Ich hatte mich anscheinend zu früh gefreut. Der wieder äußerst gelungene sechste Band "Das Zeitparadox" versöhnte mich mit dessen völlig aus der Spur geratenem Vorgänger "Die verlorene Kolonie". Dementsprechend gutgelaunt und mit frohem Mut ging ich nun an das siebente Hörbuch-Abenteuer des irischen Superhirns Artemis Fowl - und sah mich wieder enttäuscht. Vielleicht ist das Universum rund um die brisante Beziehung des inzwischen 15jährigen Artemis und seiner unterirdischen Freunde mittlerweile wirklich ausgereizt oder der Band dient nur als vorbereitender und daher seltsam seelenloser Platzhalter für das von Autor Eoin Colfer angekündigte abschließende Finale. "Der Halbblutprinz" der Harry Potter-Reihe lässt da herzlich grüßen. Oder war das Schreiben der von der Kritik sehr wohlwollend aufgenommenen Sequels von Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reihe zuviel, um da noch gleich einen brillianten Fowl-Band nachzulegen?
Zur Story: Artemis, der sich anstatt neue Gaunereien zu planen, mittlerweile für die Rettung des Weltklimas interessiert, wird seit geraumer Zeit von psychischen Problem, die ihn zu zwanghaften Handlungen treiben, geplagt. Dieser sogenannte Atlantis-Komplex kommt zum denkbar schlechten Zeitpunkt, bereitet doch eine unbekannte macht einen Anschlag auf die Unterirdischen und vor allem deren Zentrale Untergrund-Polizei (ZUP) vor...
So weit, so gut. Die Wandlung Fowls zu einem eher sanftmütigen Zeitgenossen könnte man noch durchgehen lassen, würden nicht auch alle anderen liebgewonnenen Charaktere der Reihe in diesem Buch seltsam blutleer bleiben. Technikgenie Foaly kann seine Trümpfe ebensowenig ausspielen wie Artemis langjähriger Leibwächter Butler. Selbst mein erklärter Liebling, der kleptomanische Zwerg Mulch Diggums, darf zwar wieder im breitesten bayrischen Zungenschlag vom Leder ziehen, wirkliche Handlungsimpulse vermag er aber auch nicht zu setzen. Permanent wartet man auf einen für die Reihe typischen Schlenker im Plotverlauf, aber diese Überraschungen sucht man diesmal vergebens. Spannung und Mitfiebern, sonst ein Markenzeichen fast jeden Fowl-Bands: Fehlanzeige.
Auch der souveräne Rufus Beck kann da wenig herausschlagen. Seltsamerweise verzichtete er diesmal beim Intonieren des Dämons "Nummer Eins" auf dessen bisher in zwei Hörbüchern verwendete Kieksstimme. Das ist das erste Mal überhaupt, dass ich bei Becks zahlreichen Einsätzen im Audiobereich einen Stimmenwechsel eines Charakters innerhalb einer Reihe erlebe.
Fazit: kein Totalabsturz, aber in meiner persönlichen Hierarchie der Saga nur Punktlandung auf dem vorletzten Platz. Ich hoffe auf einen großen Showdown, Mr. Colfer!