vergleicht man die orte der kindheit, ihre in der seele abgespeicherten atmosphären und emotionalen frequenzen, mit der jeweils heutigen, gegenwärtigen aura, so wird fast jeder mensch die erfahrung machen, dass sich etwas verändert hat - nicht nur äußerlich in der lokalität, sondern auch innerpsychisch, hinsichtlich der resonanz, die eine solche ortsbegegnung in uns wachruft. dies ist eines der einfachsten beispiele dafür, dass identität ein prozess ist. anders als literaten versuchen künstler den zugrundeliegenden faktoren solcher entwicklungen experimentell beizukommen. während literaten sich zuweilen chronologisch und sehr nach hinten blickend verheddern, fällt bei künstlern auf, zumindest bei denen im band ART WORKS vorgestellten, dass sie fiktional, ein versuchsweises ALTER EGO erfindend, wie mit quasi physikalischer versuchsanordnung spielend, tiefgründigst vorgehen. die größere distanziertheit, mit der nicht-verbal-orientierte symbol-schöpfer zu werke gehen, - sie vermeidet, dass man sich in autobiographische unwichtigkeiten irgendeines notorischen selbstdarstellers verheddert und schafft stattdessen eine plattform für vergleichendes, produktives nachdenken. die herausgeber barbara steiner und jun yang haben auch vermehrt darauf geachtet, misch-identitäten zu präsentieren - an ihnen wird der identitäts-bildungs-prozess in seinen brüchen, rückwendungen und voraus-eilungen noch deutlicher sichtbar. die meisten künstler-biographien dieses bandes enthüllen, dass ein spagat zwischen verschiedensten ländern und kulturen, zeitläuften und medien-einflüssen hin- und her-jongliert werden musste. dieses buch befördert das hineingraben in detail-aspekte (prozentual gut vertreten auch die problematiken weiblicher identitätsbildungen) - gibt aber auch immer wieder raum frei zu erquicklichen distanz-nahmen. so berührte mich sehr positiv z.b. die vorstellung der arbeit des ukrainischen, nun in new york lebenden künstlers ILYA KABAKOV: unter dem titel THE BOAT OF MY LIFE baute er ein weißlackiertes ruderboot in einen museumsraum. im boot war untergebracht eine kleine horde jahrgangsweise beschrifteter kartons, darinnen materielle begegnungen verflossener zeit, fertig zum zuschnüren und vergessen. dass identität eine voranschreitende, nicht notwendig nach hinten blickende bewegung ist, wird hier sehr eindrücklich visualisiert. das buch ist vollgepropft mit ähnlich guten genie-blitzen ...