Aus der Amazon.de-Redaktion
Über mangelnde Zuneigung von Seiten der immer zahlreicher werdenden Fans kann sich Roger Cicero nun wahrlich nicht beschweren. Seit seinem Album
Männersachen (2006) eilt er praktisch von Erfolg zu Erfolg. Mit
Beziehungsweise (2007) avancierte der 1970 in Berlin geborene Sänger und Musiker in Deutschland endgültig zum Star, der wie kein anderer auf seinen Platten und Konzerten Pop und Jazz zusammenbringt. Für seinen neuen Longplayer
Artgerecht hat sich der umtriebige Künstler eine kleine musikalische Frischzellenkur verordnet. Aber keine Angst, Roger Cicero setzt jetzt nicht plötzlich auf einen komplett neuen Sound. Er hat nur sein Stilspektrum etwas erweitert in Richtung Soul und Funk, wobei der klassische Big-Band-Swing natürlich nicht zu kurz kommt. Mit
Artgerecht, erneut entstanden unter der Regie von Frank Ramond und Matthias Hass, liefert er sein bisher vielschichtigstes Werk ab. Eine ebenso kurzweilige wie unterhaltsame Songrevue, gespickt mit Höhepunkten wie der fulminant groovenden Single
Nicht Artgerecht, die das Album eröffnet, der druckvoll voranschreitenden Nummer "Boutique" oder dem hinreißend getexteten Titel "Spontis zeugen Banker". Roger Cicero versucht dabei nicht krampfhaft modern oder anders zu klingen. Er hat das klangliche Umfeld, in dem er sich Zuhause fühlt, schon auf den beiden Vorgängeralben sehr genau definiert. Auf
Artgerecht geht es jetzt einfach darum sich ein wenig breiter aufzustellen und neue Wege auszuprobieren. Seine Begleitformation um Bandleader Lutz Krajenski wurde für die neue Produktion und die anstehenden Konzerte konsequenterweise um einen Gitarristen und einen Perkussionisten aufgestockt. So vermeidet man geschickt jeden Anflug von Langeweile. -
Franz Stengel
Über den Künstler

Zu all den Ehrungen - wie z.B. Echo "Künstler des Jahres 07" - und Gold- und Platin veredelten Alben der letzten Jahre gesellt sich für Roger Cicero nun ein neuer, "zählbarer" Rekord dazu: Bei den offiziellen "Year-End Jazz-Charts" von 2008 gelang ihm das seltene Kunststück, gleich die beiden ersten Plätze einzunehmen. Sowohl das Album "Männersachen", mit dem ihm der große Durchbruch als Swing-Künstler gelang, als auch das oftmals ausgezeichnete Nachfolge-Album "beziehungsweise" platzierten sich auf den Top-Plätzen. Roger Cicero: "Dieser Erfolg ist für meine Musiker und mich ein besonderer Ansporn für das nächste Studio-Album."
Die Erwartungen an ein neues Album könnten wohl größer kaum sein: Wer eine Million Tonträger verkauft, begehrteste Preise wie im Vorbeigehen einsammelt und mit seinem Namen zum Synonym für Coolness und Eleganz avanciert, der legt die Messlatte gleich ganz nach oben. Der Erfolg hat ein mittlerweile überlebensgroßes Porträt von Roger Cicero gezeichnet – das fast vergessen lässt, was die Basis seines raketenhaften Aufstiegs ist: grandiose Musik von hierzulande unerreichter Präzision und Spielfreude.
Vielleicht liegt es am Vertrauen in seine Qualitäten, Roger Cicero jedenfalls ist keine Anspannung anzumerken, wenn er von seinem neuen Album spricht.
Er selbst ist ohnehin sein schärfster Kritiker, und im Moment spürt man an ihm nur die große Zufriedenheit eines Musikers, der etwas nahezu Perfektes geschaffen hat. Er formuliert das zurückhaltend: „Wir wollten musikalisch einen Schritt weiterkommen. Und das haben wir geschafft.” Weiterentwicklung, nicht um der Gefahr zu entgehen, Epigone seiner selbst zu werden, sondern weil er künstlerisch mehr zu bieten hat als „nur” eine der variantenreichsten deutschen Stimmen: Er ist ein kompletter Musiker mit Fähigkeiten als Komponist, als Arrangeur und mit einem enormen stilistischen Hintergrund.
„Artgerecht” ist insofern ein logisches Stück Roger Cicero, auch wenn es deutlich anders ist als seine Vorgänger-Alben „Männersachen” und „beziehungsweise”. Darauf deutet auch der Titel hin, einerseits inspiriert von dem Song „nicht artgerecht”, genauso aber ein selbstbewusstes Statement zu der enormen stilistischen Bandbreite des Albums. Roger Cicero bringt es auf den Punkt: „Mein familiärer Background ist Jazz, ich habe Jazz studiert, bekannt geworden bin ich mit Big-Band-Swing, meine persönlichen Wurzeln aber liegen im Soul und Funk – all das haben wir nun umgesetzt. Das Album wird also meiner Art gerecht, wir hätten keinen besseren Namen finden können.”