältnissen dargestellt, sondern auch einige seiner Charakterzüge. Rollengerechtes Spiel wird so gefördert und auch belohnt - denn das Ausleben der jeweiligen Ideale und Loyalitäten fördert auch den eigenen Ruhm.

Den Ruhm kann man auch mehren, indem man Turniere gewinnt (oder selbst welche veranstaltet), seine Güter treu und gerecht verwaltet, eine gute Partie heiratet - oder zu edlen Questen loszieht. Solche Abenteuer bieten viele Möglichkeiten, Tapferkeit unter Beweis zu stellen, böse Wichte zu verprügeln und ggf. auch Jungfrauen, den Frieden oder die Gerechtigkeit zu retten.

Den Winter verbringt man dann zumeist mit der Pflege der Wunden, der Verwaltung der Güter, der Ausbildung von Knappen und der Vervollkommnung der eigenen Fertigkeiten.

Das an "Call of Cthulhu" angelehnte Spielsystem ist insgesamt ziemlich simpel. Das Kampfsystem ist recht tödlich, einem ernsthaften Gegner sollte man stets gut gerüstet begegnen - und auch nicht allzu oft. Trifft einen Charakter der Heldentod - und das passiert durchaus mal - kommen die ausgezeichneten Kampagnenregeln ins Spiel. Anders als bei anderen Rollenspielen sind hier die Ritter meist verheiratet, haben eine Familie und Söhne oder Töchter, die in ihre Fußstapfen treten können (und schon einen Teil des Ruhms erben). Nachfolge-Charaktere können schon frühzeitig als Knappen mitgenommen werden, an Turnieren teilnehmen oder sich andersweitig nützlich machen. Spielt man so wie im Ursprungskonzept vorgesehen - ein Abenteuer pro Sommer, dann kann man im Laufe einer etwa 70-abenteuerigen Kampagne die Geschichte einer Ritterfamilie vom Fall König Uthers bis zum Ende Arthus' mitverfolgen - mit allen Höhen und Tiefen.

Magie in der Pendragon-Welt ist weniger cartoonhaft spektakulär als beispielsweise bei D&D, nichtsdestotrotz ist sie mächtig: Charaktere altern um Jahrhunderte, wenn sie sich's mit einem Magier verscherzen, oder ihre Ernte wird verhagelt - Feuerbälle gibt's dagegen nicht. Das Magiesystem ist simpel: Man kann zwar Zauberer spielen, ist aber auf die kreative Anwendung weniger Grundfähigkeiten angewiesen. ("Ars Magica" wäre vermutlich eine gute Ergänzung für diejenigen, die ein detaillierteres System vermissen.)

Auch ansonsten sind die Regeln eher knapp gehalten. Viel mehr Wert legten die Autoren aufs Rollenspiel und auf die Einbindung ins Arthurianische Mittelalter. Die aktuelle Originalausgabe des Spiels, die 4th Edition von 1999, bietet über zweihundert Seiten Hintergründe zu Land und Leuten Britanniens und der Nachbarländer, Informationen zu den relevanten Religionen wie zur Rolle der Frau, zahlreiche Hinweise auf die Umsetzung ins Rollenspiel und Diskussionen zum Kampagnen-Stil: Will man's lieber barbarisch-urtümlich nach walisischem Vorbild, mystisch oder psychologisch "modern", oder dichter an der realen Geschichte? Hinweise für jeden Geschmack sind dabei. Monster- und Preislisten, Daten für die wichtigsten Gestalten, Karten, Bemerkungen zur Feenwelt und ein paar Beispielszenarien runden das 350seitige Grundregelwerk ab.

In Amerika ist "Pendragon" weit verbreitet und recht bekannt. Trotzdem komm' ich mit dem Spielhintergrund nicht wirklich zurande: Zu kunterbunt und ohne Rücksicht auf Zusammenhänge wird da zusammengeklatscht, was sich aus tausend Jahren Mittelalter so finden ließ. Die Beschränkung auf den Hof, vor allem auf die Ritterschaft, ist mir zu eng. Die bekannten Vorlagen wurden gut umgesetzt, und dennoch: Irgendwie bleibt's irgendwo zwischen US-Ritterfilm und Mittelaltermarkt stecken. Heroisch-romantische Fantasy-Rollenspiele gibt's wie Sand am Meer, und aus denen ragt "Pendragon" trotz seiner Anleihen nicht wirklich hervor.

Für den Geschichtsfan gibt es weit gelungenere Mittelalter-Adaptionen: "Ars Magica" fügt glaubwürdiger Magiergilden ins europäische 13. Jahrhundert ein, "Hârnmaster" ist eine als Fantasy getarnte hochkarätige und detaillierte Umsetzung des früh- bis hochmittelalterlichen Englands, und "Lionheart" wie diverse GURPS-Bände bieten reale Historie pur. Nach meiner Erfahrung ist die weit vielfältiger, interessanter und spannender als die meisten Fiktionen - auch und gerade als Rollenspiel-Hintergrund.

Zum Ausschlachten eignet sich das Material nur bedingt: Zu oft bleibt unklar, was nun Historie und was Fiktion ist. Auch die Handvoll hervorragender Ideen im Regelwerk ist allein noch kein Kaufgrund.

Zu empfehlen ist "Pendragon" letztlich nur Arthus-Fans, alle anderen können Rollenspiele finden, die besser zu ihrem Spielstil passen werden.

Den Arthusfans aber bietet Pendragon alles, was sie sich wünschen können: Eine Adaption, die viele Umsetzungsmöglichkeiten offen läßt, haufenweise gut gemachtes Material (auf Englisch), durchdachte Regeln und stimmungsvolle Abenteuer.
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