Viel Geschichte steckt in den 55 großformatigen Seiten von 'Myrrdin der Verrückte'. Blut und nackte Haut wird nicht versteckt, aber der Kern ist die Magie und die Wunder, die Myrrdin, und manchmal auch Taliesin, vollbringen. Von den psychologischen Ansätzen vieler Arthusromane der letzten dreißig Jahren bleibt hier nichts übrig. Der Comic ist den Sagen gewidmet, und die sind oft weder logisch noch nachvollziehbar. Man interessiert sich nicht für den Kern der Sagen, der wahr sein könnte, sondern bildet sie ziemlich genau ab. Allein: Es sind die ursprünglichen Sagen, nicht die verzauberte Ritterwelt, die später aus dem Artus-Sagenkreis wurde.
Der Zeichenstil ist realitätsnah, fast zu bunt und oft recht idyllisch. Trotz einiger eher ernüchternder Schlachtenbilder wird die Grenze zum Kitsch das eine oder andere Mal durchaus überschritten. Die Texte wirken mitunter ein wenig altbacken. Es steckt ein alter Sagenduktus dahinter. So wird auch das Gesamtbild eines, das irgendwo zwischen klassisch und altmodisch changiert. Der Comic macht sich gut in einer Sammlung der Artussagen, bringt aber recht wenig Neues mit. Die Zeichnungen sind jedoch gutes Handwerk: Die Charaktere sind gut unterscheidbar, und wer mit der oftmals arg mystischen Sagenwelt klar kommt und Wunder akzeptiert, für den ist dieser Comic durchaus ein Gewinn.