Unbesehen ist das seit über 8 Jahren auf dem Markt befindliche Buch von Frau Morgenegg ein Meilenstein in der Kaninchenliteratur. Doch für den recht stolzen Preis erwarte ich schon ab und zu mal eine Überarbeitung.
1.) So ist die Empfehlung Rasenteppichstücke auf den Balkon zu legen, absolut nicht zu empfehlen. Man kann diese ganz schlecht reinigen, und die Kaninchen nagen diese an, was ihnen keineswegs bekommt! Rasenteppich ist wohl wetterfest, aber eben aus Kunststoff, deshalb ungeeignet.
2.) Auch Zeitungspapier gehört nicht mehr als Unterlage in die Einstreu, wie es die Autorin empfiehlt. Kaninchen scharren alles auf, knabbern daran, und die Druckerschwärze ist ebenso schädlich.
3.) Neben den wirklich informativen Beschreibungen zu den Außengehegen mit vielen Anregungen zum Bau und zur Ausstattung, Wissenswertes zur Vergesellschaftung, bin ich aber ganz besonders gestolpert über die Seite mit den Impfungen, wo ausschließlich über die RHD- Schutzimpfung gesprochen wird. Wie es in der Schweiz aussieht, keine Ahnung. Aber besonders in der Aussenhaltung, aber genauso bei allen Wohnungskaninchen, sollte die Schutzimpfung nicht nur gegen RHD eine Selbstverständlichkeit sein, sondern auch gleichermaßen gegen die tödliche Myxomatose. So etwas darf in einem Kaninchenbuch nicht mehr fehlen!
Allein in diesem Jahr grassierte die gefährliche Myxomatose wieder massenhaft hier bei uns in Deutschland und hat unzähligen ungeimpften Kaninchen das Leben gekostet. Den Hinweis auf die Schutzimpfung gegen den sehr weit verbreiteten Kaninchenschnupfen habe ich ebenfalls vermisst. Geht man in die diversen Kaninchenforen, dann weiß man, wie dieser leider auch zunimmt.
4.) Wenn auch nur eine Kleinigkeit: Ohne Internetrecherche hätte ich nie erfahren, dass es sich bei der im Text empfohlenen "Rottanne" um die gemeine Fichte handelt. Vielleicht in Klammern dazu schreiben?
5.) Das Kapitel Innenhaltung enthält ebenfalls für so ein 190 Seiten Buch kaum wirklich praktikabele Vorschläge und wird nur dürftig beschrieben. Man merkt, dass Frau Morgenegg davon keine Anhängerin ist. Trotzdem schade, denn nicht jeder hat einen Garten und viele Kaninchen leben nun mal auch in der Wohnung. Und dafür gibt es so tolle Ideen und Anregungen.
6.) Auch werden meine Wohnungskaninchen schon seit längerem nur noch mit Heu, Grün- und Saftfutter ernährt. Ob die zusätzliche Gabe von Kraftfutter und Brot für die Aussenkaninchen im Winter notwendig ist, wie die Autorin schreibt, dies kann und will ich nicht beurteilen.
Alles in allem, hat dieses Kaninchenbuch mir sehr gefallen, zumal man auch merkt, dass hier jemand mit viel Herz und zugleich Kaninchenwissen und viel praktischer Erfahrung geschrieben hat. Für die Innenhaltung jedoch bevorzuge ich das neue große Buch von M. Wegler, von GU. Am besten, man liest beide, dann ist man rundum gut beraten und es kommt letztlich den Kaninchen zu Gute.