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Die Frage, ob die Klavierfassungen von Mahlers zweifellos orchestral konzipierten Liedern mehr darstellen als einen Behelf, um die Stücke einem breiteren Publikum nahe zu bringen (wer kam in einer Zeit ohne die Möglichkeit der Tonaufnahme schon mit der Orchesterfassung in Berührung?), ist häufig und sehr konträr diskutiert worden. Die sorgfältige Ausarbeitung des Klaviersatzes durch Mahler selbst und seine belegten eigenen Aufführungen dieser Fassungen sind zumindest ein Zeugnis dafür, dass er den Klavierversionen einen eigenständigen künstlerischen Wert beigemessen hat.
Gerold Hubers sensible, differenzierte und ausgesprochen plastische Verwirklichung des Klaviersatzes der Kindertotenlieder auf der vorliegenden CD ist ein weiteres, unmittelbar einleuchtendes Argument für ihre Bedeutung und Qualität. Fast bedauert man, dass die Lieder eines fahrenden Gesellen nicht gleichfalls von dem perfekt aufeinander eingespielten Duo Gerhaher/Huber allein dargeboten werden. Allerdings erklingt auch dieser Zyklus hier in einer nicht oft zu hörenden, sehr reizvollen Version: Arnold Schönberg bearbeitete ihn, ebenfalls zum Zweck der unkomplizierteren Aufführbarkeit, für Kammerensemble.
Christian Gerhaher bewältigt das schwierige Repertoire mit seiner warm timbrierten, tadellos funktionierenden Baritonstimme auf hohem Niveau ohne jeglichen technischen Probleme; der große Stimmumfang der Lieder bereitet ihm ebenso wenig Schwierigkeiten wie die dramatischen Anforderungen, die sie an den Interpreten stellen. Wollte man etwas bemängeln, so wäre eine gewisse Kühle und Nüchternheit des Ausdrucks zu nennen: Die fast unerträgliche Intensität unstillbaren Schmerzes, die Kathleen Ferriers Aufnahme der Kindertotenlieder vor allen anderen auszeichnet, erreicht Gerhaher nicht. Eine sehr weit gehende Bereitschaft, sein Innerstes nach außen zu kehren, ohne dabei als Künstlerpersönlichkeit zu zerfließen, gehört allerdings zum zehrenden Metier des Liedgesangs; in diesem Punkt wagt sich Gerhaher mittlerweile schon viel weiter vor als noch bei seiner Aufnahme von Schuberts Schwanengesang, mit der er bei Arte Nova debütierte. Noch mehr davon wäre wünschenswert! --Michael Wersin
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